Auto Wichert will Willy Tiedtke übernehmen

Deal ist noch nicht in trockenen Tüchern

| Autor: Christoph Seyerlein

Willy Tiedtke ist im Metropolraum Hamburg aktiv. Das Unternehmen wurde 1935 gegründet.
Willy Tiedtke ist im Metropolraum Hamburg aktiv. Das Unternehmen wurde 1935 gegründet. (Bild: Achter / »kfz-betrieb«)

Die Zukunft der Willy-Tiedtke-Betriebe in Hamburg nimmt Konturen an. Wie »kfz-betrieb« aus dem Volkswagen-Umfeld erfuhr, will mit Auto Wichert ein anderer Händler aus der Hansestadt das Ruder beim insolvent gegangenen Traditionshaus übernehmen. Wichert bestätigte das Interesse am Abend in einer Pressemitteilung.

Tiedtke hatte Anfang Oktober mitgeteilt, die Finanzierung der Gesellschaft mit ihren fünf Standorten und rund 300 Mitarbeitern nicht mehr schultern zu können. Offizieller Grund für die finanzielle Schieflage war die „Nicht-Verlängerung einer Überbrückungsfinanzierung“. Verschiedenen Berichten zufolge ging es dabei um Diesel-Leasingrückläufer mit Euro-5-Norm, die sich in der Folge aufgrund der schwelenden Diskussionen um den Antrieb kaum weiter vermarkten ließen. Tiedtke hatte zudem in den letzten Jahren einige millionenschwere Investitionen gestemmt.

Der Händler hatte an seinen fünf Standorten im Hamburger Umfeld zuletzt rund 9.000 Neu- und Gebrauchtwagen der Marken Audi, Skoda, Volkswagen Pkw & Nutzfahrzeuge im Jahr verkauft, zudem bediente er im Service nach eigenen Angaben jährlich über 80.000 Werkstatt- und 15.000 Mietwagenkunden. Der Umsatz von Tiedtke soll sich zuletzt auf 150 Millionen Euro belaufen haben.

Auto Wichert erhofft sich nun vom angepeilten Zusammenschluss „weitere Impulse für unser geplantes Wachstum“, wie Geschäftsführer Bernd Glathe mitteilte. Allerdings seien noch einige Punkte zu klären. Gerade bei Audi scheint man nach Informationen von »kfz-betrieb« kein gesteigertes Interesse daran zu haben, Neuwagen der eigenen Marke im bisherigen Terminal von Tiedtke am Friedrich-Ebert-Damm 118 weiter vermarkten zu lassen. Zum Einen betreibt Audi eine eigene Niederlassung in Hamburg, zum anderen hatte der Hersteller zuletzt mehrfach betont, dass es eine weitere Konsolidierung im Händlernetz geben werde.

Zudem zählen die Immobilien offenbar nicht zur Insolvenzmasse, weshalb Wichert sich unbestätigten Informationen zufolge in den Betrieben, die das Unternehmen fortführen will, bei Tiedtke einmieten müsste. Eines scheint dagegen sicher zu sein: Sollte der Deal gelingen, will Wichert alle Mitarbeiter von Willy Tiedtke übernehmen.

Wichert würde zu einem der größten Händler Deutschlands aufsteigen

Wichert ist ebenfalls Volkswagen-Markenhändler und vermarktet Fahrzeuge von Audi, Seat, Skoda, VW Pkw & Nutzfahrzeuge. Nach eigenen Angaben betreibt das Unternehmen bislang 17 Standorte und zählt rund 1.200 Mitarbeiter. Laut Bundesanzeiger verkaufte der Händler im Jahr 2016 gut 9.000 Neuwagen und ebenso viele Gebrauchtwagen. Der Jahresumsatz lag dem Geschäftsbericht zufolge bei fast 330 Millionen Euro. Rechnet man die Tiedtke-Einheiten dazu, dürfte das Unternehmen rein von den vermarkteten Fahrzeugen pro Jahr in die Top 10 der größten deutschen Autohändler vorstoßen.

Erst kürzlich hatte Wichert bekannt gegeben, ein neues Audi-Terminal am Ausschläger Weg 74 in Hammerbrook (Hamburg City Süd) zu bauen. Das Gebäude soll bis zu vier Geschosse haben und im November 2019 eröffnet werden. Man habe sich dazu entschieden, da der bestehende Betrieb in der Wendenstraße stark gewachsen sei und man mehr Platz benötige, hatte Wichert-Geschäftsführer Bernd Glathe bei der Grundsteinlegung gesagt.

Der Neubau entsteht auf einem rund 13.000 Quadratmeter großen Grundstück und wird rund 7.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche bieten. Geplant sind rund 220 Neu- und Gebrauchtwagen Ausstellungsstellplätze, 49 Mechanikerplätze und knapp 300 Kundenparkplätze. 20 zusätzliche Arbeitsplätze will der Händler mit dem Terminal schaffen. Die Kosten für den Bau betragen 15,2 Millionen Euro.

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