2013: Erwartungen eines Mehrmarkenhändlers

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Citroën war meine dritte Marke im Portfolio. Leider kann ich diesbezüglich derzeit kein positives Bild zeichnen.

Warum nicht?

Es gibt verschiedene Gründe. Erstens: Der Hersteller steckt selbst in einer Krise. Das nehmen nicht nur die Händler in ganz Europa wahr, sondern auch die Kunden. Zweitens: Der Import hat hierzulande ein Problem. In Deutschland werden ständig die Strukturen verändert und die handelnden Personen ausgetauscht. Bei Citroën gibt es in keinem Bereich Kontinuität. Das ist bei keiner anderen Marke so. Drittens: Der Importeur betreibt eine existenzgefährdende Netzpolitik.

Warum existenzgefährdend?

Als wir vor vielen Jahren mit Citroën angefangen haben, waren wir hier allein auf weiter Flur. Wenn wir uns jetzt in ein Auto setzen, können wir innerhalb von zehn Minuten vier weitere Händler anfahren. Das ist völlig irre und ehrlich gesagt kaum mit Worten zu beschreiben. Da kann man als Händler nicht überleben, man hat keine Chance.

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Aber die neuen Autos passen doch?

Das ist genau der Grund, warum es so traurig ist. Citroën baut sehr vernünftige Autos. Mit der DS-Reihe haben wir super Produkte im Angebot. Die Fahrzeuge sind sehr emotional und technisch einwandfrei. Um erfolgreich zu werden, müsste Citroën jetzt allerdings dringend etwas an sich selbst und am Vertriebsnetz ändern.

Was?

Citroën müsste den Zuschnitt des Händlernetzes dringend auf den Prüfstand stellen. Als Händler investiere ich doch nicht in eine Marke, die ein so ein enges Händlernetz zulässt. Eine solche Investition rechnet sich weder für mich noch für meine Händlerkollegen. Das wäre ökonomischer Unfug!

Kennt Citroën diese Forderungen?

Wir haben schon vor vielen Monaten mit Citroën auf höchster Ebene darüber gesprochen. Aber anstatt uns die zugesagte Antwort zukommen zu lassen, wurde jeglicher Kontakt zu uns abgebrochen.

Haben Sie sich vielleicht im Berliner Ton vergriffen?

Ich habe gefragt, ob Kritik erwünscht ist. Da Kritik erwünscht war, habe ich kritisiert. Ich habe nichts gesagt, was ich bereue oder was ich nicht noch einmal sagen würde. Seitdem spricht niemand mehr mit mir. Es reagiert niemand mehr auf Briefe, es reagiert niemand mehr auf Mails. Die Kommunikation ist gleich null.

Trifft das auch auf Händlerkollegen zu?

Das weiß ich nicht. Ich jedenfalls habe so etwas in meiner ganzen Laufbahn noch nicht erlebt. Wir haben bis heute keine Nachricht auf die Frage, wie sich der Importeur den Berliner Markt vorstellt. Sehen Sie das bitte nicht als Frust, für mich ist das Ganze einfach nur eine Feststellung.

Denken Sie darüber nach, Citroën aus Ihrem Angebot zu streichen?

Ja, ich denke drüber nach, zumindest für den Vertrieb. Denn hier schreiben wir rote Zahlen. Aber auch darüber muss man ja sprechen. Vielleicht reagiert ja jemand auf dieses Angebot.

Wie viele Citroën haben Sie 2012 verkauft?

Rund 200. Aber nur mithilfe eines angeschlossenen Partners, der heute Mieter in meinem Gebäude ist und früher ein starker selbstständiger Citroën-Händler war. Unser Plan sah ursprünglich weitere 200 verkaufte Neuwagen vor.

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