Durchstarten 2021 „Aufgeben ist keine Alternative“

Autor / Redakteur: Wolfgang Michel / Viktoria Hahn

Nach 50 Jahren Partnerschaft wollte Mercedes nicht mehr, dass das Autohaus Oppel Neuwagen der Marke mit dem Stern verkauft. Statt sich von größeren Fischen schlucken zu lassen, fängt Geschäftsführerin Susanne Oppel mit anderen Marken noch mal neu an.

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Susanne Oppel, Geschäftsführerin des Autohauses Oppel.
Susanne Oppel, Geschäftsführerin des Autohauses Oppel.
(Bild: Autohaus Oppel)

Redaktion: Wie würden Sie das allgemeine Stimmungsbild in Ihrem Unternehmen beschreiben?

Susanne Oppel: Da man sich kaum mehr auf die Planung und Durchführung von Projekten konzentrieren kann, hat sich meine persönliche Anspannung seit Beginn der Covid-19-Thematik deutlich erhöht. Um rasch reagieren zu können, muss man wesentlich flexibler mit Zahlen, Daten und Fakten umgehen. Die Unwägbarkeiten haben stark zugenommen. In der Folge gerät dann auch eine ansonsten noch so positive Grundeinstellung unter Druck.

Welche Weichen müssen jetzt gestellt werden, damit Ihr Unternehmen die Schatten der Krise abschütteln kann?

Wir müssen uns in allen Bereichen des Autohauses auf eine höhere Digitalisierung der Kund*innen vorbereiten. Nur so können wir positive Erlebnisse und Kundenkontakte schaffen. Die Prozesse müssen einheitlich und schlank ausgeführt sein, damit die Kosten nicht davonlaufen. Vor allem müssen wir aber unsere Belegschaft auf den digitalen Weg mitnehmen.

Welche Probleme/Herausforderungen traten/treten in Ihrem Unternehmen während der Covid-19-Krise auf?

Durch die neue Situation mit weniger Arbeit und Einführung von Kurzarbeit herrschte eine große Verunsicherung in der Belegschaft. Zudem galt es ständig einen Überblick über die laufenden Corona-Unterstützungsmaßnahmen zu behalten, um herausfinden, welche Maßnahmen die richtigen für das eigene Unternehmen sind. Daneben galt und gilt es, die richtigen Umgangsweisen mit den Kund*innen (Begrüßung, Maskenpflicht, Ansprache) dauerhaft umzusetzen. Probefahrten und Verkaufsberatungen mussten plötzlich anders ablaufen beziehungsweise organisiert werden. Und wie alle anderen Unternehmen haben auch wir unsere Präsenzschulungen und Konferenzen auf Video oder Telefonie umgestellt.

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„Zur Person“
Susanne Oppel (45)
  • Geschäftsführende Gesellschafterin der Autohaus-Oppel-Gruppe
  • 2001 bis 2005: Marketingleitung und kaufmännische Leitung im Autohaus Oppel mit Sitz in Ansbach und Aue
  • 1997 bis 1999: Studium an der Bundesfachschule für Betriebswirtschaft im KFZ-Gewerbe (BFC) sowie an der Northwood-University in West Palm Beach, Florida

Wie wirken sich diese Probleme auf Ihre persönliche Arbeit aus? Gibt es positive Aspekte, die Sie für Ihren Arbeitsalltag aus der Covid-19-Krise mitnehmen?

Ich verbringe deutlich mehr Zeit vor dem Computer. Meine positive Grundeinstellung hat sich verändert, und ich fühle mich ständig angespannt. Schließlich gilt es, sehr viele Entscheidungen äußerst kurzfristig zu treffen. Jede Fehlentscheidung kann sehr große negative Auswirkungen haben. Sehr erfreulich ist aber, dass in der Krise der Zusammenhalt der Belegschaft viel größer geworden ist. Die Kurzarbeit haben wir gemeinsam gut gemeistert, und nach sechs bis acht Wochen waren wir wieder alle Vollzeit für unsere Kund*innen da.

Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren, oder werden sich Prozesse/Abläufe/Strategien künftig dauerhaft ändern? Wenn ja, mit welchen Änderungen rechnen Sie?

