Rückkehr des Stromlinien-Sportwagens

Autor / Redakteur: Holger Zietz / Christoph Baeuchle

Früher wie heute: Der Stromlinien-Sportwagen von Hanomag jagt über die Autobahn bei Dessau. Was vor 75 Jahren einen Weltrekord einbrachte, weckt heute noch die Faszination des Automobils.

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Früher wie heute ein Faszinosum: der Hanomag-Diesel-Stromlinien-Sportwagen.
Früher wie heute ein Faszinosum: der Hanomag-Diesel-Stromlinien-Sportwagen.
(Foto: Zietz)

Die Besucher halten die Luft an. Zunächst ist nur das Motorgeräusch zu hören, kurze Zeit später der dazugehörige Wagen zu sehen: der Hanomag-Diesel-Stromlinien-Sportwagen. Die Ikone des Rennsports fasziniert die Zuschauer – während der Weltrekordfahrt 1939 ebenso wie heute, 75 Jahren später, mit seiner Jubiläumsfahrt.

Das Jubiläum des Weltrekords nutzten die Kfz-Innung Dessau/Roßlau und die Interessengemeinschaft Hanomag, um im Rahmen der „Dessauer Rekordwoche“ den Blick auf die alten Ikonen zu lenken. Das Hugo-Junkers-Museum in Dessau zeigte Fahrzeuge aus den dreißiger, vierziger und fünfziger Jahren. Ein Ausstellungsstück war der von der Interessengemeinschaft rekonstruierte Hanomag-Diesel-Stromlinien-Sportwagen. Das Original ging im Krieg verloren. Es blieben lediglich drei Fotos und ein Satz der Konstruktionszeichnungen.

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Für die Vereinsmitglieder genug, den Sportwagen nachzubauen. Nach wie vor fehlt allerdings die stromlinienförmige Karosserie. Trotzdem schickten sie den Flitzer ins Rennen: Seine Fahrt über die alte Rennstrecke zwischen den Anschlussstellen Wolfen-Bitterfeld und Dessau-Süd war der Höhepunkt der einwöchigen Veranstaltung. Zwar wurde die Autobahn nicht wie einst für das Rennen gesperrt, aber immerhin konnte Lothar Bebber, Obermeister der Kfz-Innung Dessau/Roßlau, für die Strecke eine Verkehrsberuhigung erwirken. Zwei Streifenwagen der Autobahnpolizei sicherten Haupt- und Mittelfahrstreifen.

Dabei erinnern nicht nur die Fahrzeuge an vergangene Zeiten: Noch immer spannen sich unter Denkmalschutz stehende Brücken des Bauhauses über die sechsspurige Autobahn mit Beton-Belag. Nur „rasen“ kann man heute nicht mehr. Die alte Rekordstrecke ist für den heutigen Verkehr auf 120 km/h begrenzt.

Vor 75 Jahren war dies anders: Im Februar 1939 wurden auf der Dessauer Rekordwoche automobile Weltrekorde aufgestellt. Auf dem pfeilgeraden und 14 km langen Autobahnstück erreichte Rudolf Caracciola rund 400 km/h mit einem 3-Liter-Mercedes-Grand-Prix-Rennwagen.

Aus Hannover kam ein Stromlinienversuchswagen der Firma Hanomag, ausgestattet mit einem 1,9-l-Dieselmotor und 35 PS Leistung. Er sollte die Zuverlässigkeit eines Dieselmotors im Rennsport beweisen. Die Hannoveraner erreichten dabei über fünf Kilometer (fliegender Start) eine Geschwindigkeit von 155,954 km/h und stellten damit einen von vier Rekorden auf.

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