Nissan Sentra: Konservativ statt Nonkonformist

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Und den Fahrer trainieren die Japaner mit einem detaillierten Bordcomputer, der jeden Kilometer kommentiert und einem zum leichten Gasfuß überreden will. Unter dem Strich bringt das zusammen einen Verbrauchsgewinn von 13 Prozent, freuen sich die Japaner und stellen zum Beispiel in der kanadischen Norm einen Mittelwert von 5,8 Litern in Aussicht. „Das macht den neuen Sentra zum sparsamsten Auto seiner Klasse“, verspricht Nordamerika-Chef Al Castignetti.

Knapp über sechs Liter sind möglich

Das stufenlose Getriebe bremst zwar nachhaltig den Vorwärtsdrang des mit seinen 96 kW/130 PS ansonsten ganz quirligen Vierzylinders, nervt vor allem auf Steigungsstrecken mit seinen hohen Drehzahlen und dem sägenden Sound. Und von der Eco-Taste lässt man besser die Finger, wenn man es auch nur ein bisschen eilig hat. Aber wer den Sentra mit sanftem Gasfuß bedient und ein bisschen vorausschauend fährt, braucht tatsächlich kaum mehr als sechs Liter und kommt mit einer Tankfüllung gut 800 Kilometer weit.

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Für Europa würde man sich den Wagen sicher etwas dynamischer wünschen und die Ingenieure dann auch gleich noch um eine straffere Fahrwerksabstimmung sowie eine direktere Lenkung bitten. Doch für die Straßen jenseits des Atlantiks ist der Wagen wie gemacht: Selbst in den Rocky Mountains oder im Hinterland von Vancouver sind die Highways und Byways schließlich so breit und gerade, dass man sogar auf den Passstraßen noch mit dem kleinen Finger lenken kann.

Und wer interessiert sich schon fürs Spitzentempo, wenn man die meiste Zeit ohnehin den Tempomaten auf 120 setzt und den lieben Gott einen guten Mann sein lässt. Hauptsache die 174 Newtonmeter Drehmoment reichen, um zwischendurch mal einen Truck zu überholen, ohne dass die gesamte Kraft in den Kettengliedern der Automatik verloren geht. Nicht umsonst gibt Nissan offiziell weder den Sprintwert noch die Höchstgeschwindigkeit an. Man muss sich deshalb schon auf die eigenen Instrumente verlassen und kommt am Ende auf knapp zehn Sekunden und knapp 190 km/h.

Groß und geräumig, elegant und vergleichsweise gut ausgestattet, günstig eingepreist aber nicht billig gemacht – so ist der Sentra in Amerika gut für den Wettbewerb mit Toyota Corolla und VW Jetta gerüstet. Und falls spätestens mit dem Mercedes CLA und dem Audi A3 Stufenheck auch dieser Trend irgendwann über den Atlantik zurückkommen sollte, ist damit zumindest die Basis für ein europäisches Modell schon mal gelegt: Ein neues Getriebe und statt des Benziners vielleicht auch noch einen Diesel eingebaut, und schon haben die Japaner neben all ihren Nonkonformisten plötzlich auch bei uns ein schmuckes Stufenheck für all jene Spießer im Programm, die plötzlich wieder mit dem Zeitgeist gehen.

Nissan Sentra – Technische Daten

Limousine der Kompaktklasse, 1,8-Liter-Benziner, 96 kW/130 PS, maximales Drehmoment: 174 Nm, 0-100 km/h: 9,8 s, Vmax: 189 km/h, Verbrauch: 5,8 Liter je 100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 138 g/km

Preis: 15.990 US-Dollar (ca. 12.100 Euro)

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