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Region Stuttgart setzt auf Wandel statt Absturz

| Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle / Andreas Grimm

Der Umbruch der Kfz-Branche ist in Autoregionen wie Stuttgart besonders zu spüren. Doch die Schwaben krempeln die Ärmel hoch und gehen die Herausforderungen an. Das zeigte sich beim Herbstforum der Kfz-Innung Region Stuttgart.

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Ihr traditionelles Herbstforum veranstaltete die Kfz-Innung Region Stuttgart in diesem Jahr in Böblingen.
Ihr traditionelles Herbstforum veranstaltete die Kfz-Innung Region Stuttgart in diesem Jahr in Böblingen.
(Bild: Baeuchle)

Das Schicksal der einstigen US-Autometropole Detroit ist Warnung genug. Die Weichen für prosperierende Regionen müssen frühzeitig gestellt werden, sonst droht der Absturz. Vor allem für Automobilregionen wie Stuttgart und Umgebung ist dies entscheidend. „Wir dürfen kein zweites Detroit werden“, stellte Nicola Schelling, Direktorin des Verbands Region Stuttgart, beim Herbstforum der Kfz-Innung Region Stuttgart klar. Die US-Metropole wolle sich nun zur Mobilitätsregion wandeln. „Da sind wir schon lange dran.“

Mit ihrem Verband soll die Direktorin dazu beitragen, dass die Region wirtschaftsstark und ihre Lebensqualität erhalten bleibt. Keine leichte Aufgabe, wie allein die Zahlen zeigen. In der Landeshauptstadt und ihrem Speckgürtel leben 2,65 Millionen Einwohner; ein Viertel der Landesbevölkerung auf 10 Prozent der Landesfläche. „Hier wird fast ein Drittel der Wirtschaftskraft erzeugt.“ Die Mobilität ist in der Region entsprechend wichtig.

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Schelling entwickelt ein regionales Verkehrsmanagement, sie fordert den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und zusätzliche Straßen sowie den regionalen Glasfaserausbau. Der spielt vor allem auch beim autonomen Fahren eine wichtige Rolle. Schelling geht davon aus, dass es durch die Innovationen nicht zu weniger, sondern zu mehr Verkehr komme.

„Das flexible Gefährt Auto mit seinem Entwicklungspotenzial zum autonomen Fahrzeug und mit seinem Potenzial, integrativer Bestandteil einer neuen Form des öffentlichen Nahverkehrs zu werden, wird eher an Bedeutung gewinnen als verlieren“, ist Schelling überzeugt. Sie sieht das autonome Fahren als „neue Form des öffentlichen Nahverkehrs“.

Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg. Zahlreiche Entwicklungen und Projekte sind notwendig. Für die Region Stuttgart ist dabei vor allem eines entscheidend. „Wir müssen die Zukunftsthemen vor Ort sichtbar machen“, so Schelling. „Die Unternehmen müssen ihre Entwicklungen hier ausprobieren können.“

Handwerk ist bereit für den Wandel

Dass das Handwerk bereit für die Zukunft ist, machte Rainer Reichhold, Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT), mehr als deutlich. Dazu tragen nicht nur die Investitionen in die Qualifikation der Mitarbeiter bei, sondern auch neue Fahrzeuge. „Das Handwerk ist bereit, elektrisch zu fahren, aber dazu brauchen wir eine Auswahl an Fahrzeugen beim Händler vor Ort.“

Da es an der Auswahl noch mangelt, greifen die Handwerker in erster Linie auf Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb zurück. Doch den meist dieselbetriebenen Transportern drohen nun Fahrverbote, denn die Feinstaubbelastung zwingt die Stadt Stuttgart zum Handeln. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen eine Blaue Plakette“, stellte Reichhold klar. Allerdings brauche da Handwerk weitreichende Ausnahmeregelungen.

Zudem machte der BWHT-Präsident klar, dass solche Regeln nicht über Nacht eingeführt werden können. Eine zehnjährige Übergangsfrist erachtet er als sinnvoll. „Bis einschließlich 2015 konnten wir nur Transporter mit einem Euro-5-Motor kaufen“, sagte Reichhold. „Wir brauchen Übergangsfristen für den Bestand.“ Gebe es diese nicht, komme das einer Enteignung der betroffenen Handwerker gleich.

Torsten Treiber, Obermeister der Kfz-Innung Region Stuttgart, regte an, die entsprechenden Stellen bei der Stadt und in den Ministerien gemeinsam anzusprechen. Für Reichhold keine Frage: „Je mehr Akteure in die gleiche Richtung gehen, umso besser.“ Denn die Wahl, die das Handwerk hat, ist ohnehin beschränkt: Blaue Plakette oder pauschale Fahrverbote? „Wir haben quasi die Wahl zwischen Pest und Cholera.“

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