Professoren bangen um Geschäftsmodell Autohaus

Autor / Redakteur: Joachim von Maltzan / Andreas Grimm

Eine hochkarätig besetzte Professorenrunde diskutierte auf dem ZDK-Fabrikatskongress kontrovers Gefahren und Chancen für das deutsche Kfz-Gewerbe.

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Prof Mike Hoffmeister gehörte auf dem Fabrikatshändler-Kongress zu den Mahnern: Das Kfz-Gewerbe müsse sich auf neue Konkurrenz durch Mobilitätsanbieter einstellen.
Prof Mike Hoffmeister gehörte auf dem Fabrikatshändler-Kongress zu den Mahnern: Das Kfz-Gewerbe müsse sich auf neue Konkurrenz durch Mobilitätsanbieter einstellen.
(Foto: Grimm)

Automobil-Unternehmer sollten sich nicht vom Tagesgeschäft „auffressen“ lassen, sondern stärker eigene Strategien für ihre Unternehmen entwickeln. Das forderte eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde während des ZDK-Fabrikatshändlerkongresses in Leipzig. Einig waren sich die Fachleute - Professoren verschiedener Studiengänge mit automobilen Schwerpunkten, dass die Welt dynamischer und komplexer geworden sei, als in der Vergangenheit. Diesen Veränderungen müsse sich der Handel stellen, um sein eigenes Überleben zu sichern.

Prof. Dr. Ulrich Ermschel, Studiengangsleiter Automobilhandel der dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim, beklagte, dass zahlreiche Autohäuser zu wenig innovativ seien, keinen eigenen Charakter entwickelt hätten und austauschbar seien. Für solche Betriebe sieht er zukünftig große Gefahren. Er betonte: „Viele Betriebe habe keine zukunftsgerichteten Strategien entwickelt. Aber Defizite können Chancen darstellen.“

Prof. Dr. Mike Hoffmeister, von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfsburg, pflichtete ihm bei und ergänzte, dass diese Autohäuser sich zu wenig auf neue Wettbewerbsformen eingestellt hätten. „Ich erwarte, dass der klassische Automobilhandel künftig mit neuen Mobilitätsanbietern konfrontiert wird und so manches Autohaus wird diesen Wettbewerb nicht überstehen, wenn es sich nicht frühzeitig darauf einstellt“, ergänzte er. Prof. Dr. Stefan Reindl stellte dazu die provokative Frage, ob das derzeitige Geschäftsmodell des Kfz-Gewerbes in einem stagnierenden bis rückläufigen Markt überhaupt noch zukunftsfähig sei.

Bedeutung des Autos schwindet

Prof. Dr. Stefan Bratzel stellte fest, dass ein Kernelement des Handels - das Geschäft mit Autos - immer mehr Strahlkraft und damit an Bedeutung verliere. Zum einen seien Fahrzeuge teuer geworden, so dass viele Menschen es sich nicht mehr leisten könnten, ein eigenes Auto zu erwerben. Zum anderen habe sich das Leben gerade in den Ballungsräumen so verändert, dass für manchen jungen Menschen das eigene Auto keinen Reiz mehr ausübe. Bratzel stellte fest: „Sie müssen sich darauf einstellen, dass neue Anbieter auf dem Markt kommen, die die Autohäuser und deren Arbeit ersetzen können.“

Die Professoren forderten die Händler auf, sich diesen Veränderungen zu stellen. Gefragt seien neue Konzepte, die neben dem bisherigen klassischen Geschäft zusätzliche Dienstleistungen enthalten. Der Kfz-Betrieb müsse sich als der Mobilitätsanbieter in seiner Region neu etablieren und damit ein neues Profil entwickeln. Dafür müsse der Handel aber sein Verhältnis zu den Herstellern auf eine neue Basis stellen. Reindl sagte: „Wir brauchen eine wirkliche Wertschöpfungspartnerschaft zwischen den Herstellern und dem Handel, die den Autohäusern auch die Möglichkeit bietet, langfristig die notwendigen Gewinne zu erwirtschaften.“

Der ZDK-Präsident Robert Rademacher griff in seiner Abschlussrede diesen Gedanken auf und geißelte in diesem Zusammenhang die Praxis mancher Automobilhersteller, die „mit abstrusen Herstellerzulassungen den Markt aufgebläht haben“. Er ergänzte: „Es ist wie auf dem Wochenmarkt: Wenn zu viel Ware angeboten wird, dann verfällt der Preis.“

Versöhnlich stellte er aber zum Abschluss fest, dass das Gewerbe in seiner Geschichte vor vielen Herausforderungen gestanden und diese immer wieder gut gemeistert habe. „Wir müssen uns den neuen Aufgaben stellen, dann werden wir auch mit den neuen Problemen fertig“, meinte er abschließend.

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