Alles schon mal da gewesen – Teil 1

Rund um Reifen

| Autor: Steffen Dominsky

Geschichte wiederholt nicht, Reifenprofile aber scheinbar schon: der Michelin Crossclimate von 2015 (li.) und der Dunlop M+S von 1956.
Geschichte wiederholt nicht, Reifenprofile aber scheinbar schon: der Michelin Crossclimate von 2015 (li.) und der Dunlop M+S von 1956. (Bild: Dunlop/Michelin)

Immer mehr lehren sie den Aftermarket das Fürchten: Ganzjahresreifen. Verständlich, schließlich reduzieren sie den Bedarf einer saisonalen Bereifung ganz erheblich. Neben dem zusätzlichen Verkauf eines zweiten Satzes Reifen und Felgen (und Radsensoren) entfällt aus Servicesicht vor allem der Räderwechsel und damit neben dem Kontakt auch die Möglichkeit, diese oder jene Zusatzarbeit zu generieren.

Auch wenn der Markt für Ganzjahresreifen erst in den letzten Jahren so wirklich entstanden ist, gibt es diesen Reifentyp schon etwas länger: 1977 stellte Goodyear mit dem Tiempo den ersten vermeintlich „echten“ Ganzjahresreifen vor (hier ein altes Werbevideo).

Einer der ersten Kunden, der hierzulande auf den Vector von Goodyear setzte, war die Bundespost. Die Rotstiftler im Staatsbetrieb hatten die Kostenvorteile einer ganzjährigen Bereifung frühzeitig erkannt. Doch bereits viele Jahre zuvor, Mitte der Sechziger, sprach Michelin in Form seines bekannten Stahlgürtelreifens vom Typ X von einem Ganzjahresreifen, und auch Mitbewerber Firestone/Phoenix signalisierte in seiner Werbung, Autofahrer würden sich bei der Montage eines P 110 Sommer- und separate Winterreifen sparen. Zugegeben: Auch wenn die Wintereigenschaften dieser eindeutig als Sommerreifen zu klassifizierenden Pneus bescheiden gewesen sein mögen: Der Begriff, den wir für eine ziemlich neuzeitliche Erfindung halten, war schon vor mehr als einem halben Jahrhundert geboren.

Und wenn wir schon beim Thema Reifen sind: Vergleichen Sie doch einmal die beiden Reifen auf dem obenstehenden Bild. Irgendwie gewinnt man beim Anblick des „taufrischen“ Michelin-Ganzjahresreifens Crossclimate (li.) doch den Eindruck, in Sachen Profil haben die Michelin-Ingenieure irgendwie abgekupfert. Vor sage und schreibe mehr als 60 Jahren bot Dunlop einen M&S-Winterreifen an, dessen Profil dem des Michelin zum Verwechseln ähnlich sieht – oder nicht (siehe Bildergalerie)? Generell frage ich mich bei Reifen immer wieder, wie es sein kann, dass parallel völlig neue Profile entwickelt werden – dass es also hier, anders als anderswo, nicht das Profil-Ei des Kolumbus gibt, grob zumindest. Aber das ist natürlich ein ganz anderes Thema.

Und was haben Sie zu berichten, nach dem Motto „Alles schon mal da gewesen“? Schreiben Sie mir: steffen.dominsky@vogel.de (gerne mit entsprechendem Bild).

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