Viele Händler verweigern Diesel-Inzahlungnahme

Von Jakob Schreiner Autor Name

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Die Automobilhändler stellen sich Diesel-Pkw zunehmend zögerlich auf den Hof. Wenn es noch zur Inzahlungnahme kommt, dann nur mit einem niedrigen Wertansatz. Aus gutem Grund: Die Weitervermarktung gelingt oft nur mit hohen Rabatten.

(Foto:  Achter)
(Foto: Achter)

Der Autohandel reagiert auf die schlechte Marktsituation des Diesels. Jeder fünfte Händler (22 %) lehnt die Inzahlungnahme von Diesel-Fahrzeugen als Reaktion auf die sinkende Nachfrage komplett ab. Von den Diesel-Willigen kalkulieren zudem 87 Prozent mit niedrigeren Ankaufpreisen, wie aus dem aktuellen Diesel-Barometer der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) hervorgeht.

Die Skepsis hat einen guten Grund: Je 86 Prozent der befragten Händler verkauften weniger neue und gebrauchte Selbstzünder an Privatkunden als noch vor einem Jahr. Aber auch das Interesse von Gewerbekunden am Diesel ist zuletzt deutlich gesunken – knapp 60 Prozent der Händler gaben an, weniger Diesel-Neuwagen an diese Gruppe verkauft zu haben. Im Mai 2017 hatten erst 29 Prozent Schwierigkeiten in dieser Gruppe.

Wenn Händler einen Diesel-Neuwagen verkaufen, gewähren 57 Prozent hohe Nachlässe. Bei den Gebrauchten können sogar knapp neun von zehn Händler nur noch mit hohen Abschlägen zum Abschluss kommen. Dabei scheint vor allem der Euro-5-Diesel ein echter Ladenhüter zu sein, dessen Besitzumschreibungen sind im Vergleich zum Vorjahresmonat um über ein Viertel eingebrochen. Gebrauchte Fahrzeuge, die die Euro-6-Norm erfüllen, werden dagegen immer zahlreicher. Sie stellen inzwischen ein Drittel des Diesel-Gebrauchtwagenmarkts (35 %).

Grundsätzlich sind die gebrauchten Selbstzünder aber weiterhin Langsteher, die im März im Schnitt 103 Tage (Februar 2018: 102 Tage) auf den Höfen der Händler verharrten. Dagegen sind die Standtage der Benziner im März weiter gesunken: Sie sind nach durchschnittlich 85 Tagen weiterverkauft (Februar: 88 Tage). Wie zuletzt kosten gebrauchte Diesel-Pkw den Handel pro Tag und Fahrzeug im Schnitt 28 Euro im Schnitt.

Doch nicht nur die Standzeit belasten den Handel, gleichzeitig sind die Restwerte für Diesel-Pkw weiter gesunken. Im Schnitt waren dreijährige Diesel-Gebrauchtwagen mit einer Jahreslaufleistung zwischen 15.000 und 20.000 Kilometern im März noch 53,4 Prozent des ehemaligen Listenpreises wert. Damit lag der Restwert etwas unter dem Vormonat (53,5 %), vor allem aber deutlich unter dem Vorjahresmonat (55,7 %).

Euro-6-Norm sorgt für Verwirrung

Neben der allgemeinen Verunsicherung der Kunden rund um das Thema Diesel, sorgen die diversen Euro-6-Normen für zusätzliche Verwirrung. 81 Prozent der Händler bestätigten laut der DAT, dass die Kunden vermehrt nach den unterschiedlichen Euro-6-Normen fragen. Ebenso habe das Leipziger Urteil keine Klarheit gebracht, sondern die Kunden weiter verunsichert, wie 93 Prozent der Händler angaben. So verwundert es nicht, dass fast alle Befragten (95 %) einen deutlich höheren Beratungsaufwand mit Diesel-Fahrzeugen haben.

Auf die Gemengelage aus verunsicherten Kunden, den daraus resultierenden sinkenden Geschäften mit neuen oder gebrauchten Dieseln, steigenden Standtagen und sinkenden Restwerten reagierten 61 Prozent der Händlerschaft mit Rückstellungen auf drohende Verluste. DAT-Geschäftsführer Jens Nietzschmann gibt dabei aber zu bedenken, dass Automobilbetriebe mit einer durchschnittlichen Rendite von 1,6 Prozent kaum eine stabile Vorsorge in ihren Bilanzen treffen können. „Sie werden deshalb auf Unterstützungsleistungen von ihren Herstellern, Importeuren oder der Politik angewiesen sein, um nicht in eine wirtschaftliche Schieflage zu gelangen“, sagte Nietzschmann.

Diese Diesel erfüllen bereits die Euro-6d-Temp-Norm
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Die Basis des Diesel-Barometer ist eine repräsentative Befragung im Automobilhandel, welche mit Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) und mit Ergebnissen der DAT-Marktbeobachtung angereichert wird.

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