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100 Millionen Codezeilen: Das kann der Golf 8

Autor / Redakteur: press-inform/ys / Yvonne Simon

Der Golf 8 soll bei der Konnektivität neue Maßstäbe in seiner Klasse setzen. Medienberichten zufolge kämpft VW allerdings noch mit rund 15.000 Softwarefehlern. Trotzdem beharrt der Hersteller darauf, dass der Zeitplan bis zum Marktstart eingehalten werde.

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Der Golf 8 feiert im Oktober seine Weltpremiere in Wolfsburg.
Der Golf 8 feiert im Oktober seine Weltpremiere in Wolfsburg.
(Bild: VW)

Als der Touchscreen erneut streikt, lässt sich Frank Welsch nicht aus der Ruhe bringen. „Gehen wir zurück auf den Homescreen und probieren es noch einmal“, murmelt der VW-Technikchef. Und siehe da, beim zweiten Anlauf klappt alles reibungslos. Schließlich geht es darum, einen ersten Einblick in das Infotainment und die Elektronik des Golf 8 zu geben. „Die Aufgabe eines Golfs ist es, neue Technik in das Volumen-Segment zu bringen und jeder Golf legt gegenüber seinem Vorgänger eine Schippe drauf“, so Frank Welsch weiter. Genau diese Technik wird gerade erprobt, da gehören Fehler zum täglichen Brot.

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Wobei sich die Fehler beim neuen Golf Fehler eher zu vermehren scheinen, als dass sie ausgemerzt werden. Glaubt man zumindest einen Bericht des Spiegels von Anfang April, der sich auf interne Dokumente der Wolfsburger beruft, ist die Zahl der Software- und Elektronikfehler von 2.310 im April 2018 mittlerweile auf rund 15.000 nahezu explodiert. Deswegen, so der Spiegel weiter, werde der Hersteller die nächste Golf-Generation in diesem Jahr nur in einer Variante mit abgespeckter Elektronik zum Händler bringen. Vor diesem Hintergrund zeigt VW nun also die technischen Features des Volumenmodells.

Das Motto der achten Generation, die noch dieses Jahr auf den Markt kommt, lautet „Infotainment und Konnektivität“. Vor allem das Interieur und die Bedienung sollen sich grundlegend ändern. Der Touchscreen wird zehn Zoll breit sein und einem Tablet ähneln. Auffällig: Die Bedienung des neuen Golfs wird eine sehr deutliche grafische Komponente haben: Auf dem Bildschirm ist ein Auto dargestellt, tippt man vor den Bug in den Radarkegel, wechselt man sofort in das Untermenü des Tempomaten. Knöpfe und Schalter werden möglichst aus dem Cockpit verbannt. Allerdings wird es definitiv noch ein paar Direktwahltasten geben und bei den kleineren Infotainment-Varianten, die zum Beispiel einen 8,25 Zoll Bildschirm haben, werden auch Drehregler zu finden sein.

Bedienoberfläche mit App-Kacheln

Das sind gute Nachrichten für die klassischen Golfkunden, die nicht zwingend zu den „Digital Natives“ gehören und sich eher bei klassischen Bedienkonzepten heimisch fühlen. Für die Generation Smartphone bietet der wichtigste aller VWs dagegen eine umfangreiche Spielwiese. Die Bedienoberfläche besteht, wie bei einem aktuellen Handy, aus kachelförmigen Apps, die nach Gusto hin und her geschoben werden können. Auch die Instrumente sind digital und konfigurierbar. Software-Updates passieren online, sodass der Golffahrer immer die aktuellste Version hat. Das Profil des Fahrers kann über das Smartphone in einen anderen Golf mitgenommen werden.

Der Golf 8 wird einige neue Features haben. Darunter einen digitalen Schlüssel, ein Head-up-Display, das die Windschutzscheibe nutzt, verbesserte autonome Fahrfunktionen (Travel Assist 2.0) mit einem vorausschauenden Tempomaten und Shift-by-Wire. Also eine digitale Automatik, bei der der Hebel nicht mehr mechanisch einrasten muss und die Gänge digital gewechselt werden. Das wirkt sich positiv auf den Parkassistenten aus, der nun selbstständig rangiert, ohne dass der Fahrer eingreifen und vom Rückwärts- in den Vorwärtsgang wechseln muss.

Dass diese neuen Funktionen nicht ohne Eingriffe in die Elektronikarchitektur über die Bühne gehen, ist klar. Noch deutlicher wird der Aufwand, wenn man sich den Programmieraufwand vor Augen führt. Hatte ein Auto im Jahr 2010 noch rund zehn Millionen Software-Codezeilen, sind es beim aktuellen Golf 100 Millionen. Alleine beim aktuellen Infotainment sind es zwölf Millionen Codezeilen. Jeder, der ein Smartphone oder einen Computer hat, weiß, dass nicht alle Programme stets klaglos funktionieren. Manchmal hängt das Betriebssystem, ein anderes Mal streikt der Druckertreiber.

Viele Analysen laufen automatisiert ab

Im Prinzip ist das beim Golf 8 nichts anderes. Deswegen arbeiten in der Elektronik-Entwicklung rund 1.500 Ingenieure und Techniker daran, diese Fehler auszumerzen. Doch eine neue Software-Architektur serienreif zu machen ist auch für diese Menge an Experten zu viel Arbeit. Also laufen viele Analysen automatisiert ab. Alle elektronischen Systeme des Golfs sind in einem Labor installiert. Per Software-Simulation werden jede Nacht Fahrten und Betriebszustände simuliert: Zum Beispiel fährt der Fensterheber bei Tempo 100 nach oben. Melden die Sensoren einen Fehler, wird ein sogenanntes Ticket erstellt und ein Ingenieur nimmt sich dem Problem an. Bei der Markteinführung Ende des Jahres muss alles klappen – vor allem im sicherheitsrelevanten Bereich.

„Wir sind im Plan“, stellt Frank Welsch fest und widerspricht damit den anderslautenden Berichten. Das Auto soll voll konfigurierbar sein, sobald es bestellbar ist. Zu Beginn bringt VW den Golf 8 mit einem 2.0 TDI Diesel, einem 1.5 TSI Benziner und einem Mildhybrid (ebenfalls mit dem 1.5 TSI). Die Abmessungen werden sich nur marginal ändern – auch der Radstand bleibt identisch zum Golf 7.

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