Mercedes-Forschungsauto ESF: Mit Sicherheit in die Zukunft

Sicherheit erfordert Umdenken

| Autor: sp-x

An einem umgebauten GLE zeigt Mercedes, welche Anforderungen das künftig selbstfahrende Auto an die Sicherheitsingenieure stellt.
An einem umgebauten GLE zeigt Mercedes, welche Anforderungen das künftig selbstfahrende Auto an die Sicherheitsingenieure stellt. (Bild: Mercedes)

Die Schienen sind im Boden eingelassen, 200 Meter lang. Umbaut ist alles mit fensterlosem Beton, ein Riesenklotz am Rande des Werksgeländes von Mercedes in Sindelfingen. Auf den Gleisen fährt kein Zug. Hier im Sicherheitszentrum werden nagelneue Autos von einem Schlitten auf den Schienen ins Verderben katapultiert. Kein Autohersteller hat eine längere Crash-Bahn, an deren Ende neue und künftige Modelle gezielt zerstört werden. Immer wieder die Stunde der Wahrheit für die Konstrukteure, der Moment der Frage nach Leben oder Tod.

Dem unschwer als Mercedes GLE zu erkennenden SUV, das jetzt in dem ansonsten streng abgeschirmten Gebäude präsentiert wurde, bleibt ein Ende als Schrotthaufen vorerst erspart, weil seine Serienbrüder ihre Standfestigkeit längst unter Beweis gestellt haben. Er kommt optisch anders daher als der bekannte GLE, erinnert ein wenig an das früher M-Klasse genannte Modell, das im „Jurassic-Park“ den Sauriern begegnete. Doch die an den Ecken einer Dachplatte montierten Zylinder, die an Alexa-Geräte erinnern, sind keine Zusatzscheinwerfer. Sie können durch farbige LED-Bänder mit der Außenwelt kommunizieren.

Denn mit diesem Forschungsfahrzeug will Mercedes zeigen, welches Umdenken beim Thema Sicherheit für das in Zukunft automatisch und autonom fahrende Auto nötig ist. Da geht es weniger um die Konstruktion der Karosserie, die längst alle Standards erfüllt. Neu erfunden werden müssen vertraute Details wie Airbags, Kindersitze oder eben die zahlreichen Möglichkeiten, sich ohne Mithilfe menschlicher Gesten oder Blicke der Umwelt verständlich zu machen. ESF 2019 heißt der Mercedes, der im September auch den Stuttgarter Stand auf der IAA bereichern wird. Das Kürzel steht bei Mercedes seit Jahrzehnten für „Experimental-Sicherheits-Fahrzeug“, das etwa alle zehn Jahre in einem Auto zusammenfasst, was die werkseigenen Tüftler so ersonnen haben.

Nur wenige ESF haben überlebt

Die meisten der seit den 50er-Jahren gebauten ESF hatten eine kurze Lebensdauer, endeten nach gewollten Überschlägen, Kollisionen mit anderen Autos oder harten Aufschlägen an Betonklötzen. Nur wenige haben „überlebt“ und eskortieren heute ihren modernen Urenkel. Bei den Oldies stand einst am Anfang nur das Blech, das über ein Stahlgerippe gezogen wurde. Was bei einem Unfall mit den Insassen passieren könnte, interessierte die Auto-Pioniere nur am Rande. Und Unfälle gab es viele, zu viele.

Deshalb mussten die ESF-Modelle dafür herhalten, neue Ideen auszuprobieren. Ob Knautschzonen, Stoßstangen mit Teleskop-Effekt, integrierte und selbst ausfahrende Überrollbügel zum Beispiel beim Roadster SL, natürlich die Airbags bis hin zu ABS und ESP. Alles landete zunächst in den ESF-Gedankenspielen. Kein Wunder also, dass der Name Mercedes für viele Neuheiten steht, die heute in fast allen Autos serienmäßig an Bord sind.

Und jetzt also der Blick in eine Zeit, in der der Mensch schrittweise die Verantwortung an die Elektronik abgeben haben wird. Ein Beispiel ist das Lenkrad, das im ESF quadratisch ist. Ist der Autopilot aktiv, wird es in Richtung Armaturenbrett bewegt, um mehr Platz für die Ruhephase des Fahrers zu schaffen. Das Lenkrad ist so klein, dass es keinen Airbag mehr aufnehmen kann. Ein neuer Luftsack, der ähnlich funktioniert wie der des Beifahrers und oberhalb der Instrumententafel versteckt ist, schiebt sich bei einem Aufprall über das Lenkrad hinweg und polstert den Freiraum zwischen ihm und dem Menschen.

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