Elektro-Cabrios Noch summt es leise unterm Sternendach

Von sp-x 5 min Lesedauer

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Die Fahrzeugklasse Cabrio ist seit vielen Jahren auf dem Rückzug, die letzten Bastionen des Freiluft-Vergnügens könnten mit dem Wechsel auf Elektroantriebe wegfallen. Doch die Nische hat noch ihre Verfechter.

Der Maserati Folgore ist ein Vertreter der elektrifizierten Cabrio-Zukunft.(Bild:  Maserati)
Der Maserati Folgore ist ein Vertreter der elektrifizierten Cabrio-Zukunft.
(Bild: Maserati)

Die Tendenz ist eindeutig: Cabrios sind immer weniger gefragt. Laut dem Marktbeobachter Jato haben sich die Zulassungszahlen in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren mehr als halbiert. Gehörten 2003 noch gut 161.000 Neuwagen zur Klasse der Freiluft-Pkw, waren es im vergangenen Jahr nur noch knapp 69.000. Die Hersteller haben bereits ihre Konsequenzen gezogen: Audi TT, Mercedes SLK oder Peugeot 206 und 306 (bzw. die Modellnachfolger) sind als Cabrio Geschichte, das VW T-Roc Cabrio läuft aus, wo Mercedes zuletzt S-Klasse, E-Klasse und C-Klasse aufgeschnitten hat, muss jetzt ein CLE Cabrio genügen.

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In dieser Entwicklung hat sich die elektrische Revolution noch gar nicht niedergeschlagen. Denn es scheint schwer vorstellbar, dass offene Autos wie ein Audi A5 oder ein BMW 4er überleben werden, wenn die Grundmodelle erst einmal auf Elektro-Plattformen umziehen. Von Nischenmodellen wie einem Mazda MX-5 oder einer Corvette ganz zu schweigen. So verlockend das Frischluftvergnügen ohne Motorröhren und Auspuffqualm für die Generation E auch sein mag, fahren automobile Sonnenanbeter deshalb düsteren Zeiten entgegen. Doch es dämmert hell am Horizont. Denn nicht alle wollen sich der frischen Luft verschließen und zumindest eine Handvoll Open-Air-Modelle wird es auch für die elektrische Ära geben. Hier die fünf wichtigsten.

Maserati Gran Cabrio Folgore

Bislang war es der bollernde Sound eines Achtzylinders, der die Fahrt im offenen Maserati untermalt und jede Spritztour zu einer Open-Air-Oper in der Arena di Verona gemacht hat. Doch wenn das Gran Cabrio in diesem Sommer zu Preisen ab knapp 210.000 Euro in die nächste Runde geht, hört man nur noch ein Summen. Denn diesmal verkaufen die Italiener den fünf Meter langen 2+2-Sitzer auch als Folgore und ersetzen den Achtzylinder durch einen Akkupack. Der hat 92,5 kWh, ermöglicht 442 Kilometer Reichweite und speist drei E-Motoren, die zusammen auf 830 PS kommen.

Das reicht für einen Sprint von 0 auf 100 km/h in weniger als drei Sekunden und ein Spitzentempo von 290 km/h. Damit ist auch ohne Verbrenner eine ziemlich verwirbelte Frisur garantiert. Trotzdem weiß Maserati um den sinnlichen Sound seiner Motoren – und spielt über die Boxen deshalb auf Knopfdruck einen künstlichen Klang ein. Wer’s authentisch mag, hat bis 2028 noch die Wahl: Für rund 20.000 Euro Aufschlag (!) gibt’s das Gran Cabrio auch mit einem drei Liter großen V6 mit 550 PS – und die Musik spielt dann wieder unplugged.

Fiat 500 E

Na gut, ein echtes Cabrio ist der Fiat 500 E nicht. Denn viel mehr als ein Rolldach hat der kleine Italiener für den Blick zum Himmel nicht zu bieten. Doch spätestens, wenn draußen die Sonne scheint, trifft die durch diese Lücke mitten ins Herz und beamt die Insassen über die Alpen. Rom, Mailand, Florenz, die Toskana oder die Amalfi-Küste – Italien ist eine Frage der Einstellung und nicht der Geografie. Und kein Auto beflügelt die Phantasie der Masse so sehr wie der kleiner Stromer mit der Turiner Skyline in den Zierteilen.

