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VW plant kleines E-Auto ohne Kobalt

| Autor: Christoph Seyerlein

Im November will Volkswagen eine Recycling-Anlage für E-Auto-Batterien in Betrieb nehmen. Doch nicht nur das reine Recycling hat der Konzern im Fokus: Die Wolfsburger arbeiten auch an einem Konzept, dass manchen Elektroauto-Kritiker verstummen lassen könnte.

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Volkswagen habe den Anspruch, den Rohstoffkreislauf für Batterien an keiner Stelle aus der Hand zu geben, erklärte Konzernchef Herbert Diess.
Volkswagen habe den Anspruch, den Rohstoffkreislauf für Batterien an keiner Stelle aus der Hand zu geben, erklärte Konzernchef Herbert Diess.
(Bild: Volkswagen)

Volkswagen hat seine Elektrostrategie um einen Baustein erweitert. Wie Thomas Schmall, Chef der Konzern-Komponente, am Freitag beim Karrierenetzwerk Linkedin ankündigte, soll im November am Standort Salzgitter eine Recycling-Anlage für ausgediente E-Auto-Batterien den Betrieb aufnehmen. Sie soll dabei helfen, wertvolle Rohmaterialien wie Nickel, Mangan und Kobalt sowie Kupfer, Stahl und Aluminium zurückzugewinnen. „Das Ziel ist ein Closed-Loop-Recycling mit mehr als 90 Prozent Wiederverwertung“, erklärte Schmall.

Für ein Recycling infrage kämen dabei nur Batterien, die sich nicht für einen weiteren Einsatz beispielsweise in mobilen Energiespeichern eigneten.

Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess ergänzte, Volkswagen habe den Anspruch, den Rohstoffkreislauf für die Batterie an keiner Stelle aus der Hand zu geben. Auch er merkte an, dass es dem Automobilhersteller nicht nur um das Recycling, sondern auch die weitere Verwendung der Batterien „nach dem Autoleben“ gehe.

Hinweis auf den ID 1?

Im Blick hat Diess dabei vor allem Eisenphosphat-Batterien. Diese könnten bis zu zwei Millionen Kilometer oder 16 Jahre abspulen – und hätten im Anschluss noch 80 Prozent ihrer Kapazität für eine weitere Verwendung übrig, erklärte der Manager. Allerdings sind sie schwerer als aktuell in E-Autos eingesetzte Batterien. Das kostet die Fahrzeuge Reichweite.

Für viele Anwendungen sei die Technologie dennoch „optimal“, zeigte sich Diess überzeugt. „VW plant für das „Small BEV“ Lithium-Eisenphosphat Batterien – kobaltfrei“, verkündete der Volkswagen-Chef.

Weitere Details verriet Diess noch nicht. Mit dem E-Up hat VW bereits ein kleines Elektroauto auf dem Markt. Perspektivisch dürfte der Hersteller diesen aber ablösen und seine ID-Familie, die bislang aus dem ID 3 und dem ID 4 besteht, nach unten erweitern. Auf einer Weihnachtskarte im vergangenen Jahr hatte VW bereits einen Ausblick auf einen möglichen ID 1 gegeben. Medienberichten zufolge könnte es 2023 oder 2024 starten.

Kobalt-Förderung steht regelmäßig in der Kritik

Mit dem Verzicht auf Kobalt in den Batterien könnte Volkswagen Kritiker besänftigen, die vor allem die menschenunwürdigen Bedingungen anprangern, unter denen der Rohstoff teilweise abgebaut wird. Das Mineral ist äußerst ungleich auf der Erde verteilt: 70 Prozent der bekannten Reserven liegen in der Demokratischen Republik (DR) Kongo, Australien und Kuba.

Gerade die Förderung in dem afrikanischen Staat wird regelmäßig kritisch beäugt. Von Kinderarbeit und katastrophalen Arbeitsverhältnissen ist die Rede. Auch andere Unternehmen suchen deshalb nach Alternativen. Beispielsweise wurde zuletzt berichtet, dass der chinesische Batteriehersteller CATL an Batterien arbeite, die ohne Nickel und Kobalt auskommen.

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