Oldtimerreifen: Woher nehmen?

Autor / Redakteur: SP-X / Steffen Dominsky

Ist das Profil runter, müssen neue Reifen her. Doch was normale Autofahrer mit einem Gang zum Händler erledigen, kann für Oldtimer-Liebhaber zu einem echten Problem werden.

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Damals war alles anders: auch die Reifen der Autos.
Damals war alles anders: auch die Reifen der Autos.
(Foto: Dominsky)

Ohne Reifen läuft beim Auto nichts – das weiß jeder. Das gilt für moderne Autos gleichermaßen wie für Klassiker. Doch wo gibt es eigentlich Ersatz, wenn die alten Reifen abgefahren sind? Die meisten „normalen“ Reifenhändler dürften mit den Schultern zucken. Ein Lösungsweg ist die Suche nach Spezialanbietern. Denn tatsächlich hat sich eine kleine Zahl an Händlern auf klassische Reifen spezialisiert. Vielfach werden dort in kleinen Serien aufgelegte Nachfertigungen nicht mehr gängiger Reifengrößen angeboten.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Reifen ist nicht gleich Reifen. Die Grundkonstruktion hat sich seit den Anfängen des Automobils grundlegend geändert, was die Versorgung zusätzlich erschwert. Als Urmodell gilt der Wulstreifen. Der erhielt seinen Namen wegen eines Wulstes, der in der Felge regelrecht eingehakt wurde. Eine erste Evolution folgte in den zwanziger Jahren mit dem Diagonalreifen. Hier steht der Name für diagonal eingewebte Polyestereinlagen. Im Vergleich zu seinem Vorgänger galt er als pannensicherer und bereitete bei der Montage weniger Probleme. Wie beim Fahrrad gehörte zum frühen Diagonalreifen ein Schlauch, der die Luft hielt. Eine schlauchlose Weiterentwicklung erschien erst in den fünfziger Jahren.

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Fast zeitgleich folgte die nächste Reifengeneration. Im Jahr 1946 präsentierte Michelin jene Reifenkonstruktion, die bis heute üblich ist – den Radial- beziehungsweise Stahlgürtelreifen. Namensgebend sind die quer zur Lauffläche (radial) eingezogenen Karkassenfäden. Dieses Prinzip erhöhte die Fahrsicherheit weiter, außerdem wurden erst durch diese Technologie auch Niederquerschnittsreifen möglich. Der Diagonalreifen hielt trotz der Vorzüge seines Nachfolgers noch eine Weile durch, verschwand erst in den siebziger Jahren endgültig von der Bildfläche.

Spezialisten können helfen

Das Problem in der Praxis: Jede Reifen-Grundkonstruktion hat auch unterschiedliche Maße. Gibt es z. B. den ursprünglichen Diagonalreifen nicht mehr, kann das Fahrzeug auf Radialreifen umgerüstet werden. Das bedingt aber zum Teil auch den Tausch der Felgen, die dann ebenfalls mit umgerüstet werden dürfen. So etwas kann das Erscheinungsbild des Fahrzeugs merklich verändern und ist für Puristen ein nur schwer erträglicher Makel.

Derartige Probleme treten nicht allein bei uralten Exoten auf, wie Raffaele Angelillo vom Spezialanbieter Münchner Oldtimer Reifen (MOR) berichtet. MOR kann zwar für Uralt-Schnauferl ab dem Jahr 1888 nachgefertigte Reifen liefern, muss aber bei manchem Youngtimer den Kopf schütteln. Etwa bei einigen Versionen des Ford Capri mit besonders breiten Reifen auf 13-Zoll-Felgen. Waldemar Zitzer vom Fachhändler Möller Reifenservice kennt ähnliche Problemfälle. Demnach ist die Versorgung einiger Supersportwagen der Vergangenheit mit speziellen Hochleistungsreifen problematisch. Das Gleiche gilt für verschiedene Porsche-Modelle oder den Mercedes 300 Adenauer aus den Fünfzigern. Der schaffte zwar nur eine Höchstgeschwindigkeit von rund 160 km/h, rollte aber auf Diagonalreifen mit einer Zulassung bis Tempo 180. Nachschub gibt es nicht mehr, eine Umrüstung auf Radialreifen ist nötig.

Michelin gehört zu den Reifenherstellern, die regelmäßig historische Reifentypen bis zurück in die zwanziger Jahre neu auflegen. Unternehmenssprecher Michael Küster weiß aber, dass sich auch auf diese Weise nicht jeder Reifenwunsch erfüllen lässt. „Man kann nicht permanent alle Reifen der Vergangenheit nachfertigen.“ Vielmehr wird immer mal wieder ein anderes Modell neu aufgelegt und in Kleinserie gefertigt – denn die Nachfrage ist zwar da, erreicht aber naturgemäß niemals Größenordnungen wie bei neuen Fahrzeugmodellen. Grund genug also, beim Oldtimerkauf den Reifen etwas mehr Beachtung zu schenken.

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