Knorr-Bremse-Chef geht nach nur zehn Monaten

Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Unerwartet verlässt Bernd Eulitz bereits Ende August Knorr-Bremse. Der Manager hat sich mit einem Aufsichtsratsmitglied überworfen. Das Kontrollgremium gab bekannt, dass die Suche nach einem neuen Vorstandschef für den Bremsenspezialisten laufe.

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Bernd Eulitz, Vorstandsvorsitzender von Knorr Bremse, verlässt das Unternehmen.
Bernd Eulitz, Vorstandsvorsitzender von Knorr Bremse, verlässt das Unternehmen.
(Bild: Knorr Bremse)

Der Lkw- und Zugbremsenhersteller Knorr-Bremse kommt an der Konzernspitze nicht zur Ruhe und muss sich abermals einen neuen Chef suchen. Der Konzernchef Bernd Eulitz scheide zum Monatsende im gegenseitigen Einvernehmen aus, teilte das Unternehmen am Mittwochabend überraschend in München mit. Der Aufsichtsrat habe die Suche nach einem Nachfolger bereits eingeleitet. Die Aufgaben des Managers nähmen in der Übergangszeit andere Vorstandsmitglieder wahr, hieß es. Bereits 2019 hatte der damalige Konzernchef Klaus Deller nach internen Differenzen Knall auf Fall den Posten geräumt.

Am Kapitalmarkt bereiteten die Nachrichten den Anlegern am Donnerstag Sorgen. Die Knorr-Bremse-Aktie lag zur Mittagszeit rund 3,8 Prozent im Minus und gehörte damit zu den schwächsten Titeln im MDax. Im laufenden Jahr ist die Entwicklung aber trotz der Corona-Krise mit einem Plus von rund 11 Prozent positiv.

Meinungsverschiedenheiten mit Aufsichtsrat

Der Grund für das erneute Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden nach nur zehn Monaten liege in „tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten“ zwischen Eulitz und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Mangold, teilte Knorr-Bremse weiter mit. Diese beträfen „Fragen der Führung und der aktiven Gestaltung unternehmerischer Belange“. Die unterschiedlichen Ansichten hätten zu einer „wachsenden Belastung des Verhältnisses“ geführt und die „Fortsetzung der Zusammenarbeit unmöglich“ gemacht.

Der frühere Linde-Manager Eulitz hatte den Job an der Konzernspitze erst im November 2019 übernommen und war mit viel Vorschusslorbeer des Aufsichtsrates angetreten. Sein Vorgänger Deller hatte den Konzern ebenso überraschend verlassen, ebenfalls wegen unterschiedlichen Auffassungen zur Geschäftsführung.

Operativ hatte Deller eine durchaus passable Bilanz vorzuweisen, unter der Führung des Managers gelang 2018 auch der Börsengang von Knorr-Bremse. Nach Dellers Abgang übernahm zunächst der damalige Finanzchef Ralph Heuwing den Posten an der Konzernspitze. Er verließ den Konzern dann aber in diesem Frühjahr.

Dritter Chef binnen 18 Monaten geht

Eulitz' Abgang ist somit bereits der dritte Abschied eines Top-Managers bei Knorr-Bremse binnen nur 18 Monaten. Aus Sicht von Analyst Akash Gupta von der US-Bank JP Morgan führe der überraschende Abschied eines weiteren hochrangigen Managers zu weiteren Sorgen um die gute Unternehmensführung bei dem Bremsenhersteller. Frederik Bitter von der Privatbank Hauck & Aufhäuser sieht darin seine Skepsis mit Blick auf den Einfluss von Heinz-Hermann Thiele sowie seine negative Haltung zur Aktie untermauert.

Erst kürzlich war der einflussreiche Großaktionär Thiele nach vier Jahren Pause wieder in den Aufsichtsrat von Knorr-Bremse eingezogen. Er hält mit seiner Familie fast zwei Drittel an dem Spezialisten für Zug- und Lkw-Bremsen. Auf der Hautversammlung des Unternehmens Ende Juni hatte der nun geschasste Vorstandschef noch über Thiele gesagt: „Seine strategische Weitsicht hat das Unternehmen nicht nur zu einem Weltmarktführer und international führenden Industrieunternehmen gemacht, sondern auch für den Kapitalmarkt bestens aufgestellt.“

Knorr-Bremse will am 10. September seine vollständige Bilanz für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2020 vorlegen. Dann wird Eulitz schon nicht mehr mit an Bord sein. Nach vorläufigen Zahlen hat der Bremsenspezialist im zweiten Quartal während der Corona-Krise besser abgeschnitten als von Marktexperten erwartet. Den Unternehmensangaben zufolge liegen sowohl der Umsatz als auch die bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) über den durchschnittlichen Analystenschätzungen, die für das Unternehmen erhoben worden seien, hatte Knorr-Bremse Mitte Juli mitgeteilt. Die Münchener hatten zudem eine neue Prognose für das Gesamtjahr gewagt und rechnen beim Umsatz und der operativen Marge mit rückläufigen Zahlen im Vergleich zum Vorjahr.

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