Tokyo Motor Show: Kei-Cars bleiben die Stars

Größere Offenheit bei Antriebskonzepten als in Europa

| Autor: Wolfgang Gomoll / Stefan Grundhoff

Der Daihatsu „Waku Waku“ ist eines von zahlreichen Kei-Cars auf der Tokyo Motorshow.
Der Daihatsu „Waku Waku“ ist eines von zahlreichen Kei-Cars auf der Tokyo Motorshow. (Bild: press-inform)

So langsam hat sich die japanische Autoindustrie wieder berappelt. Die schweren Jahre scheinen vorbei zu sein und die Stimmung im Land ist nach der Kaiserkrönung trotz der Nachwehen des verheerenden Taifuns wieder auf dem Weg nach oben.

Lange Jahre wusste die nationale Industrie nicht so recht wohin. Nach wie vor spielen die kleinen, steuerbegünstigten Kei-Cars auf der japanischen Insel die größte Rolle auf den verstopften Straßen. Der Bestseller Honda N-Box verkauft sich mit rund 175.000 Fahrzeugen bisher in 2019 um ein Vielfaches besser wie der Toyota Prius, der sich den Platz an der Sonne der „normalen“ Autos in den vergangenen Monaten wieder vom Nissan Note zurückholen konnte.

Kein Wunder, dass sich auch bei der noch bis zum 4. November andauernden 46. Tokyo Motorshow wieder viel um die winzigen Kei-Cars dreht, die mit ihrem spektakulären Design – mal retro, mal modern – einzigartig sind auf der ganzen Welt. Die großen Stars auf der Messe kommen von Toyota, Nissan, Mazda und Suzuki. Die deutschen Hersteller spielen auf der Tokio Motorshow seit Jahren keine Rolle, nur der BMW-Veredler Alpina feiert mit der Weltpremiere der 462 PS starken B3 Limousine seinen 40. Geburtstag im Land des Lächelns.

Immerhin hat Mercedes einen Stand und zeigt erstmals in Asien seinen Ausblick auf den kommenden Mercedes EQS, die elektrische S-Klasse. Ebenfalls aus Europa angereist: Renault, das als französische Nissan-Tochter im Messezentrum Big Sight nicht nur die nachgeschärfte Alpine 110 S, sondern mit dem Lutecia auch die Asienversion des frischen Clio zeigt.

Mit der seriennahen SUV-Studie des Ariya schwingt sich Nissan auf, an das Tor zur Premiumliga zu klopfen. Motorvarianten von rund 200 bis knapp 400 PS, dazu Front- oder Allradantrieb und teilautonome Fahrfunktionen dürften das schicke SUV begehrlicher machen, als seinerzeit den ebenfalls elektrischen Nissan Leaf. Reichweiten bis zu 500 Kilometer sorgen bei den mindestens 45.000 Euro teuren Elektro-SUVs für entsprechenden Alltagsnutzen. Das Design des „V-Motion Schutzschild“ erinnert ein bisschen an den Mercedes EQC.

Mazda enthüllt ersten reinen Stromer

Ganz ähnlich ist der MX-30 unterwegs, mit dem Mazda ab der zweiten Jahreshälfte 2020 ins rein batteriebetriebene Elektrogeschäft einsteigen will. Das 35-kWh-Akkupaket reduziert die maximale Reichweite jedoch auf kaum mehr als 200 Kilometer ohne Nachladen und 103 kW/140 PS/265 Nm sind für den Fronttriebler im Konkurrenzumfeld recht überschaubare Werte. Punkten will der Mazda MX-30 mit seinem günstigen Einstiegspreis von unter 34.000 Euro und seinem Design. „Der MX-30 ist ein Zweit- oder Drittauto“, erklärt Produktmanagerin Tomiko Takeuchi.

Noch cooler, aber weniger praktikabel ist der Suzuki Waku Sports, der in Sachen Design der Höhepunkt der Tokyo Motorshow ist. Auf Knopfdruck wird der kompakte Plug-in-Hybrid von einem kompakten Schrägheckmodell zu einem knackigen Coupé. Ebenfalls eine lässige Kiste ist der Suzuki Hustler, eines der beliebtesten Kei-Cars in Japan. Auf der Messe gibt es neue Ideen wie einen Light Crossover Wagon oder eine rustikale Outdoor-Variante – jeweils mit Hybridtechnik.

Mazda MX-30: Stromer mit bayrischen Ideen

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23.10.19 - Mit dem MX-30 steigt nun auch Mazda in die vollelektrische Mobilität ein. Der Stromer kommt mit überraschend kleinem Akku und erinnert in manchen Punkten an einen höhergelegten BMW i3. lesen

Toyota bemüht sich um Start-Up-Atmosphäre

Toyota geht bei seinem Heimspiel seinen eigenen, ganz besonderen Weg. Der japanische Branchen-Primus packte im zweijährlichen Rotationsmodus der Messe seine sieben Sachen und verlegte seinen Auftritt in das Aomi Exhibition Zentrum eine U-Bahn-Station entfernt vom Rest der Messe. Inmitten einer Mall präsentiert der Autobauer auf seiner Future Expo Modelle wie den vollelektrischen Stadtfloh „Ultra Compact BE“ mit immerhin 100 Kilometern Reichweite und das futuristische Toyota „e-Racer concept“ – einen autonom agierenden Zweisitzer. Die Japaner geben sich Mühe, eine Start-Up- beziehungsweise „Wir-kommen-zu-den-Menschen-Atmosphäre“ aufkommen zu lassen. Dabei gehen wichtige Autos wie das seriennahe Mirai Concept fast unter.

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