50 Jahre Opel Commodore – Respektlose 6-Bombe

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Zu diesen Rivalen zählten übrigens eigentlich auch die Kölner Ford 20M und 26M, die allerdings bis auf die raren RS-Versionen mehr auf Komfort als auf Tempo setzten und dies durch üppige Karosserieformate betonten. Tatsächlich war der nur 4,57 Meter messende Commodore gut 15 Zentimeter kürzer als die Konkurrenz und mit 1.130 Kilogramm leichtgewichtig. Trotzdem betrugen die Testverbrauchswerte zwischen 12 und 20 Liter je 100 Kilometer, was aber damals für Wagen der 95- bis 150-PS-Liga als günstig bewertet wurde.

Übrigens blieb der Basis-Commodore 2200 mit 70 kW/95 PS eine Rarität. Nur gut 1.300 Käufer wählten den Knauser-Sechszylinder für ihren Businessliner, der auch in einer weiteren Hinsicht überraschte: Im Unterschied zum Rekord mit gleicher Rohkarosserie wurde der Commodore kaum als zweitürige Limousine ausgeliefert. Diese sorgte erst ab 1970 mit breiten Backen, tiefer gelegtem Rennfahrwerk und 3,0-Liter-Sechszylinder für Furore. Besonders die von Steinmetz getunten und auffällig lackierten Commodore wurden von Porsche-Piloten als „Gelbe Gefahr“ gefürchtet. Und bei der Rallye Monte Carlo gewann Marie-Claude Beaumont auf einem Gruppe-1-Commodore 1970 sogar den Coupe des Dames.

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Ganz im Gegensatz dazu wurden die Sechszylinder-Opel bewegt, die mit einem der ersten speziell für europäische Fahrgewohnheiten konstruierten Dreigang-Automaten ausgeliefert wurden. Diese Automatik ersetzte 1968 das bis dahin verwendete Chevrolet-Powerglide-Getriebe und machte den Commodore zu einem kommoden Auto, das laut zeitgenössischer Fachpresse auch in der Agilität kaum Wünsche offenließ – obwohl der Drehmomentwandler zwei Liter Mehrverbrauch einforderte.

Mit 33.000 Zulassungen allein in Deutschland erreichte der Commodore 1970 den Zenit seiner Karriere. In der 2,5-Liter-Klasse verkaufte sich nur der Mercedes 250 besser, Erzrivale Ford dagegen kam mit seinen 2,6-Liter-Typen 20 M/26 M nicht einmal auf 10.000 Einheiten. Noch weniger Liebhaber fand nur der 1967 noch als Wankel-Wunderwagen gefeierte NSU Ro 80. In Vergleichstests fuhr der avantgardistische Ro 80 dem Opel zwar regelmäßig davon, in den Verkaufsräumen aber blieb er ein Ladenhüter. Diese undankbare Rolle fiel dem Commodore erst in seiner dritten und letzten Generation zu, die sich ab 1978 in der zu kleinen Nische zwischen Rekord E und Senator A zurechtfinden musste. Zuvor aber zeigte der Commodore B zwischen 1972 und 1977 noch einmal, was geht, wenn 200-km/h-Flitzer zu Discount-Tarifen verkauft werden. Rund 141.000 Coupés und viertürige Limousinen fanden damals Fans, die Spaß daran hatten, ihr 13.000-Mark-Fahrzeug an gleichstarken Wettbewerbern der 20.000-Mark-Preisregion zu messen.

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