Modelljubiläum Mazda – der rotierende Pick-up

Von Steffen Dominsky 3 min Lesedauer

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In den Siebzigern gab es kein Fahrzeugkonzept, in das Mazda nicht seinen leichtgewichtigen Kreiskolbenmotor verbaute. Man höre und staune: Selbst einem klassischen nutzwertigen Pritschenwagen verpassten die Japaner einen ihrer leistungsstarken Zweischeiben-Wankelmotoren.

Mit dem Rotary Pick-up wollte Mazda den US-Markt in Sachen Nutzfahrzeuge aufrollen. Ein Versuch, der kläglich scheiterte.(Bild:  Mazda)
Mit dem Rotary Pick-up wollte Mazda den US-Markt in Sachen Nutzfahrzeuge aufrollen. Ein Versuch, der kläglich scheiterte.
(Bild: Mazda)

Sagt man Pick-up, meint man USA. Das war gefühlt schon immer so. Auch Anfang der Siebzigerjahre. Nordamerika war der damals weltweit wichtigste Markt für Pick-ups und Sportwagen. Mit den kompakten und handlichen Pritschenwagen der B-Serie konterte Mazda damals den großen US-Pick-ups. Und nicht nur das: Motortechnisch setzten die Japaner auch bei ihrem Nutzfahrzeug auf den vor allem für Coupés und Sportwagen designten Wankelmotor. Die Amerikaner liebten den robusten, drehfreudigen und vibrationsarmen Motor so sehr, dass bald jeder zweite in den USA verkaufte Mazda einen unter der Haube hatte. So schien es nur konsequent, auch einen Pick-up mit Kreiskolbenmotor zu entwickeln, den weltweit einzigen Rotary Pick-up. Was allerdings niemand ahnen konnte: Der Rotary Pick-up rollte ausgerechnet während der ersten globalen Energiekrise von 1973/74 in die Showrooms zwischen New York und Kalifornien.

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Trotzdem zählt das von seinen Fans nur „REPU“ – ein Akronym aus Rotary Engine und Pick-up – genannte Nutzfahrzeug heute zu den besonderen Klassikern an amerikanischen Surf-Hot-Spots und in der Pick-up-Community. Schließlich hat er einen 99 kW/135 PS starken Zweischeiben-Kreiskolbenmotor (Kammervolumen 2 x 654 cm3) unter seiner Haube, worauf schon von Weitem die ausgestellten Radhäuser hinweisen. Und wer einmal von einem REPU überholt wird, erkennt am Heck in großen Lettern den erklärenden Schriftzug „Rotary Pick-up“. Tatsächlich sprintete dieser in damals sportiven neun Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit von über 160 km/h toppte alle Konkurrenten. Dennoch dauerte die Karriere des außergewöhnlichen Mazda Rotary Pick-up nur drei Jahre – die Zeitumstände waren gegen ihn.

Damals eine mehr als üppige Garantie

Manchmal sind Erfolg oder Misserfolg eines Fahrzeugs schon entschieden, bevor das Auto in die Schauräume der Händler fährt. So geschehen beim 1.299 Kilogramm leichten, aber 640 Kilogramm Nutzlast fassenden Mazda Rotary Pick-up, der sich mit einer Kabine im Stil des Sportcoupés RX-2 inklusive Drehzahlmesser klar von allen anderen konsequent rustikal und nutzwertig ausgelegten Pick-ups unterscheidet. Der vom Sportcoupé RX-3 – damals auch das Spitzenmodell im Modellprogramm von Mazda Deutschland – bekannte, emissionsarme Kreiskolbenmotor vom Typ 13B erfüllte in Kalifornien die weltweit schärfsten Abgasvorschriften, und eine serienmäßige Garantie über 50.000 Meilen (80.000 Kilometer) oder drei Jahre verschaffte dem nur 4,39 Meter langen Rotary Pick-up auf dem Papier ebenfalls einen Vorsprung gegenüber den Wettbewerbern.

Aber die mit der Ölkrise von 1974 in Nordamerika einhergehende wirtschaftliche Rezession traf eine Problemzone des Rotary Pick-up: Der Verbrauch von mindestens 11 Liter/100 km nach EPA-Norm wurde zwar von Fachmedien als angemessen eingeschätzt für einen so sportlich starken Fahrspaß-Pick-up. Dennoch entschieden sich die meisten Käufer vorerst nur für die kleinsten und günstigsten Nutzfahrzeug-Motorisierungen.

Trotzdem: Exakt 14.336 REPU produzierte Mazda 1974 für Nordamerika. Einige wurden zu Abschlepp- und Pannen-Hilfsfahrzeugen umgerüstet – rund 600 Stück, die sich Mazda-Händler verpflichtend auf den Hof stellen mussten. Nicht wenige wurden auch als West-Coast-Lifestylefahrzeug mit Surfboard auf der Pritsche und dem Sticker „Freeway Hummer“ am Heck genutzt. Dennoch blieben so viele Fahrzeuge unverkauft, dass Mazda im Modelljahr 1975 die Produktion pausieren ließ, ehe 1976 weitere 632 Rotary Pick-up und 1977 die finalen 1.161 REPU von den Bändern fuhren. Überraschende Rennsiege wie bei der SCCA Mojave 24-Stunden-Rallye 1975 konnten die Verkaufszahlen immerhin kurzzeitig erhöhen.

Heute zählt der japanischen Pick-up zu den Attraktionen der aktuellen Sonderschau „Rotation“ von Mazda Classic – Automobil Museum Frey in Augsburg. Diese Ausstellung zeigt alle Rotary-Modelle von Mazda, beginnend mit dem Cosmo Sport 110 S über RX-2 bis RX-9 bis zu Eunos Cosmo, Mazda Luce oder R100. Über Öffnungszeiten und Exponate informiert das Museum unter www.mazda-classic-frey.de.

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24 Stunden Dauervollgas

Langstrecken-Rekordfahrten markieren für Mazda deshalb seit 90 Jahren nicht nur sportliche Herausforderungen, sondern Bewährungsproben für neue Technologien. So auch im Herbst 2004, als zwei Exemplare Mazda RX-8 auf dem Ovalkurs des Testzentrums im niedersächsischen Papenburg an den Start fuhren. Die beiden Sportwagen mit neu entwickeltem, 170 kW/231 PS starkem Renesis-Zwei-Scheiben-Kreiskolbenmotor legten bei einer 24-stündigen Vollgasfahrt problemlos über 5.000 Kilometer zurück, was Durchschnittsgeschwindigkeiten von 216 bzw. 213km/h entspricht. Daraufhin bestätigte die FIA, die Dachorganisation des weltweiten Automobil-Rennsports, insgesamt 40 internationale Rekorde für den Mazda RX-8 in den Kategorien A (Spezialfahrzeuge) und B (Produktionsfahrzeuge). Nie zuvor hatte sich ein Serien-Wankel-Fahrzeug einer derartigen Belastungsprobe gestellt – und hatte Erfolg.

(Bild:  Mazda)
(Bild: Mazda)

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