Renault K-ZE: Budget-Stromer im Westentaschenformat

Elektroauto für weniger als 15.000 Euro

| Autor: sp-x

Der batteriegetriebene Renault "K-ZE" soll den europäischen und asiatischen Markt aufmischen.
Der batteriegetriebene Renault "K-ZE" soll den europäischen und asiatischen Markt aufmischen. (Bild: sp-x)

Mit dem K-ZE hat Renault künftig ein Elektroauto im Programm, das auf dem asiatischen Markt mithalten soll. Das Auto verzichtet auf Luxus, Leistung und Prestige und will stattdessen die Chinesen mit ihren eigenen Waffen schlagen: Für nicht einmal 15.000 Euro bekommt der Kunde mehr als 250 Kilometer Reichweite und soll so mit den günstigsten Modellen aus lokaler Produktion konkurrieren. Kein Wunder also, dass der K-ZE bei der Motorshow in Schanghai seine Premiere gefeiert hat. Der Verkaufsstart des Stromers ist bereits in diesem Sommer vorgesehen.

Für das Auto musste Jeremie Coiffier, leitender Ingenieur bei Renault, allerdings alles anders machen als bisher. Er hat das Modell nicht in Paris entwickelt, sondern in China. Statt der herkömmlichen Zulieferer aus dem Westen hat er sich neue Partner im Osten gesucht und sich für die Produktion in Wuhan mit dem heimischen Hersteller Dongfeng zusammengetan.

Auch ansonsten geht Renault mit dem K-ZE andere Wege als mancher westlicher Hersteller: Anstelle eines ausgewachsenen SUV im Stil von Audi E-Tron oder Mercedes EQ-C haben die Franzosen einen Geländewagen für die Westentasche auf die Räder gestellt. Mit 3,74 Metern Länge entspricht dieser ungefähr dem Format eines Twingos. Laut Coiffier kann der Hersteller europäische Standards zu einem chinesischen Preis anbieten.

So ist aus dem K-ZE ein Budgetauto geworden, dem man seinen niedrigen Preis nicht anmerkt. Das beginnt beim Design, das weder lust- noch lieblos ist, sondern mit den SUV-Allüren trendig und pfiffig wirkt. Und es endet bei der Materialqualität, die nichts mit dem unschönen Plastik zu tun hat, die man von chinesischen Billigautos kennt. Natürlich gibt es bei diesem Preis wenig Lack und kein Leder. Aber das Cockpit ist weitgehend digital, die Konsolen sind bunt und wo man den K-ZE anfasst, fühlt er sich gut an. Wenn die Türen ins Schloss fallen, klingt das ebenfalls halbwegs solide.

Vor allem aber überrascht der K-ZE mit einer Ausstattung, die europäische Kleinwagenkunden vor Neid erblassen lässt. Eine Klimaanlage ist etwa genau wie die elektrischen Fensterheber Standard – und ohne großen Touchscreen mit Online-Navigation, WiFi-Hotspot und Smartphone-Integration fährt in China sowieso kein Kunde vom Hof. Selbst die Rückfahrkamera haben die Franzosen in den Serienstand erhoben. Dafür allerdings müssen den K-ZE-Kunden zwei Airbags reichen und ESP gibt es weder für Geld noch gute Worte.

Viel für wenig Geld

Fahrerisch darf man von dem Winzling keine Wunder erwarten. Schließlich hat der E-Motor nur 33 kW/45 PS und kommt auf gerade einmal 125 Newtonmeter. Aber wenn es um urbane Mobilität geht, dann ist der Kleinstromer eine gute Wahl. Nicht zuletzt, weil er trotz des immerhin 26,8 kWh großen Akkus mit 921 Kilogramm deutlich weniger wiegt als die Konkurrenz. Im Stopp-And-Go-Verkehr beschleunigt der K-ZE spritzig, in den Schikanen der Stadt fühlt er sich erwachsen und souverän an. Klaglos ohne großes Klappern meistert er auch die Marterstrecke auf dem Testgelände der Fabrik in Wuhan, die auf 120.000 Autos im Jahr ausgelegten ist. Nur Autobahnen sind nicht seine Sache. Da er sonst nicht die Normreichweite von 271 Kilometern schaffen würde, hat Coiffier das Limit auf 105 km/h gesetzt. Schneller darf man in China ohnehin nirgends fahren und auch bei uns in den Städten wäre das genug.

Überraschend viel Auto für wenig Geld - die Grundidee des K-ZE kommt einem verdächtig vertraut vor. Nach dem gleichen Prinzip hat Renault nämlich vor fast 20 Jahren mit Dacia schon einmal den Markt durcheinandergewirbelt. Vieles spricht dafür, dass es nun wieder so kommen könnte und zwar nicht nur in China. Coiffier betont, dass der K-ZE ein globales Projekt ist, dessen Konstruktion die Zulassungskriterien in Europa und in den USA berücksichtigt habe.

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