Suchen

Wasserstoff: Der Ausbau geht weiter

| Autor / Redakteur: Edgar Schmidt / Edgar Schmidt

Wasserstoff als Energieträger für den Individualverkehr wird immer wieder infrage gestellt. Zu teuer, keine Infrastruktur, keine Fahrzeuge sind häufig genannte Argumente. Zumindest beim Tankstellennetz verliert die Kritik aber zusehends an Gewicht. Und auch beim Preis zeichnen sich Lösungen ab.

Firmen zum Thema

Dr. Anja Weisgerber, Sprecherin für Umwelt- und Klimapolitik der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, und Burkhard Reuss, Direktor Kommunikation und Public Affairs der Total Deutschland GmbH, bei der Eröffnung der Wasserstofftankstelle in Biebeldried.
Dr. Anja Weisgerber, Sprecherin für Umwelt- und Klimapolitik der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, und Burkhard Reuss, Direktor Kommunikation und Public Affairs der Total Deutschland GmbH, bei der Eröffnung der Wasserstofftankstelle in Biebeldried.
(Bild: Total/Patrick Reinig Photography)

Wissen Sie, wie viele öffentlich zugängliche Wasserstofftankstellen wir inzwischen in Deutschland haben? Schätzen Sie mal! Es sind derzeit 81. Im Laufe dieses Jahres sollen es sogar 100 werden. Das sind Zahlen, bei denen man sich angesichts einer Reichweite von rund 500 Kilometern bei aktuellen Brennstoffzellenfahrzeugen schon einen Umstieg überlegen könnte – wenn es nicht noch an geeigneten Fahrzeugmodellen fehlen würde.

Die Tankstellen verteilen sich fast homogen über Deutschland. In der Mitte – um die Station in Kassel herum – und im Nordosten Deutschlands gibt es zwar noch größere Lücken, aber sonst ist die Abdeckung teilweise schon als sehr gut zu bezeichnen, im Ruhrgebiet zum Beispiel, zwischen Frankfurt und München oder im Raum Berlin. Die jüngste Tankstelle wurde am 10. Januar 2020 am Verkehrsknotenpunkt Biebelried in Unterfranken auf der Total-Station in der Würzburger Straße 55 eröffnet. Der Platz wurde gewählt, weil sich in unmittelbarer Nähe die vielbefahrenen Autobahnen A3 und A7 kreuzen.

Gebaut hat die Tankstelle das Gemeinschaftsunternehmen H2 Mobility zusammen mit seinen Konsortialpartnern Total und Linde. Die Anlage fasst rund 200 Kilogramm Wasserstoff – diese Menge reicht laut Unternehmensangaben für die Betankung von 40 bis 50 Fahrzeugen. Total Deutschland beteiligt sich nach eigener Aussage bereits seit 2002 an Forschungs- und Pilotprojekten zum Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur.

Aktuell befinden sich mit 22 H2-Tankstellen mehr als ein Viertel der deutschen Zapfsäulen im Netz von Total; weitere Projekte in Rastatt, Erfurt, Neuruppin und Hamburg stehen unmittelbar vor der Fertigstellung oder sind im Bau. Es ist übrigens Absicht, dass die nächstgelegene Wasserstofftankstelle gerade einmal 30 Kilometer Richtung Nürnberg entfernt auf dem Autohof in Geiselwind steht. Ziel ist es nämlich, wo immer möglich, eine gewisse Redundanz zu schaffen, damit Fahrer von Brennstoffzellenautos bei Ausfall einer Tankstelle eine Alternative haben.

Deutschland soll Nummer 1 werden

„Wasserstoff ist aus meiner Sicht ein Schlüsselrohstoff, der unverzichtbar ist, um unsere Klimaziele zu erreichen. Mit einer nationalen Wasserstoffstrategie wird der Bund deshalb die Weichen dafür stellen, dass Deutschland bei dieser Technologie die Nummer 1 in der Welt wird“, erklärte bei der Eröffnung der Biebelrieder Tankstelle Anja Weisgerber, Mitglied des Bundestags und hier Sprecherin für Umwelt- und Klimapolitik der CDU/CSU-Fraktion.

Diese Strategie wollten Wirtschafts- und Forschungsministerium laut Ankündigungen von Forschungsministerin Anja Karliczek und Wirtschaftsminister Peter Altmeier eigentlich schon im Dezember 2019 vorstellen. Doch hier gebe es, so vermutet die Abgeordnete Weisgerber, wahrscheinlich aufgrund von parallel zu bearbeitendem Klimapaket und Kohleausstieg Verzögerungen aus Kapazitätsgründen. Allerdings sollte diese Strategie nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen, wenn man nicht – wie bei der Batterieproduktion – gegenüber anderen Ländern ins Hintertreffen geraten möchte.

Das ist Minister Altmeier zumindest bewusst: „Die Zeit für Wasserstoff und die dafür nötigen Technologien ist reif. Sie bieten enorme industriepolitische Potenziale und können neue Arbeitsplätze schaffen. Deshalb müssen wir schon heute die Weichen dafür stellen, dass Deutschland bei Wasserstofftechnologien die Nummer 1 in der Welt wird. Deutsche Unternehmen sind im Bereich der Wasserstofftechnologien bereits sehr gut aufgestellt, etwa wenn es um Elektrolyse und die Brennstoffzelle geht. Aber unsere Wettbewerber schlafen nicht – wie der Blick etwa nach China, Südkorea und Japan zeigt“, schrieb er in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

(ID:46309599)