Shell-Elektrotochter So will Ubitricity Deutschland zum Laternenlader-Land machen

Autor Christoph Seyerlein

Rund 10 Millionen Straßenlaternen gibt es in Deutschland. Diejenigen, die direkt am Straßenrand stehen, könnten in Zukunft auch als Ladepunkte für Elektroautos dienen.

Ubitricity bringt seinen Laternenlader „Heinz“ nach Deutschland.
Ubitricity bringt seinen Laternenlader „Heinz“ nach Deutschland.
(Bild: Ubitricity)

Straßenlaternen leuchten bei Dunkelheit Wege aus. Warum nicht ihr Aufgabenspektrum erweitern und sie beispielsweise auch als Ladepunkte für Elektroautos nutzen? Schließlich stehen die Laternen unter Strom. An derartigen Lösungen tüfteln bereits mehrere Forscher und Unternehmen. Die Shell-Tochter Ubitricity bringt nun ein Produkt namens „Heinz“ auf den deutschen Markt, das genau dieses Vorhaben in der Praxis ermöglichen soll.

Eine Vorrichtung an Straßenlaternen erlaubt es demnach E-Auto-Fahrern, mit einem Typ-2-Ladekabel ihr Fahrzeug anzuschließen. Als Kunden hat der Anbieter Städte, Kommunen, Stadtwerke und generell alle „öffentlichen Stakeholder und Behörden“ im Blick, die für die vorhandene Infrastruktur zuständig sind, teilte eine Sprecherin mit.

Für sie soll das Produkt interessant sein, da beispielsweise keine Tiefbauarbeiten für die Installation des Ladepunkts notwendig sind. Dadurch fielen die Investitionskosten für Betreiber auch deutlich niedriger aus als bei klassischen Ladesäulen. Wie viel Geld Interessenten in die Lösung stecken müssen, wollte die Sprecherin nicht verraten. Als weiteren Vorteil führt Ubitricity an, dass man die Ladepunkte unkompliziert versetzen könne, falls die Infrastruktur vor Ort neu geplant werde. Zudem halte Heinz Geh- und Radwege frei.

An den Heinz-Ladern können Kunden aufgrund der vorhandenen Anschlussleistung vorerst mit 3,7 kW laden. „Das reicht bequem, um über Nacht den täglichen Bedarf aufzuladen“, so die Sprecherin. Außerdem sei Heinz dadurch besonders netzverträglich. Das Produkt sei aber generell auch für höhere Ladeleistungen bis zu 4,6 kW einphasig bei 20A ausgelegt. Später könnten noch leistungsstärkere Modelle mit 7 bis 11 kW folgen. Die Ladevorrichtung, die Ubitricity gemeinsam mit Ebee Smart Technologies entwickelt hat, erfüllt dem Anbieter zufolge alle Anforderungen des deutschen Mess- und Eichrechts und der Technischen Anschlussregeln und -Bedingungen.

In Großstädten herrscht Stellplatzmangel

Der Ladevorgang an sich soll für Kunden problemlos einzuleiten sein. Ubitricity verspricht, dass alle gängigen Systeme akzeptiert werden. Smartphone-Nutzer können den Vorgang beispielsweise per QR-Code starten. Die Abrechnung erfolgt über Ladekarten oder Provider-Apps.

Das theoretische Potenzial für die Idee ist groß. In Deutschland gibt es rund 10 Millionen Straßenlaternen. Nicht alle davon sind für das Laden von Elektroautos geeignet, da einige nicht direkt am Straßenrand stehen. „Aber um flächendeckend schnell ein dichtes Ladenetz in Anwohnergebieten auszubauen sind genug Laternen vorhanden“, sagte die Ubitricity-Sprecherin. In deutschen Großstädten hätten zwischen 40 und 60 Prozent der Bewohner keinen privaten Stellplatz. Deshalb seien sie auf öffentliche Angebote angewiesen – auch beim Laden.

Ein konkretes Absatzziel für Heinz wollte sie nicht nennen. Aktuell gebe es erste kleinere Pilotprojekte sowie zwei größere öffentliche Ausschreibungen, zu denen man aber noch keine weiteren Informationen bekannt geben könne.

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