Wettbewerbsfähigkeit Deutsche Autobauer holen in Sachen Innovation weltweit auf

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Der Sturmlauf der chinesischen Hersteller ist ein Stück weit abgeebbt. Wie aus der „Automotive Innovations“-Studie des CAM hervorgeht, kommen die deutschen Hersteller wieder voran. Doch in Sachen Innovationskraft nehmen chinesische Hersteller fünf der Top-Ten-Plätze ein.

Innovation an vielen Stellen – die deutschen Hersteller werden besser, die chinesischen Autobauer bleiben führend.(Bild:  Daimler)
Innovation an vielen Stellen – die deutschen Hersteller werden besser, die chinesischen Autobauer bleiben führend.
(Bild: Daimler)

Die deutschen Autohersteller scheinen im globalen Wettbewerb um Ideen wieder aufzuholen, das Center of Automotive Management (CAM) sieht gar erste „Anzeichen für Trendbrüche“. Der seit einigen Jahren festgestellte Abwärtstrend der deutschen Autobauer in Sachen Innovation sei gestoppt und kehre sich sogar um, heißt es als Fazit der diesjährigen „Automotive Innovations“-Studie des Forschungsinstituts aus Bergisch Gladbach. Davon unbenommen konnten Chinas Fahrzeugbauer ihre starke Position aber weiter festigen.

Den Ergebnissen zufolge ist die Innovationsstärke der chinesischen Hersteller erstmals leicht gefallen: von 47,0 Prozent im Jahr 2023 auf 46,5 Prozent im letzten Jahr. Andererseits zeigen sich Konsolidierungstendenzen: Fünf chinesische Hersteller befinden sich heuer in den Top 10 der innovationsstärksten Automobilgruppen, darunter BYD und SAIC auf den Plätzen 2 und 3 sowie Geely auf Rang 4 sowie Nio (Rang 7) und Li Auto (Rang 8). Rang fünf geht an Mercedes. Vorjahressieger BMW rutscht auf Platz 19 ab, dürfte es im kommenden Bewertungsjahr mit den E-Autos der „Neuen Klasse“ aber nach CAM-Prognose zurück in die Spitzengruppe schaffen.

Insgesamt wurden für das Jahr 2023/24 rund 742 Technik-Neuheiten von 30 Automobilgruppen mit 100 Marken analysiert. In die Bewertung flossen unter anderem Reifegrad, Originalität, Kundennutzen und der Innovationsgrad ein.

Konzentration der Innovationsstärke bei den Chinesen

Anteil der Innovationsstärke nach den Herkunftsländern der untersuchten Automobilhersteller.(Bild:  www.automotiveinnovations.de)
Anteil der Innovationsstärke nach den Herkunftsländern der untersuchten Automobilhersteller.
(Bild: www.automotiveinnovations.de)

Interessant ist beim Blick auf die chinesischen Autobauer, dass sechs der 20 betrachteten chinesischen Hersteller/Konzerne in den letzten Jahren 75 Prozent der Innovationsstärke auf sich vereinen. CAM-Chef Stefan Bratzel sieht darin einen Vorboten der bevorstehenden Marktbereinigung in der chinesischen Autoindustrie. „Die hohe Innovationsgeschwindigkeit in Verbindung mit dem ruinösen Preiskampf und hohen Überkapazitäten in China können auf Dauer nur wenige chinesische Hersteller mitgehen“, sagt Bratzel. Er erwartet, dass sich in den nächsten drei Jahren die Zahl der unabhängigen chinesischen Hersteller durch Übernahmen deutlich reduzieren werde.

Die deutschen Automobilhersteller stemmen sich im zurückliegenden Untersuchungszeitraum gegen die Übermacht der chinesischen OEM und können erstmals wieder ihren Anteil an der Innovationsstärke von 22,8 Prozent im Vorjahr auf 24,3 Prozent steigern, wenngleich der Abstand zur Vor-Corona-Zeit noch groß ist. Eine wichtige Bedeutung hat dabei die Volkswagen Group, die nach Platz 6 im Vorjahr wieder an die Spitze der innovativsten Konzerne zurückkehrte.

Die Experten um Institutsleiter Stefan Bratzel erkannten bei den Wolfsburgern 109 technische Neuerungen, darunter 30 Weltneuheiten. Konkret genannt wird etwa das Over-the-Air-Update beim ID 3, das es erstmals erlaubt, die Motorleistung im Nachhinein von 150 kW auf 170 kW zu erhöhen. Auch der niedrige Normverbrauch des Golf 8 als Plug-in-Hybrid findet Lob. 

US-Autobauer kommen voran – und Volkswagen

Die US-amerikanischen Hersteller können ihre Innovationsstärke insgesamt leicht steigern – maßgeblich getragen durch deutliche Verbesserungen bei General Motors und Ford. Tesla hingegen bleibt hinter den Erwartungen zurück und erreicht erneut nicht das Innovationsniveau früherer Jahre. Aktuell belegt Tesla Rang 15 (Vorjahr: 13), während GM und Ford die Plätze 6 bzw. 12 einnehmen. Die japanischen Hersteller bleiben innovationsschwach. Nach mehreren Jahren leichter Verbesserung kommen die japanischen Hersteller nur auf einen Innovationsanteil von 5,1 Prozent.

Bei den Volumenherstellern setzt sich die Marke Volkswagen an die Spitze – gefolgt von den chinesischen Herstellern BYD und Li Auto auf den Plätzen zwei und drei. „Ein zentraler Erfolgsfaktor von Volkswagen liegt in der Fähigkeit, innovative Technologien frühzeitig flächendeckend im Volumensegment zu implementieren – und damit Maßstäbe im wettbewerbsintensiven Umfeld zu setzen“, sagte CAM-Direktor Bratzel.

Mit dem Modell Mega von Li Auto kann zudem erstmals eine chinesische Marke die Kategorie des innovationsstärksten Modells für sich entscheiden und löst nach über drei Jahren Mercedes ab. „Der Li Auto Mega hat mit seinen 13 Innovationen maßgeblich zum guten Abschneiden der gesamten Marke Li Auto beigetragen, mehr als die Hälfte der Innovations-Indexpunkte der gesamten Marke entfallen aktuell auf diese Baureihe“, berichtete Bratzel.

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