Automechanika: Zoll macht Jagd auf Plagiate

Autor Christoph Seyerlein

Neben zahlreichen Neuvorstellungen und innovativen Produkten tauchen auf der Automechanika auch immer wieder Plagiate auf. Der Zoll nimmt die Fälscher ins Visier.

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(Bild: Seyerlein / »kfz-betrieb«)

Donnerstagmorgen, 8.30 Uhr vor dem Cargo-Center der Messe Frankfurt. Nach und nach kommen Männer und Frauen in olivgrünen Shirts und Hosen aus dem Gebäude geströmt. Der nächste Zoll-Kontrollgang auf der Automechanika steht an. Rund 35 Beamte und Mitarbeiter gehen in drei Gruppen Hinweisen auf Plagiate nach.

Einer der Fachmänner für Fälschungen beim Zoll ist Stefan Pranzas. Bei ihm und seinen Kollegen sind im Vorfeld der Messe 82 Meldungen zu vermeintlichen Fälschungen eingegangen. „Während der Messe steigt diese Zahl aber erfahrungsgemäß noch einmal deutlich“, sagt Pranzas. Der Zoll ist dabei für die außereuropäischen Aussteller zuständig, um den Rest kümmert sich die Polizei.

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Doch wann liegt überhaupt ein Plagiat vor? Diese Frage können die Zoll-Beamten nicht entscheiden, sie sind lediglich das ausführende Organ der Staatsanwaltschaft. Auf der Automechanika begleitet deshalb Staatsanwältin Monika Hucke-Labus den Zoll bei der Arbeit. Sie fällt letztendlich die Entscheidung, ob es sich um eine Fälschung handelt und wie hoch das Strafmaß ausfällt.

Gleich einer der ersten Hinweise entpuppt sich als Treffer. Ein amerikanischer Hersteller hatte sich über die offensichtliche Kopie seines Abstandswarners durch einen asiatischen Aussteller beschwert. Bei der Kontrolle am Stand spielt dieser zunächst den Ahnungslosen. Als dann ein knappes Dutzend Zöllner damit beginnt, Schubladen und Ordner des Ausstellers zu durchleuchten, gibt er aber doch schnell klein bei.

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Häufig zieht sich eine Standkontrolle aber auch bis zu eine Stunde lang hin. Sprachbarrieren, eine zweifelhafte Rechtslage oder fehlende Ausweisdokumente der Verdächtigen erschweren die Arbeit der Fahnder in vielen Fällen.

Produktpiraterie kostet deutsche Wirtschaft Unsummen

Die Fälschung des Abstandswarners geht für den asiatischen Aussteller letztendlich verhältnismäßig glimpflich aus. „Hier liegt nur ein leichter Verstoß vor, deswegen verlangen wir eine Schutzgebühr von 500 Euro“, sagt Staatsanwältin Hucke-Labus. Bei schwerwiegenden Fällen kann die Strafe theoretisch aber bis zu 360 Tagessätze zu je 30.000 Euro für die Fälscher bedeuten. Realistisch ist diese Summe allerdings nicht. In der Regel übersteigt der eingeforderte Betrag nicht den mittleren vierstelligen Euro-Bereich. Weigert sich der Aussteller zu zahlen, kann er vorläufig festgenommen werden.

Für die Wirtschaft ist die Arbeit der Behörden von großer Bedeutung. Studien schätzen den Schaden durch Produktpiraterie allein in Deutschland auf über 50 Milliarden Euro pro Jahr. Immerhin: Laut Hucke-Labus und der Messe Frankfurt geht die Zahl der Plagiate auf der Automechanika gefühlt leicht zurück, „aber es wird nach wie vor sehr viel gefälscht“, so Hucke-Labus.

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Besonders „beliebt“ bei den Fälschern sind in diesem Jahr Außenspiegel und Leuchten. So auch beim nächsten Stand, den Stefan Pranzas und seine Kollegen unter die Lupe nehmen. Hier hatte sich ein US-Unternehmen über einen abgekupferten Leuchte beschwert. „Der Fall wiegt etwas schwerer als zuvor, die Sicherheitsleistung wird hier bei 1.000 Euro liegen“, sagt Staatsanwältin Hucke Labus.

So treiben Staatsanwaltschaft und Zoll in den Tagen der Automechanika eine beträchtliche Summe ein, am Ende wird sie im fünfstelligen Bereich liegen. Das Geld geht im Anschluss an gemeinnützige Einrichtungen. Nach einer ganzen Reihe von kontrollierten Ständen verabschieden wir uns von den Fahndern. Ein „viel Erfolg weiterhin“ will Stefan Pranzas aber nicht einfach so stehen lassen. „Mir wäre es lieber, wir hätten hier weniger Erfolg und es würde einfach weniger gefälscht“, sagt der Zollamtmann, bevor sich der Tross den nächsten Stand vornimmt.

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