50 Jahre Alpine A 110

Von Steffen Dominsky

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Die Alpine A 110 zählt zu den Automobillegenden Frankreichs. 2012 wird „le Turbot“ („der Plattfisch“) 50 Jahre alt. Mit dem Namen A 110 verbinden sich vor allem große Rallye-Triumphe. Das Erfolgsrezept: konsequenter Minimalismus und kompromisslose Sportlichkeit.

Bereits ein halbes Jahrhundert alt: Die legendäre Alpine A 110.(Foto:  Renault)
Bereits ein halbes Jahrhundert alt: Die legendäre Alpine A 110.
(Foto: Renault)

Oktober 1962: Auf dem Pariser „Salon de l’Automobile“ herrscht Premierenfieber. Die Autowelt trifft sich erstmals nicht mehr im historischen Grand Palais, sondern in den Ausstellungshallen an der Porte de Versailles zur großen Herbstmesse. Ausgerechnet die kleine Sportwagenmanufaktur Alpine stiehlt hier so manchem großen Hersteller die Schau, denn auf ihrem Stand ist ein Fahrzeug zu sehen, das direkt von der Rennstrecke zu kommen scheint. Sein Name: A 110 Berlinette „Tour de France“.

Mit 1,13 Meter Höhe reicht der Neuling den meisten Betrachtern gerade einmal bis zur Hüfte. Die aerodynamisch geformte Frontpartie mit Scheinwerfern hinter Plexiglasabdeckungen, die flache Windschutzscheibe, die niedrigen Seitenfenster und die sanft abfallende Heckpartie lassen keinen Zweifel am Wesen des gerade einmal 3,85 Meter langen Zweisitzers aufkommen. Das Kampfgewicht von 575 Kilogramm auch nicht. Der Name des A-110-Schöpfers steht ebenfalls für kompromisslose Sportlichkeit: Jean Rédélé.

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Erschwingliche Sportwagen auf Renault-Basis

Rédélé, ein Renault-Händler und Rallye-Pilot aus Dieppe an der Kanalküste, baut seit 1955 in seiner Heimatstadt Sportwagen auf Renault-Basis. Zur Erinnerung an seinen Sieg beim Coupe des Alpes 1954 auf einem Renault 4 CV 1063 gibt er ihnen den Markennamen „Alpine“. Der Name wird dank ausgezeichneter Erfolge bei Rallyes und Langstreckenrennen schnell zum Inbegriff für automobilen Sportsgeist à la française und steht für ein geniales Konzept: Alpine-Modelle sind keine Hochpreis-Exoten, sondern Sportwagen für jedermann, aus bewährten Renault-Komponenten zusammengesetzt. Deshalb lassen sie sich in jeder Renault-Werkstatt warten.

Die Alpine-Wettbewerbsversionen unterscheiden sich von den zivilen Varianten in erster Linie durch das getunte Triebwerk. Die Optik ist identisch. Dies gibt jedem Kunden das Gefühl, in einem potenziellen Rennwagen zu sitzen.

Schnelle Schwestern von Renault 4 CV und Dauphine

Als erstes Modell aus eigener Fertigung bringt Rédélé 1955 das kleine, leichte Sportcoupé A 106 auf Basis des Renault 4 CV heraus. Die Typbezeichnung bezieht sich auf die Baureihen-Chiffre des Triebwerks (1060er-Serie). Auch bei den folgenden Modellreihen folgt Rédélés Firma – zumeist – dieser Linie. Der Einbau des Triebwerks im Heck bietet handfeste Traktionsvorteile auch auf unbefestigten Straßen. Mit der A 106 startet bei dem Kleinserienhersteller von der Kanalküste auch die Tradition der Kunststoffkarosserie, kombiniert mit einem Plattform- oder Zentralrohrrahmen. 1958 führt die Sportwagenschmiede aus Dieppe den Typ A 108 ein, zunächst als Cabriolet, ab 1959 auch als Variante mit festem Hardtop. Die Basis bietet der Renault Dauphine. Im September 1960 erscheint bei der Tour de France Automobile die Berlinette A 108. Das flache Heckmotor-Coupé nimmt in Grundzügen bereits die Form der legendären A 110 vorweg und bietet mit seinem niedrigen Gewicht von gerade einmal 530 Kilogramm beste Voraussetzungen für den Renn- und Rallyeeinsatz. Die A 108 erfüllt mit zahlreichen Siegen und Podiumsplatzierungen voll und ganz die Erwartungen ihrer Schöpfer, sodass bei Erscheinen der A 110 der Name Alpine bereits weit über die Fachwelt hinaus bekannt ist. Da im Zusammenhang mit den Sporterfolgen stets auch der Name Renault fällt, steht die Leitung des Automobilherstellers aus Billancourt den Aktivitäten Rédélés durchaus wohlwollend gegenüber.

Kleiner Motor, großer Fahrspaß

Für die A 110 hat das Team von Jean Rédélé die gelungene Form der Berlinette A 108 mit viel Feingefühl überarbeitet. Wieder steht die Ziffernfolge für einen neuen Motor: die 956-Kubikzentimeter-Maschine des Renault 8, der im Juni 1962 sein Debüt gefeiert hat. Dank seiner fünf- statt dreifach gelagerten Kurbelwelle bietet das längs eingebaute Vierzylinderaggregat noch bessere Tuning-Möglichkeiten als die technisch ausgereizten Vorläufer aus 4 CV und Dauphine. Statt 44 PS wie im R 8 leistet das Triebwerk in der A 110 anfangs 52 PS und beschleunigt die französische Flunder auf 170 km/h – ein Wert, der Anfang der 1960er-Jahre selbst in der automobilen Oberklasse eine Ausnahme ist.

Seine Kraft überträgt der kleine Vierzylinder über ein Viergang-Schaltgetriebe an die Hinterräder. Gegen Aufpreis ist auch eine Fünfgang-Box erhältlich. Da der Kühler des Renault-8-Motors nicht mehr vor, sondern hinter dem Triebwerk sitzt, werden die seitlichen Lufteinlässe des Vorgängers A 108 überflüssig. Die Konturen bleiben jedoch als dekorative Sicken im Kunststoffkleid erhalten. Seine Atemluft bezieht das Triebwerk über Ansaugöffnungen rechts und links neben der Motorhaube.

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