Auf Tour mit dem Willys MB

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Standard-Oldtimer kann jeder. Also haben wir uns mal in einen Willys MB gesetzt, den Vorläufer des klassischen Jeeps. Spartanischer kann man kaum unterwegs sein.

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Eine Ausfahrt in einem Willys MB ist anders als in anderen Oldtimern.
Eine Ausfahrt in einem Willys MB ist anders als in anderen Oldtimern.
(Foto: Jeep)

Eine Oldtimer-Veranstaltung ist eine schöne Sache, und noch schöner, wenn das Wetter mitspielt. Falls es aber doch einmal regnet – was soll´s. Wozu sind Autos geschlossen und bieten sicheren Schutz? Aber, Trugschluss. Wenn man im siebzigjährigen Willys unterwegs ist, liegen die Dinge anders.

Dann macht man sich schon Gedanken, ob Petrus gut gelaunt sein wird. Der Geländegänger, dessen Hersteller Willys-Overland die Vorläufermarke von Jeep ist, hat keine Türen. Und er hat keinen elektrischen Scheibenwischer. Und auch keine Heizung. Und – nebenbei erwähnt – keinen Bremskraftverstärker. Nicht einmal einen vierten Gang. Und die Sitze? Eine Metallablage mit knapp gepolstertem Kissen.

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Was hat die Kunden bewegt, ein solches Fahrzeug zu kaufen? Gar nichts, denn den Willys MB konnte man nicht kaufen, er war ein rein militärisches Fahrzeug, für das die US-Armee einen Entwicklungsauftrag ausgeschrieben hatte. Der Wagen musste robust, kompakt und vor allem offroadfähig sein. Willys, eine Marke, die bereits vor dem ersten Weltkrieg Autos baute, bekam den Zuschlag und setzte die Forderungen des Lastenhefts durchaus gewissenhaft um: 1942 fuhren die ersten Willys MB, meist durch das kriegsgebeutelte Europa.

Mit diesem Auto also (unser Exemplar stammt aus dem Jahr 1944) sollen wir im Rahmen einer Oldtimer-Rallye mehr als 700 Kilometer durch das nordöstliche Deutschland und Polen reisen. Das klingt – sagen wir mal - spannend. Bereits der Einstieg in die kompakte Fuhre stellt einen kleinen sportlichen Akt dar, aber letztlich sitzt man recht ordentlich. Bitte keine zu hohen Erwartungen an das Mobiliar, dann steht die Gesichtsmimik auch nach einer 200-Kilometer-Etappe noch auf halbwegs freundlich. Gegen die fehlende Heizung hilft warme Witterung oder wärmende Kleidung, da sollte man aber natürlich vorher dran denken.

Aber sonst? Mit dem Auto lässt sich spielend umgehen, da dürften sogar ungeübte Fahrer wenig Probleme haben. Klar, der erste Gang ist nicht synchronisiert, die anderen beiden aber schon. Beim Herunterschalten ist etwas Feingefühl angesagt, dann klappt es ganz ohne mechanische Reibereien. Zur Not kann man auch mal im zweiten Gang anfahren, denn der ausgesprochen langhubige Vierzylinder ist ein kleines Drehmoment-Biest und setzt schon knapp über Standgas-Drehzahl ansehnliche Kräfte frei.

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