Konzernkrise VW- und Audi-Händler – Vertriebsstrategie „völlig unklar“

Von Dr. Martin Achter 2 min Lesedauer

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Deutschlands VW- und Audi-Händler fordern von der Konzernführung und den Marken angesichts der aktuellen Krise klare Ansagen. Das wurde jetzt bei einer Tagung mit 600 Partnern in Hannover deutlich. Unter anderem stellen sie die Frage nach der Zukunft des Agenturmodells.

Alexander Sauer-Wagner, Geschäftsführer des Volkswagen- und Audi-Partnerverbands (im Bild), forderte vom Hersteller auf einer Tagung mit über 600 Händlern Klarheit rund um die Vertriebsstrategie des Herstellers und die allgemeine Konzernpolitik.(Bild:  Berlin & Cramer)
Alexander Sauer-Wagner, Geschäftsführer des Volkswagen- und Audi-Partnerverbands (im Bild), forderte vom Hersteller auf einer Tagung mit über 600 Händlern Klarheit rund um die Vertriebsstrategie des Herstellers und die allgemeine Konzernpolitik.
(Bild: Berlin & Cramer)

Die VW- und Audi-Händler drängen den VW-Konzern angesichts der aktuellen Probleme zu einem klaren Kurs und zu klaren Aussagen zur künftigen Vertriebsstrategie. Derzeit sei beispielsweise „völlig unklar“, wie es mit dem unechten Agenturmodell über die verschiedenen Marken hinweg weitergehe und wie die Vertriebsstrategie des Herstellers für die Zukunft aussehe, kritisierte Alexander Sauer-Wagner, Geschäftsführer des Volkswagen- und Audi-Partnerverbands (VAPV) am Mittwoch. Am Dienstag hatte der VAPV zu einer Tagung in Hannover eingeladen, zu der mehr als 600 Geschäftsführer und Inhaber von Mitgliedsbetrieben gekommen waren.

Sauer-Wagner forderte angesichts der „Horror-Meldungen aus dem VW-Konzern“ Planungssicherheit für die Händlerschaft: „Wir brauchen Perspektiven, die langfristig sind und somit unseren Unternehmen eine Zukunft geben.“ Und Marcus Lusebrink, Sprecher des Beirats VW Pkw, forderte eine bessere Außendarstellung des Konzerns, um bei Kunden keine Verkaufschancen zu verspielen: „Wir brauchen dringend gute Nachrichten aus Wolfsburg, damit die Kunden die Marke VW wieder positiver wahrnehmen.“

„Verhältnis zu Hersteller gestört“

Auch die Audi-Händlerschaft ist verärgert. Hintergrund ist laut VAPV die schlechte Entwicklung im Geschäft mit Großkunden und Elektrofahrzeugen. Hier liege der Absatz etwa bei der Hälfte dessen, was Audi geplant habe. Audi-Beiratssprecher Christian Schowalter erklärte angesichts der Lage: „Das Verhältnis des Herstellers zu den Audi-Partnern ist derzeit gestört.“ Seitens des Herstellers fehlten passende Programme, um den Verkauf zu stärken. „Zudem plant Audi jetzt auch noch, an den Geldbeutel der Händler zu gehen und beim Großkunden-Bonus massive Einsparungen vorzunehmen“, kritisierte Schowalter. „Diese Entwicklung schadet der Marke nachhaltig.“

In der Verschiebung der Einführung von Agenturmodellen bei verschiedenen Konzernmarken sieht der VAPV jedoch auch ein positives Signal – es zeige auf, wie wichtig der Handel für den Erfolg im Vertrieb sei. So erklärte Max Christl, Beiratssprecher Volkswagen Nutzfahrzeuge: „Ein Abgesang auf die Agentur ist eine Liebeserklärung an uns Händler.“ Den Partnern der Marke riet Christl, die kürzlich vom Hersteller versandte Vereinbarung zur Verschiebung der Agentur zu unterzeichnen.

Auf der Händlertagung verabschiedete sich der langjährige Verbandspräsident Dirk Weddigen von Knapp von der Händlerschaft. Ein Nachfolger soll bei einer Delegiertenversammlung am 5. Dezember in Hannover gewählt werden.

Der VW-Konzern und besonders die Marken VW und Audi stecken derzeit massiv in der Krise. Die Kernmarke VW könnte im Rahmen eines Sparprogramms mehrere Werke schließen, Audi will sich vom Fertigungsstandort in Brüssel trennen. Tarifverträge sind aufgekündigt, und 30.000 Stellen im Unternehmen stehen auf dem Prüfstand. Gleichzeitig arbeitet der Konzern an einer neuen Gesamtstrategie.

Auch die unechte Agentur als Vertriebsmodell der Zukunft – die VW, Audi und Seat/Cupra bislang zunächst für batterieelektrische Fahrzeuge einführten – steht auf der Kippe. Skoda hat die Einführung zunächst verschoben, und VW Nutzfahrzeuge legte sie kürzlich auf Eis.

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