Neuer Automobilkaufmann kommt

Autor / Redakteur: Johannes Büttner / Johannes Büttner

Den kaufmännischen Ausbildungsberuf „Automobilkaufmann/-kauffrau“ gibt es seit fast 20 Jahren. Nun wurde er erstmals neu strukturiert. Ab dem 1. August gilt eine überarbeitete Ausbildungsordnung.

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In der Ausbildung von Autmobilkaufleuten kommt es zu Veränderungen.
In der Ausbildung von Autmobilkaufleuten kommt es zu Veränderungen.
(Bild: Promotor)

Als am 1. August 1998 die „Verordnung über die Berufsausbildung zum Automobilkaufmann/zur Automobilkauffrau“ in Kraft trat, steckte der Onlinehandel noch in den Kinderschuhen. Kundenanfragen kamen per Telefon oder Fax herein, E-Mails waren eher die Ausnahme; soziale Netzwerke wie zum Beispiel Facebook gab es ohnehin nicht.

Heute gehört der Umgang mit diesen Dingen selbstverständlich zum beruflichen Alltag von Autohausmitarbeitern. Das sollte sich auch in der Ausbildung der Automobilkaufleute niederschlagen, und so machten sich Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Behörden daran, eine neue Ausbildungsordnung auszuarbeiten. Diese tritt am 1. August 2017 in Kraft.

An der grundsätzlichen Position des Automobilkaufmanns ändert sich nichts: Er ist und bleibt der für die Branche maßgeschneiderte kaufmännische Ausbildungsberuf. Die Beschäftigten sind in Verkauf, Service und Backoffice tätig. Das zeigt sich in den acht Berufsbildpositionen, die die Azubis laut Rahmenplan erlernen müssen:

  • Teile und Zubehör organisieren und verkaufen
  • an Werkstattprozessen mitwirken und als Schnittstelle zwischen Handel und Werkstatt agieren
  • Kundendienst organisieren und Servicebereich unterstützen
  • betriebliche Marketingaktivitäten planen und durchführen
  • Fahrzeughandel und -vertrieb unterstützen
  • Finanzdienstleistungsprodukte im Fahrzeughandel vorbereiten
  • personalbezogene Aufgaben bearbeiten
  • kaufmännische Steuerung und Kontrolle unterstützen

Hinzu kommen außerdem noch die vier während der gesamten Ausbildung integrativ zu vermittelnden Bereiche:

  • Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht
  • Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebs
  • Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit
  • Umweltschutz

Alle Auszubildenden müssen nach der neuen Ordnung alle wesentlichen Bereiche eines Autohauses durchlaufen – also neben Verkauf, Verwaltung und Lager auch die Werkstatt. Das war bisher nicht verpflichtend. Inzwischen hat man aber festgestellt, dass Grundlagenkenntnisse über Werkstattprozesse und Fahrzeugtechnologien auch für kaufmännische Tätigkeiten in einem Kfz-Betrieb eine wichtige Basis darstellen. Außerdem erhalten die Themen Mobilitätsdienstleistungen, Datenschutz, Onlinehandel sowie Umweltschutz mehr Gewicht.

Gestreckte Prüfung

Eine offensichtliche Neuerung gibt es bei der Abschlussprüfung: Diese erfolgt – ähnlich wie bei den Kfz-Mechatronikern – als gestreckte Prüfung. Den ersten Teil legen die Azubis anstelle der bisherigen Zwischenprüfung gegen Mitte ihrer Ausbildung ab, also nach rund 18 Monaten. Inhaltlich werden sie hier zum Themenkomplex Warenwirtschafts- und Werkstattprozess abgefragt, der deshalb auch in den ersten 15 Monaten der Ausbildung behandelt werden muss. Die Antworten auf die Fragen zur Beschaffung von Teilen und Zubehör sowie zu Wareneingang, Lagerung und Warenausgabe fließen am Ende mit 20 Prozent in die Abschlussnote ein.

Demzufolge verbleiben 80 Prozent für die Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung. Diese umfasst neben Wirtschafts- und Sozialkunde (10 %) die Themenkomplexe Fahrzeugvertriebsprozesse und Finanzdienstleistungen (25 %), kaufmännische Unterstützungsprozesse (25 %) und Kundendienstprozesse (20 %). Der letztgenannte Teil wird in Form eines fallbezogenen Fachgesprächs geprüft.

Keine Veränderungen gibt es für die bisherigen Auszubildenden: Wer vor dem 1. August 2017 eine Ausbildung zum Automobilkaufmann begonnen hat, wird weiterhin nach der alten Ordnung ausgebildet und geprüft.

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