80 Jahre Jaguar

Autor / Redakteur: sp-x / Christopher Kampfmann

Legendäre Modelle wie der XK120 gehören ebenso zur Geschichte der Marke Jaguar wie herbe Rückschläge. Eine Hommage an die fauchenden Sportler.

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Der Erfinder der Marke: Sir William Lyons hier mit einem Jaguar E-Type
Der Erfinder der Marke: Sir William Lyons hier mit einem Jaguar E-Type
(Foto: Jaguar)

Die am 21. September 1935 im feinen Londoner Mayfair-Hotel vorgestellten Modelle SS Jaguar 2.5 Saloon und Tourer erhielten den Namenszusatz Jaguar. So wie auch der legendäre Roadster SS 100. Bis die Modellbezeichnung Jaguar zur Marke mutierte, dauerte es allerdings noch zehn Jahre: Erst mit Vorstellung der Nachkriegsneuheiten Jaguar 1.5-, 2.5- und 3.5-Litre verschwand das Kürzel SS, unter dem William Lyons – damals noch mit Partner Bill Walmsley – schon 1931 die Fertigung eigenständiger Automobile begonnen hatte.

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Mit dem Markenmotto „Value for money“, sinnbildlich für erschwinglichen Luxus, gelang Jaguar der Einstieg in die Eliteliga prestigeträchtiger Marken. War es vor dem Zweiten Weltkrieg der SS Jaguar 100, der trotz neuartiger Aluminiumkarosserie weniger als die Hälfte kostete als die Konkurrenten von Alfa Romeo oder Aston Martin, gelang Jaguar 1948 mit dem konkurrenzlos schnellen XK 120 die Auto-Sensation der Jahre des Wiederaufbaus. 120 mph (192 km/h) erreichte der futuristisch geformte Fast-and-Furious-Star, bei Versuchsfahrten maßen die Stoppuhren sogar 212 km/h. Genug Tempo für den Sprung über den großen Teich nach Nordamerika, wo der bezahlbare Jaguar einen Bestell-Boom auslöste.

Die 1968 enthüllte XJ-Limousine betrachteten manche Fachleute sogar als ebenbürtigen Rivalen des Rolls-Royce Silver Shadow. Mit E-Type und XJ im Köcher überstand die Katzenmarke die stürmische Zeit des Fusionswirrwarrs und der Verstaatlichungen. Jaguar fusionierte mit der British Motor Corporation zur British Motor Holding BMH und die BMH wiederum mit Leyland zum fast 20 Marken umfassenden Moloch British Leyland Motor Corporation. Das war aber erst der Anfang für noch bitterere Zeiten. Die 1970er Jahre zwischen den Ölkrisen ließen die Verkaufszahlen auf 15.000 Einheiten pro anno abstürzen. Die Ursachen: zu durstige V12, massive Qualitätsprobleme, mangelnde Motorsporterfolge fürs Image und kein Nachfolger für den XJ. Große Aufgaben, die aber ab 1980 unter dem strengen Regime des neuen Chefs John Egan gelöst wurden. Die folgende Fusion mit Ford feierte Jaguar wieder mit einem Erfolgsfeuerwerk.

Für Ford reichte dies alles aber noch nicht, denn Jaguar sollte die weltweit absatzstärkste Luxusmarke werden. Ein Ziel, das trotz neuer Generationen der XJ-Reihe und V8-Sportlern wie dem XK8 verfehlt wurde. Immerhin gelang es den Briten 2001, die Produktionsmarke von 100.000 Einheiten pro Jahr zu überschreiten. Dazu beigetragen hatten der 1998 lancierte S-Type im Retrodesign früherer MK-Limousinen und ein brandneuer Baby-Jaguar namens X-Type. Zum Verhängnis wurde dem X-Type jedoch seine Abstammung vom Ford Mondeo – zu bürgerlich für einen Autobauer, der sich zu den Besten der Welt zählt. Trotz allem wurde die kleinste Katze mit über 350.000 Einheiten zum erfolgreichsten Jaguar aller Zeiten.

Der entscheidende Sprung in eine ertragreiche Zukunft auf den weltweit wichtigsten Luxusmärkten in Amerika und Asien gelang nach der Trennung von Ford. Ausgerechnet der indische Tata-Konzern aus der früheren britischen Kronkolonie wurde neuer Jaguar-Eigentümer und brachte die kapriziösen Katzen auf Kurs mit neuen Modellen und Formen. Mit Feingespür vermeiden die Inder Fehltritte, wie sie noch unter Ford für Verwirrung sorgten. Stattdessen vermitteln die jüngsten Jaguar eine stilistische Neuausrichtung, die beim XF von 2008 noch verblüffte, beim F-Type von 2013 aber bereits spontanen Beifall fand.

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