Tröger setzt auf persönlichen Service

Autor / Redakteur: Ottmar Holz / Ottmar Holz

Saalfeld ist kein typischer Nutzfahrzeugstandort. Doch die Tröger-Gruppe zeigt abseits der großen Verkehrsachsen, wie man mit persönlicher Note erfolgreich Platz drei des Service Awards (Nfz) erreicht.

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Der schmucke Neubau war schon bald zu klein, ein Anbau erforderlich.
Der schmucke Neubau war schon bald zu klein, ein Anbau erforderlich.
(Foto: Holz)

In Saalfeld existierte seit der deutschen Wiedervereinigung bereits ein MAN-Betrieb, der aus einem Kraftverkehrsbetrieb heraus entstanden war. Als die Inhaber einen von MAN angeregten Neubau nicht stemmen wollten, kam der Hersteller auf Andreas Tröger zu – mit der Frage, ob der Standort nicht etwas für ihn wäre. „Das sieht gut aus, hier wird investiert!“, lautete seine Antwort, berichtet André Otto, Geschäftsführer der Filiale Saalfeld.

Dass der Standort weitab von den Autobahnen liegt, empfindet André Otto nicht als Nachteil. Der Anteil von Laufkundschaft und Liegenbleibern ist sehr niedrig, „daher ist die persönliche Kundenbindung für mich das A und O,“ betont er. Andererseits können die Leute eben nicht mal schnell woanders hin; der regionale Bezug steigt dadurch. Im direkten Betreuungsgebiet gibt es zwar nur etwa 500 MAN-Lkw, es existieren in der Region jedoch noch viele Großunternehmen – ein Erbe aus DDR-Zeiten.

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Hierzu zählt ein Stahlwerk der Mittal-Gruppe, das seine komplette Logistik ausgelagert hat. Der Spediteur Dettendorfer macht mittlerweile die gesamte Kommissionierung für das Unternehmen und hat alleine schon 40 Lkw hier am Standort. Im Umfeld der Stahlkocher gibt es wiederum Schrotthandlungen, aber auch viele Gerüstbauunternehmen, beschreibt André Otto das wirtschaftliche Umfeld. Auch die Zahl der Erdbauunternehmen in der Gegend ist traditionell hoch. Deutlich wird das bei den Baufahrzeugen; der Kipperanteil liege bei circa 40 Prozent, führt er aus.

Der Truck muss rollen

„Der Standort passt, wir sind ein kleiner knuffiger Betrieb mit kurzen Wegen und intensiver Kundenbeziehung, und sind mit neunzig Prozent unserer Kunden per Du“, hebt er hervor. „Meine Meister und ich besuchen unsere Kunden regelmäßig zuhause oder im Betrieb.“ – „Die Öffnungszeiten stehen außen an der Tür und auf Papier, aber gearbeitet wird, bis alles fertig ist, denn ein Truck muss rollen. Und das wissen unsere Kunden!"Kleines Team – große Leistung.

Diese Statements von André Otto erklären genau, warum sich der erst im Jahr 2000 in Saalfeld eröffnete Zweigbetrieb der Tröger-Gruppe zu einem der führenden Nutzfahrzeugdienstleister in Südostthüringen entwickelt hat. Die Belegschaft am Standort wuchs seit der Eröffnung von 6 auf 15 Mitarbeiter; aus Platznot musste bereits für die Auftragsannahme ein Erweiterungsbau erstellt werden. „Wir sind aus allen Nähten geplatzt; die Fahrer, die auf ihr Fahrzeug warteten, saßen direkt neben den zwei Meistern und der Servicedame“, verdeutlicht er.

Maßnahmen zur Kundenbindung sind z.B. ein Essensgutschein für wartende Fahrer, der im nahegelegenen Imbiss eines Einkaufszentrums einlöst werden kann. Auch bei Baufahrzeugen werden selbstverständlich die Scheiben gereinigt; wenn etwas mehr Zeit ist, gibt es sogar eine Innenreinigung der Fahrerkabinen. Zugmaschinenkunden, die aus Kostengründen oft mit ihrem Anhänger zur SP (Sicherheitsprüfung) in eine freie Werkstatt fahren, spendiert Tröger von Fall zu Fall einen Servicegutschein für eine SP, um den Auftrag ins Haus zu holen.

Alles aus einer Hand

Der Saalfelder Betrieb verfolgt konsequent die Idee vom Komplett-Service aus einer Hand. „Der Kunde will nicht in Rechnungen kramen und bei verschiedenen Lieferanten reklamieren, wenn mal was ist“, ist sich André Otto sicher. Aus Rentabilitätsgründen ging der MAN-Betrieb eine Kooperation mit dem ansässigen Reifenhändler ein. Die Kunden fahren direkt zu ihm, die Rechnungserstellung und Abwicklung erfolgt jedoch immer über Tröger. So hat der Kunde stets nur einen Ansprechpartner, betont André Otto.

Service Award 2014: Prämierte Leistung
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Entscheidende Komponente bei der Auswahl der Kooperationspartner ist für ihn neben der Arbeitsqualität ein 24-Stunden-Notdienst. Dies gilt auch für das Anfertigen von Hydraulikschläuchen; denn eine Eigenanfertigung ist nicht rentabel. Ist trotz des umfangreichen Lagerbestandes ein Teil nur in einer anderen Tröger-Niederlassung verfügbar, wird es per Expressstafette sofort besorgt. Darüber hinaus bietet Saalfeld auch den „MAN Service Complete“ für Auflieger und Anhänger und hält mit dem Partner BFS Vermietfahrzeuge bereit.

Flexible Arbeitszeitkonten

Durch den hohen Anteil der Bauunternehmenskunden ergibt sich auch für Tröger eine saisonal stark unterschiedliche Betriebsauslastung. Dem begegnet der Betrieb zum einen mit Arbeitszeitkonten der Mitarbeiter: Sie feiern im Winter Überstunden ab und arbeiten dafür länger bei hoher Auslastung. Zum anderen sprechen die Meister ihre Kunden gezielt auf anstehende Reparaturen an und holen die im Winter meist abgemeldeten Baufahrzeuge direkt bei den Firmen ab.

Als ein Multicar-Betrieb in Saalfeld Insolvenz anmelden musste, ergriff Tröger die Chance, sich breiter aufzustellen, und übernahm auch den Service für die Kleinlaster. Das macht Sinn, denn viele Bauunternehmen aus dem Kundenstamm besitzen einige dieser Fahrzeuge.Wer sich bietende Chancen so beherzt nutzt wie die Trögergruppe, ist auch an vermeintlich ungünstigen Standorten erfolgreich – guter Service und Mut wird überall belohnt.

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