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Dieser Beitrag ist im Rahmen des Themenspecials "Autohaus- und Servicemanagement" erschienen.

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Manche Versicherungen kürzen grundsätzlich

| Autor / Redakteur: Frank Schlieben / Dominik Faust

Immer öfter nehmen Versicherer einzelne Positionen aus Schadensrechnungen heraus. Das ist keine subjektive Wahrnehmung der Kfz-Branche, sondern eine Erkenntnis des TÜV Nord. Im Interview nimmt Michael Szmigier zu diesem Thema Stellung.

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Michael Szmigier ist Sachverständiger beim TÜV Nord.
Michael Szmigier ist Sachverständiger beim TÜV Nord.
(Bild: TÜV Nord)

Immer öfter nehmen Versicherer einzelne Positionen aus Schadensrechnungen heraus. Das ist keine subjektive Wahrnehmung der Kfz-Branche, sondern eine Erkenntnis des TÜV Nord. Im Interview nimmt Michael Szmigier zu diesem Thema Stellung.

Redaktion: Wie hat sich das Aufkommen an Schäden und Wertgutachten, für die der TÜV Nord beauftragt wurde, in den letzten Jahren verändert?

Michael Szmigier: Sie sind bei uns in den letzten fünf Jahren kontinuierlich gestiegen. Wir haben uns auf das Werkstatt- und Privatkundengeschäft konzentriert und konnten hier Zuwächse bei den Schadengutachten und bei den Bewertungsgutachten erreichen.

Werkstätten klagen oft darüber, dass die zur Regulierung verpflichteten Versicherungen Zahlungen entweder hinauszögern oder Rechnungspositionen teilweise oder ganz streichen. Wie stellt sich nach Ihren Erfahrungen die Regulierungspraxis der Versicherungen aktuell dar?

Dieses Verhalten ist bei den Versicherern unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt welche, die grundsätzlich Kürzungen vornehmen, und andere, die nur in nachvollziehbar begründeten Fällen kürzen. Insgesamt kann man jedoch sagen, dass Versicherer immer öfter Rechnungspositionen herausnehmen.

Kunden sollen jetzt mittels einer Schaden-App selbst Bilder mit ihrem Handy von einem Unfallschaden aufnehmen und an den Versicherer übermitteln. Wie beurteilen Sie dies aus Sicht eines Geschädigten?

Die Vorgehensweise ist in anderen Ländern durchaus üblich. Der Unterschied ergibt sich aber aus dem jeweils geltenden, nationalen Recht. Danach darf diese Vorgehensweise in Deutschland nicht dazu führen, dass ein Geschädigter auf eine detaillierte Schadenanalyse durch einen unabhängigen Sachverständigen, eine Reparatur in einer Fachwerkstatt seines Vertrauens und eine angemessene Rechtsberatung verzichten muss.

Versicherungen argumentieren, die Digitalisierung mache es möglich, dass Kunden heute quasi selbst einen Unfallschaden aufnehmen und per App an die Versicherung melden. Wie ist diese Aussage aus technischer Sicht zu bewerten?

Mit einer ersten, überschlägigen Einschätzung der Schadenhöhe, die ein Kunde über eine App meldet, könnte man den Schadenregulierungsprozess durchaus ergänzen, wenn die Schadenmeldung sowie jeder weitere Schriftwechsel ohnehin digitalisiert über die App erfolgt. Um den Schaden, der einem über die App gemeldet wird, jedoch qualifiziert einschätzen zu können, benötigt man sehr viele, zuvor von Sachverständigen kalkulierte Vergleichsfälle und gegebenenfalls Telematikdaten, die aus dem Fahrzeug in die App übertragen werden, wie z. B. die Längs- und Querverzögerungen während des Unfallgeschehens.

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