Auto-Check: Opel Insignia OPC Sports Tourer

Autor / Redakteur: Ottmar Holz / Ottmar Holz

Nordschleifenhatz oder Matratzentransport – dieser Spagat überfordert die meisten Autos. Opel nahm die Herausforderung an und schickte den Insignia in die Muckibude. Das Resultat überzeugt – meistens.

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Klassischer „Wolf im Schafspelz“: Nichts verrät, was unter der Haube lauert.
Klassischer „Wolf im Schafspelz“: Nichts verrät, was unter der Haube lauert.
(Foto: Holz)

Erfreulich unscheinbar steht er da, tief geduckt wartet der Insignia-OPC auf seinen Fahrer. Die Formensprache der Karosserie ist unaufgeregt bullig. Der Sports Tourer gibt sich seriös, nur wenige Details verraten den getarnten Sportwagen. Das Ein- und Aussteigen gestaltet sich diesem Anspruch angemessen, die hohen seitlichen Wülste der Sitze bieten nicht nur guten Seitenhalt, sondern auch viel Widerstand beim Platznehmen.

Ein Dreh am Zündschlüssel lässt das Biest erwachen – zumindest akustisch verrät der Insignia jetzt unverhohlen seine sportlichen Ambitionen. Die Abstimmung des Remus-Endschalldämpfers gelang jedoch nicht perfekt, die Geräuschkulisse wirkt nicht souverän, sondern eher angestrengt. Bereits nach wenigen Hundert Metern Fahrt keimt daher der Wunsch nach einem siebten Gang auf. Der Motor reagiert im unteren Drehzahlbereich träge, der Sports Tourer ist kein agiler Stadtflitzer.

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Autobahnrenner

Der behäbige Eindruck, den der 1,8-Tonner in der Stadt hinterlässt, endet schlagartig beim Beschleunigen am Ortsende-Schild. Verkürzt der Fahrer die Distanz Gaspedal bis Bodenblech auf Null, gelingt es scheinbar mühelos, den Beifahrer am Berühren des Armaturenbretts zu hindern. Der permanente Allradantrieb setzt jeden der 435 Newtonmeter schlupffrei in brachialen Vortrieb um. Die Längsdynamik außerorts ist vehement: Egal ob aus 100 oder 200 km/h – der Opel schiebt selbst von Steigungen völlig unbeeindruckt aus jeder Geschwindigkeit mächtig an. In den Krieg der Sterne, Ringe und Propeller auf der linken Spur greift der Blitzträger ebenfalls erfolgreich ein. Der Überraschungseffekt ist meist groß – auch dies eine Folge des gelungenen Understatements. Auch an der Tankstelle gibts keine unerwartete Überraschung – der Verbrauch entspricht den gebotenen Fahrleistungen. Die Fahrwerksabstimmung vereint guten Geradeauslauf mit sicherem Durchfahren scharfer Kurven ohne übertriebene Härte. Auch der Lenkung tat der Ausflug ins Performance Center gut, direkt und zielstrebig pfeilt der Edelkombi durch enge S-Kurven und Autobahnausfahrten.

Das Raumgefühl vorne ist großzügig, auf der Rückbank geht es deutlich enger zu. Hinter großen Frontpassagieren finden höchstens Kinder bis zum Teenageralter ausreichend Platz. Und auch der Kofferraum hält nicht ganz, was die riesige Karosserie äußerlich verspricht.

Nächtliche Lichtspiele

Ein Highlight im wahrsten Sinn des Wortes sind die serienmäßigen AFL+-Bi-Xenon-Scheinwerfer. Bis zu neun Funktionen, vom Spielstraßenlicht über dynamisches Kurvenlicht, Autobahn- und Landstraßenlicht, sorgen geschwindigkeitsabhängig geregelt für Durchblick in jeder Situation. So verlieren auch Nachtfahrten bei schlechtem Wetter für ältere Fahrer ihren Schrecken.

Wo viel Licht ist, ist leider auch einiges an Schatten: Tacho und Drehzahlmesser spiegeln sich auf dem Kopf stehend wie ein ungewolltes Head-up-Display in der Windschutzscheibe. Die Rückfahrkamera ist lichtschwach und ungünstig platziert: Nachts gleißen gut 20 Prozent des Sichtfeldes in sinnlosem Weiß – eine Reflexion der breiten Stoßstangenkante. Schade, denn die Übersichtlichkeit des Fahrzeughecks ist schlecht – im Gegensatz zur Sicht nach vorne. Hier überzeugt der Insignia durch den gut platzierten, schmalen Innenspiegel. Er schränkt auch für groß gewachsene Fahrer das überaus wichtige Sichtfeld nach schräg rechts nicht ein, ein aktiver Beitrag zum Schutz von Radfahrern und Fußgängern im städtischen Verkehr.

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