Es gibt ihn zu Preisen ab 32.490 Euro mit Akkus bis 42 kW und 320 Kilometern Reichweite, die eine 95 PS oder 118 PS starke E-Maschine speisen und so bis zu 150 km/h ermöglichen. Nicht genügend Fahrtwind: Dann hilft die sportliche Schwester Abarth. Dort kostet der 500 E als Cabrio mindestens 40.990 Euro, hat dafür aber 155 PS, schafft 155 km/h – und macht mit seinem Soundgenerator Krach wie ein Großer. Einziger Nachteil: Die Reichweite schrumpft auf 250 Kilometer.

Mini Cabrio SE

Im letzten Jahr gab es noch eine Kleinserie: Denn nachdem Mini viel Zuspruch für das Einzelstück eines auf Elektroantrieb umgerüsteten Cabrios geerntet hat, haben die Briten aus der BMW-Familie immerhin 999 E-Modellen das Dach abgeschnitten. Umgekehrt proportional zu den Stückzahlen war der Preis, der mit 60.000 Euro fast doppelt so hoch war wie beim Einstiegsmodell des konventionellen Cabrios. Vom elektrischen Mini mit festem Dach trennten das Open-Air-Modell über 20.000 Euro.

Während Mini mit der geräuschlosen Offenheit ein völlig neues Fahrgefühl bot, hat sich an der Technik nichts geändert: Es blieb bei 184 PS und bis zu 150 km/h Spitzengeschwindigkeit sowie rund 230 Kilometern elektrischer Reichweite. Doch wichtiger als die natürlich längst ausverkauften Einzelanfertigungen, war die Botschaft, die Mini daran geknüpft hat: Das Cabrio lebt auch in der elektrischen Mini-Zukunft weiter, verspricht Markenchefin Stefanie Wurst. Zwar kommen jetzt erst einmal Countryman, Cooper und der neue Aceman. „Doch ein Open-Air-Modell haben wir weiterhin fest im Plan, und zwar auch mit Elektromotor.“ Na, wenn das mal keine sonnigen Aussichten sind.

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MG Cyberster

Heute steht MG zwar vor allem für elektrische Geländewagen aus China. Doch nachdem die Marke vor 100 Jahren als „Morris Garages“ in England gegründet wurde, hat sie vor allem mit Roadstern Ruhm und Ehre eingefahren – vom MG B aus den 1960ern bis zum MG F 40 Jahre später. Daran wollen die chinesischen Nachlassverwalter jetzt zum großen Jubiläum erinnern und mit dem Cyberster die Brücke in die Zukunft schlagen.

Nachdem der elektrische Roadster mit den spektakulären Lambo-Türen schon seit Jahren über die Messen geistert, soll er noch in diesem Sommer zu Schätzpreisen von gut 50.000 Euro aufwärts tatsächlich an den Start gehen – und das gleich in zwei Versionen: Als Allradler mit zwei Motoren und 544 PS oder mit Heckantrieb und 340 PS. Mehr Daten für die Europa-Version gibt es noch nicht. Doch in China ist der Cyberster schon auf der Straße – mit einem 77 kWh-Akku und 580 Kilometern Normreichweite. So weit wird man den Roadster allerdings nur selten fahren – zumindest in England fängt es sicher schon von viel früher an zu regnen.

Tesla Roadster 2.0

Aller Anfang war er: Denn ohne den Tesla Roadster hätte Elon Musk womöglich keine elektrische Revolution angezettelt. Kein Wunder also, dass das Open-Air-Modell einen festen Platz in seinem Herzen hat – und in seiner Produktplanung. Nur dass Tesla dafür diesmal keinen Lotus umbauen will, sondern ein eigenes Auto entwickelt. Und weil sich die Welt seit dem Start des Sonnenanbeters gewaltig weiterentwickelt hat, wird aus dem elektrischen Sportwagen jetzt ein Hypercar.

Nicht weniger als den schnellsten Sprinter der Autowelt hat Elon Musk angekündigt und für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h einen Grenzwert von 1,9 Sekunden ausgegeben. Wer dann auf dem Fahrpedal bleibt, soll bis zu 400 km/h erreichen. Und weil der Akku angeblich 200 kWh hat, reicht er für mehr für bis zu 1.000 Kilometer Raserei – verspricht zumindest der Tesla-Chef. Wann genau der Roadster sein Comeback gibt, ist allerdings – bei einem Open-Air-Modell irgendwie passend – „noch offen“.

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