VW: „Wir haben uns bei WLTP verzettelt“

Michael Jost gibt Einblick in die Strategie des Herstellers

| Autor: Christoph Seyerlein

Michael Jost, Chefstratege des Volkswagenkonzerns, sieht keine Alternative zur verstärkten Hinwendung zur Elektromobilität.
Michael Jost, Chefstratege des Volkswagenkonzerns, sieht keine Alternative zur verstärkten Hinwendung zur Elektromobilität. (Bild: Volkwagen)

VW setzt in Zukunft voll auf die Elektro-Karte. Chefstratege Michael Jost sagte im Rahmen des „Handelsblatt Auto-Gipfels“ in Wolfsburg: „Wir machen nicht ein bisschen Elektro. Wir starten eine Offensive, die die Welt elektrisch machen soll.“ Deshalb peile man auch an, den Neo, das erste Auto der künftigen Elektro-Familie I.D., ab 2020 CO2-neutral an Kunden zu übergeben. Die vielen Tonnen des Klimagases, die beispielsweise in der Produktion anfallen, wolle Volkswagen beispielsweise damit ausgleichen, dass man sich für Waldschutzprojekte einsetze. „Wir müssen nur genug in Bäume investieren“, sagte Jost.

Das solle aber kein Greenwashing sein, bekräftigte der Manager. „Wir wollen uns nicht reinwaschen. Vielmehr sei man in der Verantwortung, Klimathemen künftig ernster zu nehmen. „Der grüne Ast muss künftig unser Geschäftsmodell sein“, so Jost. „Wir müssen nicht bald handeln, sondern längst.“ Vom Erfolg der VW-Stromer ist Jost überzeugt. „Unsere E-Autos werden keine Verzichtautos, sie werden Spaßautos und Mehrwertautos. Das werden supergeile Kisten“, zeigte sich der Stratege euphorisch.

Die Ausrichtung der Wolfsburger bedeutet zugleich, dass Verbrennungsmotoren beim Autobauer deutlich an Bedeutung verlieren werden. „Unsere Ingenieure arbeiten faktisch an der letzten Verbrennergeneration“, sagte Jost. Im Jahr 2026 beginne der letzte Produktstart auf einer Verbrennerplattform. Auslöser für diesen Wandel sei letztlich auch die selbst ausgelöste Diesel-Krise gewesen. „Es tut uns wirklich leid, dass wir den Diesel verwundet haben“, so Jost.

Nun sei man aber überzeugt, die Krise gut genutzt zu haben. Man bekenne sich zum Pariser Klimaabkommen, das ab 2050 eine CO2-Neutrale Gesellschaft vorsehe. „Für uns heißt das: Schon 2040 steht das erste Stoppschild. Ab dann dürfen wir keine Autos mehr einführen, die keine Chance haben, CO2-neutral zu sein.“

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh reagierte am Mittwoch auf Josts Aussagen: „Was bei uns nach 2026 passiert, entscheidet nicht Herr Jost, sondern der Kunde“, sagte Osterloh. Wenn die Mehrzahl der Käufer dann ein Elektroauto wolle, sei man sicher darauf vorbereitet, ein Ende des Verbrenners sehe er aber noch längst nicht, so der Betriebsratschef weiter. „Was Herr Jost oder der Aufsichtsrat will, ist das eine. Was der Kunde will, das andere“, sagte der mächtige Arbeitnehmervertreter.

Für die Wolfsburger steht Jost zufolge dennoch ab sofort Elektro an erster Stelle. Dafür gebe es neben der Klima-Thematik aber noch weitere gute Gründe, sagte Jost. So könne der Autobauer die heute noch hohe Komplexität im eigenen Haus mithilfe der Elektrifizierung deutlich reduzieren – und damit Problemen vorbeugen. „Wir können nicht jede Nische besetzen“, so Jost. „Unsere Schwierigkeiten mit WLTP haben uns gezeigt: Wir haben uns verzettelt.“

VW-Händler müssen allerdings noch eine Weile warten, bis sie die neue Strategie auch mit den entsprechenden Produkten beim Kunden platzieren können. Der Neo kommt 2020, danach sollen in rascher Taktung Derivate wie der I.D. Crozz und der I.D. Buzz folgen. Allerdings ist ein Großteil jener Fahrzeuge zunächst für den chinesischen Markt eingeplant. „Mindestens 70 Prozent werden im ersten Schritt dorthin gehen“, sagte ein VW-Sprecher im Gespräch mit »kfz-betrieb«. Der Autobauer sieht sich zu jenem Schritt gezwungen, da er in China eine Elektroautoquote erfüllen muss.

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