Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg Ziegler warnt vor der Abhängigkeit von den Herstellern

Von Doris Pfaff

Das Kfz-Gewerbe hat einige Schwierigkeiten und Herausforderungen zu meistern. Die Delegiertenkonferenz des Landesverbands Baden-Württemberg kritisierte die ausgebliebene verlängerten Umweltbonus. Die zukünftige Ampelregierung hat eine neue Innovationsprämie nun vorgesehen.

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Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg, fordert von der Politik, den Umweltbonus zu verlängern und nicht die Auslieferung als Kriterium festzulegen.
Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg, fordert von der Politik, den Umweltbonus zu verlängern und nicht die Auslieferung als Kriterium festzulegen.
(Bild: Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg)

Die Politik hatte vor einem Jahr beim Autogipfel angekündigt, den Umweltbonus Ende 2021 nicht auslaufen zu lassen, sondern ihn bis 2025 zu verlängern. Das gab dem Autohandel und den Kunden eine gewisse Planungssicherheit. Doch seit der Ankündigung passierte von Seiten der Politik nichts mehr, trotz mehrfacher Mahnungen durch das Kfz-Gewerbe. Am Mittwoch legte schließlich die neue Regierung ihren Koalitionsvertrag vor, der auch die Verlängerung der Innovationsprämie vorsieht.

Das wurde höchste Zeit. Denn dem Autohandel läuft die Zeit weg: Seit Monaten können sie ihren Kunden keine verlässlichen Angaben mehr machen, ob sie mit dem Umweltbonus rechnen können. Denn entscheidend, ob Kunden den Bonus erhalten, ist das Lieferdatum beziehungsweise die Zulassung und nicht das Bestelldatum.

Die Lage hat sich durch die anhaltenden Lieferengpässe noch zugespitzt. Die Bestellzeiten können inzwischen bis zu neun Monaten betragen, manche Hersteller geben gar kein Lieferdatum mehr an.

Förderung von Lieferdatum entkoppeln

Das baden-württembergische Kraftfahrzeuggewerbe thematisierte das Problem bei seiner Delegiertenkonferenz am Dienstag und forderte von der Politik, die E-Auto-Förderung ab 2022 zügig auf den Weg zu bringen, zu verlängern und zudem vom Zulassungsdatum zu entkoppeln.

An die Betriebe richtete Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg, vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Pandemie zudem den Appell, sich bei der Impfung zu engagieren und betriebliche Impfangebote zu organisieren.

Die Corona-Pandemie verzögerte die Fahrzeugproduktion und lange Lieferzeiten mit Kundenvertröstungen seien nur ein Teil der Herausforderungen, die die Branche bewältigen müsse. Die Transformation und Vorgaben zum Klimaschutz sowie Digitalisierung, neue Vertriebsmodelle und ein Fachkräftemangel stellten das Kfz-Gewerbe vor weitere große Schwierigkeiten.

Aber: „Die Hersteller haben die Weichen in Richtung Elektromobilität längst gestellt und unsere Betriebe müssen sich darauf einstellen“, betonte Ziegler. Das Kfz-Gewerbe mit seinen über 4.000 Kfz-Betrieben in Baden-Württemberg und den rund 52.000 Beschäftigten sei Schlüsselpunkt bei der Umsetzung und stelle sich entsprechend auf.

Der Landesverband stehe seinen Mitgliedern beiseite, so Ziegler und leiste Hilfe und Unterstützung in allen wichtigen Fragen. Jedoch stehe der Autohandel vor den wohl massivsten Umwälzungen seit der Nachkriegszeit. Denn die bisherigen Strukturen würden radikal geändert: Verkaufsprozesse und Kundenkommunikation würden digitalisiert, auch wenn der direkte Kontakt zu den Kunden in den meisten Fällen entscheidend bleibe, so Ziegler.

Vor allem aber würden die finanziellen Beziehungen zwischen Herstellern und Händlern auf eine neue Basis gestellt: Zur Debatte stehe das Agentursystem, das zwar finanzielle Vorteile beim Kapitaleinsatz biete, aber auch Nachteile. Ziegler warnte vor der zunehmenden Abhängigkeit von den Herstellern und erklärte, dass Kfz-Gewerbe müsse zukünftig noch wachsamer sein, damit die Rahmenbedingungen für Autohäuser noch ein auskömmliches Wirtschaften ermöglichen.

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