Studien zu E-Mobilität Innovationskraft der Europäer schwächelt

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Tesla ist noch immer der innovativste E-Autobauer. Doch die Agilität schwächt sich ab, während die chinesischen Herausforderer immer besser werden. In Europa kann laut einer Untersuchung des CAM nur ein Automobilkonzern wirklich mithalten.

Die Innovationsstärke in der Elektromobilität ist für die künftige Wettbewerbsfähigkeit entscheidend.(Bild:  Grimm – VCG)
Die Innovationsstärke in der Elektromobilität ist für die künftige Wettbewerbsfähigkeit entscheidend.
(Bild: Grimm – VCG)

Die deutschen und allgemein die europäischen Automobilkonzerne geraten hinsichtlich ihrer Innovationskraft in der Elektromobilität weiter unter Druck. Wie eine Studie des Center Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach zeigt, steht Tesla hinsichtlich der Innovationsstärke weiter an der Spitze des Rankings. Danach folgt zwar bereits die Volkswagen-Gruppe auf Platz zwei, doch dahinter drängen chinesische Fabrikate – und Hyundai – in Richtung Spitze.

In einer anderen Untersuchung kommt das Beratungsunternehmen Alvarez & Marsal zu dem Schluss, dass die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie rückläufig ist. Die Branche leide unter hohen Kostensteigerungen, Fachkräftemangel, Versorgungsrisiken, einer immer schneller voranschreitenden Digitalisierung und einem sich weiter verschärfenden Wettbewerbsdruck. Der Fachkräftemangel ist dabei für 74 Prozent der befragten Unternehmen inzwischen ein wesentlicher Standort-Nachteil.

Und die Aussichten sind schlecht: Laut Alvarez & Marsal erwarten 36 Prozent der Unternehmen im laufenden Jahr eine Verschlechterung ihrer Wettbewerbsfähigkeit verbunden mit sinkenden Umsätzen und schwächerer Rentabilität. Kernproblem sei die wachsende Konkurrenz aus China, die mit kürzeren Entwicklungszeiten und Vorteilen in der Elektrifizierung und Digitalisierung punkten.

Auch das CAM urteilt, dass speziell die chinesischen Autobauer die Elektromobilität durch Innovationen vorantreiben. Gemessen wird dieser Fortschritt mittels 512 einzeln bewerteten Serieninnovationen (BEV). Auf dieser Basis erreichen die chinesischen Autobauer einen Anteil von 45 Prozent der globalen Innovationsstärke, während die deutschen Vertreter auf 20 Prozent kommen. Die stärksten Zuwächse erzielen der Geely-Konzern mit einem Anstieg von 51,8 Index-Punkten (IP). In diesem Ranking folgen SAIC (+35,4 IP), der Volkswagenkonzern (+33,5 IP), BMW (31,3, IP) sowie BYD (25,2 IP) und Tesla (25,2 IP).

Europäische Autobauer rutschen ab

Bei Tesla zeigt sich damit in gewisser Weise eine abgeschwächte Innovationsdynamik. Das US-Unternehmen bleibt gleichwohl der innovationsstärkste Elektroauto-Konzern vor VW, Geely, BYD und Hyundai. Der zweite europäische Autobauer im Innovationsranking ist Mercedes auf Platz sieben vor BMW und Stellantis. Ford liegt auf Platz 14 – nicht viel, wenn man bedenkt, dass der Hersteller jetzt mit E-Autos durchstarten will. Aber auch Newcomer wie Lucid (Platz 18) schneiden in dieser Untersuchung nicht besonders gut ab. Der chinesische Hersteller Aiways, einst Vorreiter in Europa, liegt abgeschlagen auf Platz 25.

Die Innovationsstärke der japanischen Hersteller beurteilt das CAM als schwach bzw. träge („laggard“). Toyota und Nissan, vor allem aber Mazda und Honda sind letztlich „Nachzügler der Elektromobilität“.

Der Aufsteiger des vergangenen Jahres ist aus Sicht des CAM der chinesische Geely-Konzern. Er habe sich vor allem mit den Modellen „Zeekr 009“ (wegen der verbauten Qilin 3.0 Batterie von CATL) und Lotus „Eletre“ als innovativ präsentiert. BYD punktet mit Verbesserungen in der Batterietechnologie sowie Neuerungen in der Breite des Modellangebots. Aber auch der Volkswagenkonzern punktet mit einem Effizienzsprung beim VW ID 7. Das Auto erzielt mit einem Verbrauch von 14,1 kWh auf 100 Kilometern den niedrigsten Verbrauch im Segment.

Marktführer schreiten schnell voran

Die BEV-Verkäufe der führenden Automobilhersteller und -Konzerne (Geely ohne Smart) /*geschätzt(Bild:  CAM)
Die BEV-Verkäufe der führenden Automobilhersteller und -Konzerne (Geely ohne Smart) /*geschätzt
(Bild: CAM)

Dass die Elektromobilität drauf und dran ist, die Automobilbranche kräftig durchzuschütteln, zeigt sich nicht zuletzt im Absatzranking: Mehr als 80 Prozent des globalen BEV-Absatzes im Jahr 2023 sei auf zehn Automobilhersteller entfallen, geht aus den CAM-Daten hervor. Dabei sind die drei größten Automobilhersteller Tesla, BYD und der Volkswagen-Konzern zusammen bereits für knapp die Hälfte (46 %) aller Neuzulassungen verantwortlich. Kurz: Der Abstand der anderen Fabrikate zu den Marktführern wächst.

Viele Herausforderer im Feld der Elektromobilität kämpfen inzwischen mit multiplen Problemen. Sie müssen technische Vorteile realisieren (hohe Ladeleistung, große Reichweite, geringer Verbrauch) oder müssen beim Preis punkten. Wer preislich nicht mithalten kann, muss aus Sicht von CAM-Direktor Stefan Bratzel dann „mindestens so viel innovativer sein, wie sie teurer sind“.

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