Alles schon mal da gewesen – Teil 2

Rund um Blinkassistenten

| Autor: Steffen Dominsky

Warnblinkassistenten, die bei einem Unfall automatisch auslösen, gab es schon vor mehr als 50 Jahren.
Warnblinkassistenten, die bei einem Unfall automatisch auslösen, gab es schon vor mehr als 50 Jahren. (Bild: Gute Fahrt)

„Sehen und gesehen werden“ lautet eine in Automobilkreisen nur allzu bekannte Forderung. Verständlich, schließlich ist sie wichtig für alle Verkehrsteilnehmer: Sowohl für die, die am fließenden Verkehr teilnehmen, als natürlich auch für die, die von ihm betroffen sind, also Fußgänger etc. Gerade für die, aber auch für Radfahrer ist es sprichwörtlich überlebenswichtig, zu erfahren, ob zum Beispiel ein Auto abbiegt und damit ihren Weg kreuzt oder nicht. Deshalb verfügt das Gros der Fahrzeuge über einen sogenannten Fahrtrichtungsanzeiger – einen pro Seite an der Front und Heck. Für Pkws gilt das seit 1957.

Doch fast alle Pkws verfügen heute zusätzlich über einen Seitenblinker im Außenspiegel. Die kamen vor einigen Jahren auf und sind deshalb eine ziemlich neue Erfindung – möchte man meinen! Dass dem nicht so ist, zeigt das Beispiel der Firma Talbot aus Berlin, ein bis heute noch sehr bekannter, aber längst verblichener Hersteller von Spiegeln. Genau diese Firma präsentierte 1967 ihren Blispi 300. Der Name steht für Blink-Spiegel und ist genau das, was wir heute auch unter einem Außenspiegel erwarten. Eine Kombination, die nicht nur den Blick nach hinten gewährt, sondern eben auch ein Blinklicht beherbergt.

Der „Bonanza“ von Fiberfab war eines von zahlreichen Kit-Cars auf Käferbasis in den Sechzigern bzw. Siebzigern. Er war mit den „Blispi 300“, den Blinkspiegeln von Talbot, ausgestattet.
Der „Bonanza“ von Fiberfab war eines von zahlreichen Kit-Cars auf Käferbasis in den Sechzigern bzw. Siebzigern. Er war mit den „Blispi 300“, den Blinkspiegeln von Talbot, ausgestattet. (Bild: Archiv Automobil Revue)

Talbot präsentierte den Blispi in erster Linie als Zubehör. Einer Verbreitung des sinnvollen Produkts stand aber offenbar der Preis von 78 Mark für das Paar sowie mangelndes Verständnis für seine Notwendigkeit gegenüber. Ein Kleinstserieneinsatz ergab sich lediglich in Form des Kit-Cars Bonanza GT der Firma Fiberfab aus Ditzingen bei Stuttgart (heute Ilsfeld). Hier diente der Blispi allerdings in Kombination, also als alleinige vordere und seitliche Blinkeinrichtung. Zu größeren Stückzahlen und Ruhm brachte es der Blispi übrigens im Zweiradbereich, genauer gesagt bei Behörden-Mopeds und -Rollern.

Achtung Unfall!

Apropos Blinken: Das tun heutzutage die Fahrtrichtungsanzeiger moderner Automobile nicht nur dann, wenn der Fahrer sie aktiv betätigt. Nein. Erleidet der Wagen einen Unfall, so wird automatisch die Warnblinkfunktion ausgelöst. „Klar, die moderne Computertechnologie macht’s möglich“, denken jetzt vermutlich die meisten. Doch weit gefehlt! Dafür benötigt man keineswegs die gigantischen Rechnerleistungen moderner Automobile. Bereits Mitte der sechziger Jahre präsentierten Zubehörfirmen und Elektrospezialisten automatische Warnblinkfunktionen zum Nachrüsten. Ab einer Aufprallgeschwindigkeit von circa 10 km/h lösten sie aus und ließen alle vier Blinker eines Fahrzeugs blinken.

Einfache Technik, die funktioniert: Den Warnblinkassistenten von Jokon (li.) bzw. den Warnblinkschalter von König mit integrierter „Crash-Funktion“ gab es bereits in den sechziger Jahren.
Einfache Technik, die funktioniert: Den Warnblinkassistenten von Jokon (li.) bzw. den Warnblinkschalter von König mit integrierter „Crash-Funktion“ gab es bereits in den sechziger Jahren. (Bild: Gute Fahrt)

Statt Bits und Bytes beziehungsweise Beschleunigungssensoren sorgten einfache Fliehgewichte für die entsprechende Information bzw. den Auslöseimpuls – simpel, aber wirkungsvoll. Erhältlich waren diese Warnblink-Stoßschalter entweder als separate Nachrüsteinheit (z. B. von der Firma Jokon) oder aber als Kombination aus Warnblinkschalter und ebendiesen (z. B. von der Firma König). Letztere mussten später in vielen Fahrzeugen nachgerüstet werden, da diese ab Werk über keine Warnblinkfunktion verfügten.

Und was haben Sie zu berichten, nach dem Motto „Alles schon mal da gewesen“? Schreiben Sie mir: steffen.dominsky@vogel.de (gerne mit Bild).

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