VW: In zehn Klicks zum ID

Volkswagen stimmt Handel auf die „Mission ID“ ein

| Autor: Christoph Seyerlein

Noch zeigt VW sein erstes ID-Modell nur getarnt. Ab April 2019 will der Hersteller Vorbestellungen für den Neo annehmen.
Noch zeigt VW sein erstes ID-Modell nur getarnt. Ab April 2019 will der Hersteller Vorbestellungen für den Neo annehmen. (Bild: Volkswagen)

Der Startschuss für das erste Auto der künftigen Elektro-Familie „ID“ von Volkswagen rückt näher. Vergangene Woche hat der Hersteller nun Teile seiner Organisation auf die „Mission ID“ eingestimmt – und dabei ein paar weitere Details verraten, wie man Kunden von seinen Stromern überzeugen will.

Erster im Bunde wird der „Neo“ sein, der 2020 auf die Straßen kommen soll. Bereits ab April 2019 will VW für das Auto Vorbestellungen annehmen. Die Bestellung soll dabei deutlich unkomplizierter sein, als man das bislang bei den Wolfsburgern gewohnt ist: VW gab auf der Mission-ID-Veranstaltung bekannt, dass der Neo in gerade mal zehn Klicks konfiguriert sein soll. Vorbild dürfte hier Tesla sein. Die Kalifornier lassen Kunden ihre Autos seit jeher nur online zusammenstellen und verzichten zugunsten eines übersichtlichen Prozesses beispielsweise auf eine große Auswahl bei der Sonderausstattung. Auch VW hatte zuletzt immer wieder angekündigt, die Komplexität in den eigenen Prozessen deutlich verringern und damit letztlich auch Geld sparen zu wollen.

Von dem Vorbestellsystem, das es so erstmals bei VW Pkw geben wird, verspricht sich der Hersteller nach eigenen Angaben „frühe Leads“. Davon soll auch der Handel profitieren, allerdings erst im zweiten Schritt. Bei der Reservierung sind die Partner außen vor, die Auslieferung soll aber das Händlernetz übernehmen.

Daneben will VW auch mit den Leistungsdaten des Autos punkten: Der Hersteller verspricht eine WLTP-gemessene Reichweite von bis zu 550 Kilometern. Kunden sollen den bis zu 125 kWh großen Akku in einer halben Stunde bis zu einer Kapazität von 80 Prozent nachladen können. Umweltbewusste Interessenten sollen Verkäufer unter anderem damit ködern, dass der ID Volkswagens erstes Auto sein wird, das nach Angaben des Herstellers keinen CO2-Rucksack mit sich herumschleppt. Um die Belastungen bei der Produktion des Autos auszugleichen, haben die Wolfsburger unter anderem Baumpflanz-Projekte angestoßen. Im Fahrbetrieb soll der Neo dann mit gutem Gewissen fahren können, da VW über seine neue Sparte „Elli“ grünen Strom anbieten will.

„Tablet on Wheels mit Gänsehaut-Beschleunigung“

Doch auch der Fahrspaß soll für Händler ein wichtiges Verkaufsargument darstellen: VW bezeichnet den ID Neo als „Tablet on Wheels mit Gänsehaut-Beschleunigung.“ Zum „Tablet on Wheels“ soll das Auto unter anderem dadurch werden, dass es das erste vollvernetzte Fahrzeuge der Marke sein wird. Damit werden auch Over-the-air-Updates, Functions on demand und Co. zu Themen, mit denen sich VW-Händler künftig auseinandersetzen müssen.

Bleibt noch die Frage nach dem Preis. Und auch auf diesem Feld wollen die Wolfsburger Maßstäbe setzen. Genaue Zahlen haben sie zwar noch nicht bekannt gegeben, immer wieder hieß es aber zuletzt, der Neo solle sich in etwa auf dem Niveau eines Golf mit Dieselmotor bewegen. Die Marke von 30.000 Euro will VW in jedem Fall unterbieten. Der Anspruch lautet: „Bezahlbar für jeden, unschlagbare Cost of Ownership.“ Oder wie es VW in der Vergangenheit auch schon kommuniziert hat: „E-Mobilität für Millionen, nicht für Millionäre.“

Im Handel gibt man sich ob solcher Ankündigungen zwar hoffnungsvoll, verfällt aber nicht direkt in Euphorie. Gerade das Vorreservierungs-Modell betrachtet mancher Partner skeptisch. Ein Partner sagte im Gespräch mit »kfz-betrieb«, dass er derartige Versuche ganz klar als als gezielte Schritte des Herstellers auf dem Weg zum Direktvertrieb sehe. Schließlich hat sich VW mit den neuen Händlerverträgen, die zum 1. April 2020 in Kraft treten werden, erstmals die Möglichkeit gesichert, Autos direkt an Kunden verkaufen zu dürfen.

VW will eine „Neugestaltung des Autokaufs“

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06.12.18 - Mit den neuen Verträgen kommen ganz neue Spielregeln auf VW-Partner zu. Neue Details verkündete Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann am Donnerstag. Beispielsweise nimmt der Hersteller selbst künftig Vorreservierungen an. Das geht zulasten der Händlerschauräume. lesen

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