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Oldtimer-Messen: Feierstimmung sieht anders aus

| Autor: Steffen Dominsky

Die Kalenderwoche zwölf ist Geschichte und der Terminkalender der Oldtimer-Messen damit gleich um zwei Veranstaltungen ärmer. Die Organisatoren in Essen und Stuttgart buhlten gleichzeitig um Besucher – allerdings nicht unbedingt erfolgreich.

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Auch dieses Jahr fanden Techno Classica und Retro Classics wieder zur gleichen Zeit statt – mit zahlreichen Nachteilen für die Beteiligten.
Auch dieses Jahr fanden Techno Classica und Retro Classics wieder zur gleichen Zeit statt – mit zahlreichen Nachteilen für die Beteiligten.
(Bild: Dominsky)

Feste soll man ja bekanntlich feiern, wie sie fallen. Doch gilt das auch für Oldtimermessen? Wie bereits berichtet, fanden in diesem Jahr die Oldtimer-Messen Techno Classica und Retro Classics just gleichzeitig statt. Das war 2012 schon einmal der Fall. Damals gelobten alle Beteiligten ein „nie mehr wieder“. Das Versprechen hielt bedauerlicherweise gerade mal fünf Jahre. Die „Techno“ rutschte im Kalender von Anfang April noch vorne. Nämlich in die zwölfte Kalenderwoche, in der in diesem Jahr auch die „Retro“ stattfand. Begründet wurde der „Vorschritt“ der Essener mit Bauarbeiten auf dem Messegelände. Doch da wurde auch schon im letzten Jahr gebaggert, trotzdem blieb es beim traditionellen April-Termin.

Wie dem auch sei: Profitiert hat keiner der Veranstalter von dieser Konstellation – im Gegenteil. Das brachten die Stimmen zahlreiche Aussteller klar zum Ausdruck. Entweder sie mussten sich für eine der beiden Veranstaltungen entscheiden, oder sie durften, so möglich, beide Messen zeitgleich stemmen. Das sei „Irrsinn“, sagte ein Schwäbischer Autobauer hinter vorgehaltener Hand. Deutlicher wurde da Björn Schmidt von der Firma Mechatronik: „Da jetzt erneut beide Messen auf denselben Termin fallen, haben wir uns entschlossen, 2018 weder auf der Retro Classics noch auf der Techno Classica mit einem eigenen Stand vertreten zu sein“.

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Stuttgart muss Federn lassen

Eine mehr oder minder deutliche Sprache sprechen die nackten Zahlen, nämlich die der Besucher. „Trotz Terminüberschneidung mit Marktbegleiter in NRW kaum Einbußen“, lautete das augenscheinlich positive Resümee der Stuttgarter Messe. Rund 87.000 Besucher seien 2018 zur Retro gereist – das ist die eine Wahrheit. Die andere: Wenn auch nur um wenige Tausend, so ist das ein Rückgang und zeigt damit genau dasselbe Bild wie 2012. Auch hier kamen weniger Besucher als im Vorjahr zum Messegelände. Zufrieden sein können die bis dato erfolgsverwöhnten Schwaben mit diesem Ergebnis keinesfalls, denn die letzten fünf Jahre hatten sie jedes Jahr ein bisschen mehr Tickets verkauft.

Zwar dürfte das überwiegende Gros der Klassikfans mit dem Angebot auf der Retro zufrieden gewesen sein. Doch das übertriebene Ringen um den Titel „weltgrößte Oldtimermesse“ der Stuttgarter nimmt schon teils groteske Züge an. Da wird der Messevorplatz ebenso zur Ausstellungsfläche hinzu addiert wie Teile des Parkhauses, wo Oldtimerbesitzer, die mit ihrem Oldie anreisen, kostenlos parken können.

Der Hintergrund: Die findigen Schwaben beziehen ihren sich selbst verliehenen Titel nicht auf die Besucherzahl – hier können sie den Ruhrpottlern nicht mal ansatzweise das Wasser reichen –, sondern auf die Ausstellungsfläche. Und die gilt es dann im Zweifel auch irgendwie zu füllen. Da verwundert es nicht, dass mancher Messestand in diesem Jahr durchaus das Prädikat „luftig“ verdient hat oder Stände von Unternehmen wie Degussa oder Hapag Lloyd unter den Ausstellern waren – von Anbietern für Haushaltsglühlampen, Massagestuhlauflagen und Messern oder Scheren ganz zu schweigen.

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Essen kann Level halten

Anders die Situation in Essen: Hier platzt schon seit Jahren alles aus den Nähten. Oder wie ein ehemaliger Aussteller sagte: Weder das Messegelände noch die Infrastruktur rundherum verkraftet eine solche Veranstaltung noch sinnvoll. Aber getreu dem Motto „Never touch a running system“ macht die Siha, der Veranstalter der Techno Classica, erst mal weiter. Zwar kamen in diesem Jahr mit „über 188.000 Besuchern“ ein Hauch mehr Gäste als im vergangenen Jahr nach Essen. Die 200.000er-Marke, wie 2016 geknackt, dürfte aber vermutlich ein All-time-high bleiben. Dafür dürfte das (Über-) Angebot an Klassikmessen hierzulande sorgen.

Ach so, wenn Sie zufällig in Essen waren: Die Techno Classica feierte in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Sie haben davon auch nichts bekommen? Ich auch nicht! Schade eigentlich, schließlich sind Feste bekanntlich zum Feiern da.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "bike & busines", "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group