2013: Erwartungen eines Mehrmarkenhändlers

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Apropos rote Zahlen: Wie zufrieden sind Sie mit dem 2012er-Geschäftsverlauf?

Bis September lag unsere Autohausgruppe insgesamt im Plan. Dann hat der Auftragsvorlauf rapide abgenommen, seitdem stagnierte das Geschäft. Betrachtet man jedoch die einzelnen Marken, sind die Ausschläge nach oben und unten sehr unterschiedlich. Das gilt auf der Seite der Privatkunden ebenso wie bei den gewerblichen Kunden.

Gilt das auch für das Gebrauchtwagengeschäft?

Ja, jedoch war der Einbruch nicht ganz so stark. Auf das Jahr betrachtet hatten wir eine gutes Gebrauchtwagengeschäft.

Und wie verlief das Servicegeschäft?

Aufgrund des rückläufigen Verkaufsvolumens nimmt das Servicegeschäft bei Mazda natürlich auch ab. Das haben wir jedoch eingeplant. Schließlich verkaufen wir heute noch 1.000 Mazdas, früher waren es einmal 2.400. Außerdem war Mazda 2009 kein Gewinner der Umweltprämie, was sich heute beim Servicegeschäft negativ bemerkbar macht. Erfreulicherweise kompensiert Skoda diese Entwicklung im Service. Aber unterm Strich ist das Servicegeschäft bei uns rückläufig, 2012 liegt es soeben noch im Plan.

Apropos Plan: 2008/2009 befand sich Ihre Autohausgruppe in einer schweren Krise. Haben Sie den Turnaround hinbekommen?

Die Krise ist mittlerweile Geschichte. Aber das Unternehmen hatte viele schwierige Aufgaben zu lösen. Leider mussten wir auch Personal abbauen. Vor der Krise waren wir über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, heute zählt das Unternehmen nur noch 250 .

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Wie kann ein Unternehmen einen derartigen Einschnitt überhaupt bewältigen?

Wir haben alles auf den Prüfstand gestellt, die Unternehmensfinanzierung komplett umgestellt, sämtliche Unternehmensstrukturen verschlankt. Heute sind wir nicht nur viel effektiver, sondern auch viel gesünder als vor der Krise.

Haben Sie das alles allein durchgezogen?

Wir haben uns punktuell beraten lassen. Ich bin weder beratungsresistent noch als Alleinherrscher unterwegs und ich habe ein tolles Team.

Das heißt, Ihr Unternehmen ist heute wieder in der Lage, zu investieren?

Meine persönliche Marschrichtung lautet: Nur regionales Wachstum durch gezielte Investitionen stärkt unsere Autohausgruppe.

Was heißt das konkret?

Regionales Wachstum passt zu mir. Mir reichen Berlin und Brandenburg, ich möchte nicht überregional wachsen, keine neuen Unternehmensstrukturen aufbauen oder gar im Ausland investieren.

Könnten weitere Fabrikate hinzukommen?

Ja. Schließlich ist Stillstand gleich Rückschritt. Deshalb werden wir dort wachsen, wo es der Gruppe hilft. Das kann mit bestehenden Fabrikaten geschehen, es können aber auch neue Marke hinzukommen. Letztendlich gilt es bei allen Entscheidungen, Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen. Das habe ich den letzten 20 Jahren gemacht, das werde ich auch in den nächsten Jahren tun.

Welche Rolle wird Ihter Meinung nach die Elektromobilität in Berlin spielen?

Wenn überhaupt wird sich Elektromobilität in Städten wie Berlin am ehesten durchsetzen. Trotzdem halte ich das Niveau für nicht sehr hoch. Was da in manchen Medien geschrieben wird, ist absoluter Quatsch. Kurzfristig wird es speziell bei den Privatkunden kaum einen Markt für Elektroautos geben. Und das Geschäft mit den gewerblichen Zielgruppen machen die Hersteller mehrheitlich.

Stichwort Zielgruppen: Welche Rolle spielt das Internet heute und künftig für Ihre Autohausgruppe?

Das Internet ist eine starke Quelle, die wir intensiv nutzen. Nur so erreichen wir die 30- bis 40-jährigen Autointeressierten. Unsere Stammkunden hingegen müssen wir anders adressieren. Aber in Sachen Neukunden kommt man nicht am Internet vorbei.

Gilt das auch für Facebook, Twitter und Co.?

Social Media spielt für mich eine untergeordnete Rolle. Wir sind natürlich überall dabei, aber Autos über Facebook zu verkaufen, ist nicht unser vordergründiges Ziel.

Schlussfrage: Was erwartet die Branche 2013?

Ich denke, dass 2013 im Neuwagenbereich ein sehr schwieriges Jahr für das Kfz-Gewerbe wird. Das liegt beileibe nicht nur an unserer Branche, sondern vor allem an den politischen Geschehnissen auf der Welt. Das Servicegeschäft sowie das Gebrauchtwagengeschäft werden sicher auch nicht einfacher, beide Bereiche werden jedoch stabile Säulen bleiben.

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