Gebrauchtwagen-Marktreport Stabiles Angebot trifft auf steigende Kaufkraft

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Gebrauchte sind gefragt, auch jüngere und teurere Modelle. Positive Nachrichten gibt es auch im Bereich der E-Fahrzeuge. Trotzdem ist eine uneingeschränkte Jahresendrallye nicht zu erwarten, zeigt der jüngste Marktreport von Autoscout 24.

Der Gebrauchtwagenmarkt entwickelt sich derzeit stabil, speziell das Geschäft mit gebrauchten BEVs wird zunehmend berechenbarer. (Bild:  Grimm – »kfz-betrieb«)
Der Gebrauchtwagenmarkt entwickelt sich derzeit stabil, speziell das Geschäft mit gebrauchten BEVs wird zunehmend berechenbarer.
(Bild: Grimm – »kfz-betrieb«)

Der deutsche Neu- und Gebrauchtwagenmarkt hat zuletzt einige Lebenszeichen gesendet, dennoch warnt die Onlineplattform Autoscout 24 vor überzogenen Erwartungen des Handels für den Geschäftsverlauf in den verbleibenden Monaten des Jahres. Mehrere Kennzahlen deuten aus Sicht der Marktbeobachter darauf hin, dass das Gebrauchtwagenjahr „trotz saisonaler Belebung im Herbst nicht ohne Bremsspuren zu Ende gehen dürfte“.

Echte Krisenstimmung ist allerdings nicht angebracht. Angebot und Nachfrage sieht Stefan Schneck, Deutschland-Vertriebschef bei Autoscout 24, im Gebrauchtwagenmarkt derzeit weitgehend in der Balance, hieß es bei der Vorstellung des Autoscout-24-Marktreports für das dritte Quartal 2025. Allerdings habe es zuletzt eine leichte Tendenz in Richtung Angebotsüberhang gegeben.

Ein wesentlicher Faktor sind dabei die steigenden Standzeiten, also die Zeit zwischen dem Onlinestellen eines Fahrzeuginserats und dem Verkauf. Dieser Wert hat sich nach Auskunft von Schneck im September um 4 auf 58 Tage erhöht – obwohl die Zahl der Besitzumschreibungen steigt und die Preise im Jahresverkauf leicht gesunken sind.

Preisrückgang zuletzt gestoppt

Das höchste Preisniveau für Gebrauchtwagen hatte Autoscout 24 im laufenden Jahr für den Februar ermittelt. Seither ist der durchschnittliche Angebotspreis um 2,4 Prozent auf jetzt 27.527 Euro gefallen. Zuletzt war der Preisrückgang aber zum Erliegen gekommen.

Positiv sieht Schneck die Preisentwicklung der Elektromodelle. Nach rasanten Restwertverlusten in den Vorjahren liegt das BEV-Preisniveau in diesem Jahr nur noch drei Prozent unter dem Durchschnittswert des Vorjahres. Im Jahresverlauf selbst sind die BEV-Preise im Großen und Ganzen ähnlich wie der Gesamtmarkt nach unten gegangen. Allerdings gingen die Preise der am häufigsten gesuchten E-Modelle meist deutlich nach unten (in der Reihenfolge der Kaufanfragen):

  • Tesla Model 3 -14 %
  • Audi Q4 E-Tron -22 %
  • Renault Zoe -7 %
  • Volkswagen ID.3 -2 %
  • Tesla Model Y -14 %
  • Volkswagen ID.4 -5 %
  • Smart Fortwo +2 %
  • Hyundai Kona -5 %
  • Porsche Taycan -5 %
  • Skoda Enyaq -12%

Die aktuellen Autoscout-Daten zeigen: Das Interesse an gebrauchten Tesla-Fahrzeugen ist nach wie vor hoch. Gleichzeitig scheint sich die Neuwagenschwäche des Fabrikats auch im Gebrauchtwagenmarkt niederzuschlagen: Der Tesla-Bestand der Börse ist gegenüber dem zweiten Quartal um mehr als ein Fünftel gesunken (–22 %).

Die stabileren Preise für E-Modelle gehen einher mit einer tendenziell steigenden Nachfrage. Hybride und reine BEVs wurden im dritten Quartal deutlich häufiger gesucht als noch vor einem Jahr. Dazu kommt scheinbar eine wachsende Ausgabenbereitschaft der Kunden – zumindest im Gebrauchtwagensektor: Die Anfragen für junge Fahrzeuge (maximal 24 Monate) und teure Modelle (über 30.000 Euro) sind laut den Autoscout-Statistiken signifikant gestiegen. „Das Segment für gebrauchte EVs stabilisiert sich weiter“, folgern die Börsen-Analysten.

Der „Golf Index“ von Autoscout 24

Das meistgesuchte Modell über alle Antriebsarten und Segmente hinweg aber bleibt auch bei Autoscout der VW Golf. An dem Modell lässt sich exemplarisch die Entwicklung des Gebrauchtwagenmarkts ablesen.

So zeigte sich etwa an der Preisentwicklung für gebrauchte Golf-Modelle, wie die Corona-Jahre die Gebrauchtwagenpreise in den Jahren 2021 und 2022 gestützt haben. Völlig untypisch wurden die Gebrauchtmodelle trotz des steigenden Alters wieder teurer statt günstiger. Dagegen zeigt sich bei den neu zugelassenen Golf-Modellen ein starker Wertverlust. Ein im Jahr 2022 neu zugelassener VW Golf hatte zwei Jahre später nur noch 65 Prozent seines Ausgangswertes. Modelle der Vor-Corona-Jahre erreichen diesen Wert erst nach fünf bis sieben Jahren.

Doch der VW Golf sendet auch eine gute Nachricht. Autoscout 24 hat den „Golf Index“ kreiert. Er setzt den durchschnittlichen Preis für einen gebrauchten Golf ins Verhältnis zum Nettoeinkommen – sprich, wie viele Netto-Monatsgehälter notwendig sind, um einen Durchschnitts-Golf zu erwerben. Dieser Wert ist seit 2022 deutlich gesunken und liegt jetzt nur noch knapp über dem Vor-Corona-Wert. Für die Autoscout-Verantwortlichen ist damit klar: Die Kaufkraft ist im Schnitt wieder gestiegen.

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