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Rückruf: VW hat Vorserienmodelle undokumentiert verkauft

| Autor: Jens Rehberg, Andreas Wehner

Einige tausend VW-Fahrer erhalten derzeit Rückkaufangebote des Herstellers. VW hatte jahrelang Vorserienmodelle und Fahrzeuge mit Prototypenteilen verkauft, ohne die Unterschiede zum Serienzustand zu dokumentieren. Das KBA ordnete einen Rückruf an.

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(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Ein ungewöhnlicher Rückruf bei Volkswagen sorgt für Aufsehen: Wie der Hersteller bestätigte, sind Vorserienmodelle und Fahrzeuge, die zu Testzwecken mit noch nicht freigegebenen Prototypenteilen ausgestattet waren, an Kunden verkauft worden. Zahlreiche Besitzer verschiedener VW-Modelle haben einen Brief vom Hersteller erhalten. Darin heißt es, ihr Fahrzeug habe zum Verkaufszeitpunkt nicht dem aktuellen Serienstand entsprochen, VW wolle das Fahrzeug daher zurückkaufen.

Dabei geht es nach Angaben des Autobauers um insgesamt 6.700 Fahrzeuge, die zwischen 2006 und 2018 verkauft worden sind. Für 5.500 bietet der Hersteller den Besitzern einen Rückkauf an. Der „Spiegel“ berichtet in seiner aktuellen Ausgabe über den Vorgang und bezeichnet das ganzen als „neuen Skandal“.

VW-Sprecher Andreas Brozat zeigte auf Anfrage von »kfz-betrieb« Verständnis für die aktuelle Sensibilität der Medien in Bezug auf Unregelmäßigkeiten bei Volkswagen. Er betonte allerdings, dass der Auslöser für den Vorgang lediglich der Hinweis der konzerninternen Revision auf einen formalen Fehler gewesen sei: dass nämlich bei den betroffenen Fahrzeugen der Umfang der von der Serie abweichenden Teile nicht dokumentiert sei. Sprich: Es lässt sich eben nicht feststellen, was geändert wurde und ob die Änderungen rückgängig gemacht wurden.

Dass solche Fahrzeuge weiterverkauft werden, ist an sich kein ungewöhnlicher Vorgang. Das Ganze habe aber letztlich zu einer vom KBA überwachten Aktion geführt, weil man schlicht nicht ausschließen könne, dass eine vorgenommene Veränderung zu einem Mangel geführt habe. Es gebe allerdings keinerlei Hinweise darauf, dass dadurch sicherheitsrelevante Probleme entstanden seien.

Laut dem Sprecher handelt es sich beispielsweise um Fahrzeuge, die für einen Messeauftritt mit hochwertigeren Zubehörteilen oder auch mit einer Motorraumlackierung ausgestattet wurden. Teilweise gehe es auch um Autos, die Pressevertretern vor dem Marktstart zur Verfügung gestellt und in diesem Zusammenhang geringfügig verändert worden seien. Die Rückkaufaktion sei den VW-Partnern bereits seit einiger Zeit bekannt und werde vom Hersteller finanziell unterstützt.

Zu dem Vorwurf des „Spiegel“, VW habe in einigen Fällen das Produktionsdatum betroffener Fahrzeuge verschleiert, hatte der Sprecher keine Informationen. Angeblich seien bei einigen Fahrzeugen Karosserie-Nummern von Vorserienfahrzeugen auf den Starttermin der regulären Serie verschoben worden, berichtet das Magazin. Laut „Spiegel“ bestreitet der Hersteller dies allerdings.

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Über den Autor

 Andreas Wehner

Andreas Wehner

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«