Shell: Motorenöle aus Erdgas

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Mit der alten Idee, Öl aus (Erd-)Gas zu gewinnen, will Shell den Markt für hochwertige Motorenöle aufrollen. Die neuen Grundöle sollen zahlreiche Vorteile bieten.

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Im Gegensatz zu „normalen“ Grundölen (li.) ist Shell Helix auf GTL-Basis glasklar und rein.
Im Gegensatz zu „normalen“ Grundölen (li.) ist Shell Helix auf GTL-Basis glasklar und rein.
(Foto: Tobias Oechler Fotografie)

Shell stellt die Pkw-Motorenöle der Helix-Familie auf seine „GTL“-Technologie um. Sie tragen jetzt zudem den Zusatz „Ultra“ im Namen. GTL (Gas to Liquid) ist ein Verfahren, mit dem das Unternehmen seit 2012 im kommerziellen Rahmen Rohbenzin („Naphta“), Kerosin, Diesel usw. produziert. Jetzt nutzt man es auch erstmals für die Herstellung von Grundölen, die man für die Produktion von Motor-/Getriebeölen benötigt.

Bereits 1925 entwickelten Franz Fischer und Hans Tropsch die „Fischer-Tropsch-Synthese“ (FTS), um aus Steinkohle und der Zwischenstation eines Synthesegases reinen Kohlenwasserstoff zu gewinnen. Daraus machten die Deutschen bis 1945 Öl, Kraftstoffe und sogar Speisefette. Danach geriet das Verfahren mehr oder weniger in Vergessenheit – die Kosten machten es gegenüber dem immer umfangreicheren Rohölangebot uninteressant. Im Zuge der Ölkrise 1973/74 entdeckte Shell FTS für sich wieder, verbesserte es im Laufe der Jahre und modifizierte es. Statt aus Kohle machte der Konzern nun aus großen Mengen „billigen“ Erdgases, das er in Katar gewann, Paraffin, woraus er genannte Öle und Kraftstoffe erzeugte.

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Gerade in der Kfz-Anwendung zahlreiche Vorteile

Der Vorteil, den sämtliche GTL-Produkte bieten: Sie sind hochrein. Gewöhnliche, also aus Rohöl hergestellte Grundöle, enthalten stets – wenn auch nur feinste – Schmutzpartikel. Ihr Aussehen: irgendwo in Richtung bernsteinfarben. Hingegen sind die „Pureplus“-Grundöle der GTL-Reihe klar wie Felsquellwasser. Dass das fertige Motorenöl dennoch mehr oder weniger den bekannten Farbton aufweist, liegt an den Zutaten, sprich Additiven.

Die Reinheit des Ausgangsstoffs der Shell-Helix-Reihe ist auch die entscheidende Eigenschaft, die das fertige Produkt auszeichnet. In der Praxis bedeutet das laut Shell, dass Motoren dank Pureplus deutlich weniger Ablagerungen bilden (Kolbensauberkeit um 65 Prozent verbessert), ergo auch weniger verschleißen.

Die verbesserten Viskositätseigenschaften sorgen für eine schnellere Durchölung des Motors (Stichwort Kaltstart). Eine verbesserte Resistenz gegenüber hohen Temperaturen soll den Kraftstoffverbrauch um bis zu drei Prozent reduzieren. Hinzu kommt aufgrund der geringeren Verdampfungsneigung ein geringerer Schmierstoffverbrauch.

Im Einsatz sind sie in der automobilen Erstbefüllung bereits bei Ferrari und Maserati. Herstellerfreigaben für Mercedes-Benz, VW, BMW und Opel liegen vor, so das Unternehmen. Die Preise der neuen Helix-Öle gibt Shell mit „wettbewerbsfähig im Premiumsegment“ an.

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