Autos nutzen statt besitzen

Der Mobilitätsmarkt der Zukunft wird sich verändern

06.10.2010 | Redakteur: Dipl.-Ing. Werner Degen

Die Deutsche Bahn hat ihr Carsharing-Konzept auf den Namen Flinkster getauft.
Die Deutsche Bahn hat ihr Carsharing-Konzept auf den Namen Flinkster getauft.

Einer J.D.-Powers-Studie zufolge wird sich der Mobilitätsmarkt der Zukunft deutlich verändern. Bislang gab es 85 Prozent motorisierten Individualverkehr und rund 15 Prozent öffentlichen Verkehr. Nun werden rund 25 Prozent Verkehrsleistung in einem sogenannten metromobilen Bereich hinzukommen.

Unter Metromobilität versteht die Studie Transportleistungen für Strecken von weniger als 25 Kilometern pro einfacher Fahrt; dafür müssen neue Mobilitätsangebote gefunden werden. Die gemischte Nutzung von Individual- und öffentlichem Verkehr bietet sich hier an. Überlagert wird diese Entwicklung von dem Trend, dass Neuwagenkäufer bis zu 29 Jahren immer häufiger bewusst auf einen eigenen Pkw verzichten. Sie stellen also Nutzen vor Besitzen.

An Märkten wie Japan hat die Studie festgemacht, dass die Autovermietungsbranche in den letzten acht Jahren um mehr als 30 Prozent gewachsen ist. Dieser Entwicklung folgend verknüpft die Deutsche Bahn zusammen mit Partnern wie Smart, Peugeot, Toyota oder BMW ihre Aktivitäten im Bereich Carsharing mit einer E-Mobility-Initiative. Dabei kombiniert sie ihren Fern-, Regional- und die Stadtverkehrsmobilitätsangebote mit dem Individualverkehr.

Bei ihrer Leasing-Flotte forciert die Deutsche Bahn den Einsatz von Elektrofahrzeugen, die sie als Leasingfahrzeuge anbietet wie beim Carsharing-Konzept Flinkster. Unter der Marke „Flinkster – Mein Carsharing“ fasst die Deutsche Bahn zukünftig alle Aktivitäten im Bereich Carsharing zusammen. Ziel der Aktion ist es, den öffentlichen Personennahverkehr möglichst günstig mit individueller Automobilität zu verknüpfen.

Von der Labor- zur Pilotphase

Die dazugehörige „Laborphase“ wurde im Juli 2010 abgeschlossen. Ihr folgt bis Ende des Jahres die sogenannte Entwicklungsphase, in der die Bahn die Fahrzeuge mit geeigneter Carsharingtechnologie und IT-Systemen ausrüstet und eine entsprechende Infrastruktur aufbaut. 2011 schließt das Projekt mit der sogenannten Pilotphase ab.

Für Elektrofahrzeuge werden Stationen etabliert und bereits bestehende Flächen von RWE und Vattenfall genutzt. Falls möglich, löst die Bahn die bislang bestehende Stationsrückkehrpflicht auf. Das würde bedeuten, dass Annahme- und Rückgabeort nicht zwangsläufig identisch sein müssen.

Last but not least wertet die Bahn das Nutzerverhalten der Flotte von insgesamt rund 100 Fahrzeugen aus. In Verbindung mit den Verkehrsverbünden der Pilotstädte Stuttgart und Köln richtet Flinkster Übernahmestationen im gesamten Stadtgebiet ein. Ziel ist, die dort gewonnenen Erkenntnisse auf den Bund zu übertragen.

Carsharing, aber bitte ökologisch

Die Deutsche Bahn setzt dabei bewusst auf umweltfreundliche Elektroautos, die in Verbindung mit erneuerbaren Energien ein gleichermaßen ökonomisches wie ökologisches Mobilitätsangebot innerhalb der Reisekette bilden sollen. Für den Kunden wird das mit dem neuen Markenauftritt von „e-Flinkster“ deutlich.

Schon heute stehen bei der Deutschen Bahn rund 110.000 Carsharing-Kunden europaweit für rund 4.500 Fahrzeuge an knapp 2.000 Stationen an. Das Angebot ist in insgesamt knapp 600 Städten und Gemeinden verfügbar. In Deutschland können die Nutzer auf rund 2.100 Fahrzeuge in über 130 Städten zurückgreifen. Die Nutzung ist denkbar einfach: Nach einer einmaligen Registrierung erhält man eine Kundenkarte. Die Buchung erfolgt übers Internet. Gebucht wird stundenweise, abgerechnet halbstündig. Tanken muss der Nutzer nur dann, wenn der Tank gegen Ende der Fahrt weniger als ein Viertel voll ist.

Ungelöste Details im Nutzungskonzept

Getankt wird bargeldlos mit einer Karte, die sich im Handschuhfach befindet. Sie ist nur an bestimmten Tankstellen gültig. Das kann die Sache im Einzelfall zeitaufwendig und kompliziert machen. Die Tankstellen stehen zusammen mit der Tankpin auf dem Schlüsselanhänger im Bordbuch des Fahrzeugs. Muss der Fahrer doch einmal bar zahlen, kann er die Originalquittung unter Verwendung der dazu notwendigen Formulare an den Kundenservice schicken.

Den Parkplatz des Flinksters muss der Nutzer mit Parkbügeln oder Pfosten sichern. Der dazu notwendige Schlüssel befindet sich am Autoschlüssel. Das geleaste Fahrzeug darf nicht nur der Buchende nutzen. Auch Freunde, Kollegen und Verwandte dürfen, so lange sie über eine gültige Fahrerlaubnis verfügen, damit fahren. Das Schadensrisiko bleibt jedoch beim Mieter.

Das Ganze ist sehr günstig. Nach der Zahlung eines Startpreises von rund 20 Euro (die dem Fahrtguthaben zu 100 Prozent gutgeschrieben werden) beträgt die Nutzungsgebühr pro Stunde 1,50 Euro zuzüglich einer Kraftstoffpauschale von 0,25 Euro pro gefahrenem Kilometer. Ein Rundumversicherungspaket kostet zehn Euro im Monat oder vier Euro pro Fahrt. Genaueres zu Preisen und Tarifen finden Sie unter www.flinkster.de.

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