Ich glaube, wir haben mittlerweile einen gewissen Normalzustand erreicht. Die Kundschaft wird sich durch die Pandemie weiter verändern und grundsätzlich anders mit Kontaktpersonen umgehen. Die Menschen werden auch nach der Pandemie weiterhin sehr viel von zu Hause erledigen. Die Digitalisierung erreicht dadurch ein neues Momentum. Wir müssen aufpassen, dass alle Mitarbeiter*innen mit dieser Entwicklung klarkommen. Diesbezüglich sind reichlich Erklärungen und viel Motivationsgespräche notwendig.

Was haben Sie aus der Krisensituation gelernt? Fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Ich habe gelernt, dass man gemeinsam einige Rückschläge durchstehen kann. Mit guten Gesprächen kann man Beziehungen zu Kund*innen, Mitarbeiter*innen und Lieferanten. Gewappnet fühle ich mich nach 2020 jetzt für die Pandemie, aber Krisen können ja unterschiedlicher Natur sein. Deshalb muss man trotz allem sehr flexibel bleiben und versuchen, auch kurzfristig klare Entscheidungen zu treffen.

Wen würden Sie in dieser turbulenten Zeit als Vorbild Ihrer Branche sehen?

Eine sehr schwierige Frage. Es gibt so viele Händler und Werkstätten, die viele gute Ideen umgesetzt haben. Da kann ich nicht nur ein Vorbild nennen. Ich glaube, Offenheit für neue Ideen, Umsetzungsstärke und eigene Innovationskraft sind sehr wichtig.

Wie sehen Sie aktuell den Personalbedarf, die Lage am Arbeitsmarkt und die Situation der Fachkräfte?

Wir sind im Moment mit unserem Personal gut aufgestellt. Unter anderem haben wir in den letzten Monaten davon profitiert, dass es in anderen Betrieben noch Kurzarbeit gab und wir bereits wieder Vollzeit arbeiteten. Somit konnten wir einige neue Mitarbeiter*innen für uns gewinnen.

Wenn Sie einem/-r Einsteiger*in Ihr Unternehmen schmackhaft machen wollen, wie tun Sie das?

Ob betriebliche Altersvorsorge oder betriebliche Krankenversicherung – wir bieten unseren Mitarbeiter*innen einige finanzielle Anreize. Hinzu kommt, dass wir ein familiengeführtes Unternehmen sind und dass der Mitarbeitende somit keine Nummer ist. Bei uns herrscht zwischen allen Beteiligten ein sehr persönliches Verhältnis. Mit unserer Umstrukturierung 2020/2021 und der neuen Positionierung mit zwölf Fabrikaten haben wir für jede und jeden ein Betätigungsfeld für die jeweiligen Interessen geschaffen. Wir bieten eine hohe Flexibilität bezüglich der Einsatzgebiete. Das gilt sowohl für den Verkauf als auch das Servicegeschäft.

Welche persönlichen Worte möchten Sie Kolleg*innen in Ihrer Branche mit auf den Weg geben?

Aufgeben ist keine Alternative. Wenn man immer offen für verschiedene Lösungswege bleibt, gibt es immer eine Chance. Ein gewisses Selbstbewusstsein ist wichtig, selbst wenn man nur ein kleiner Partner für den Hersteller oder Importeur ist. Bei anderen Marken ist man auf einmal einer der großen Partner. Es kommt immer auf die Perspektive an. Aber das Wichtigste für jedes Unternehmen ist, dass man die Kunden- und Mitarbeiterverbindung dauerhaft sicherstellt. Denn nur dann erhält man in Zukunft überhaupt die Chance, erfolgreich zu bleiben.

Ergänzendes zum Thema
Durchstarten 2021
Gemeinsam aus der Krise

In dieser Interviewreihe geben unsere Leser*innen Einblicke in die Herausforderungen und Chancen der Corona-Pandemie. Sie verraten, was sie aus dem Krisenjahr 2020 gelernt haben. Sämtliche Interviews finden Sie unter www.kfz-betrieb.de/durchstarten.

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Über den Autor

 Wolfgang Michel

Wolfgang Michel

Chefredakteur »kfz-betrieb«