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AvD: Nachkriegsneustart vor 70 Jahren

| Autor: Steffen Dominsky

Bereits 1899 wurde in Berlin der Vorläufer des Automobilclubs von Deutschland (AvD) gegründet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte seine Wiederbegründung in Frankfurt – ein Neuanfang mit Hindernissen.

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Vor genau 70 Jahren gründete sich der Automobilclub von Deutschland wieder.
Vor genau 70 Jahren gründete sich der Automobilclub von Deutschland wieder.
(Bild: AvD)

Am 6. November jährte sich zum siebzigsten Mal die Wiedergründung des Automobilclubs von Deutschland (AvD). Er zählt damit zu den ersten öffentlichen Institutionen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden. Am 9. November kam der Club an historischer Stätte – im Saal der Villa Borgnis, dem Kurhaus von Königstein im Taunus – zusammen und erinnerte im Rahmen einer Feierstunde an den Neustart.

Um der Gleichschaltung in der Einheitsfront der deutschen Kraftfahrer und der Eingliederung in „Der Deutsche Automobil-Club (DDAC)“ zu entgehen, änderte der AvD im Jahr 1934 seinen satzungsgemäßen Zweck. Damit einher ging eine Namensänderung in „Deutscher Ausland-Club e. V.“ (DAC) und die Aufgabe der automobilen Tradition. 15 Jahre später lag Deutschland in Trümmern, sämtliche staatliche Institutionen waren zusammengebrochen, die Reisefreiheit innerhalb und besonders zwischen den einzelnen Zonen war zunächst erheblich eingeschränkt.

Bereits im Winter 1947/48 kamen aus der sowjetischen Zone die ersten Vorschläge zur Wiederbelebung des AvD; das fand auch im Westen Gehör. Doch die Umsetzung beanspruchte viel Engagement und Zeit. Zudem waren die ehemaligen Mitglieder von AvD und DAC durch die Kriegswirren in alle Winde verstreut und mangels zuverlässigem Meldewesen teils nicht auffindbar. Dennoch fand sich eine Gruppe von Optimisten, die überzeugt war, den Geist des ursprünglichen AvD wieder erwecken zu können.

Mit dem Promi-Bonus werben und auf „Kundenfang“ gehen, war auch schon in den Fünfzigerjahren modern. Wohl nicht umsonst enstand dieses Bild, das „zufällig“ den Dienstwagen des ersten Nachkriegs-Bundeskanzlers Konrad Andenauer zeigt.
Mit dem Promi-Bonus werben und auf „Kundenfang“ gehen, war auch schon in den Fünfzigerjahren modern. Wohl nicht umsonst enstand dieses Bild, das „zufällig“ den Dienstwagen des ersten Nachkriegs-Bundeskanzlers Konrad Andenauer zeigt.
(Bild: AvD)

Mitte Mai 1948 trafen sich der Verleger August Christ, Georg Zettritz und der Ministerialrat Dr. Eras und besprachen die Grundlagen und die Zielsetzung einer Wiederbegründung. Das erste informelle Treffen beriefen sie für den 5. Juni 1948 im Wiesbadener Hansa-Hotel ein – mit der Bitte an die Teilnehmer, Getränke und Verpflegung selbst mitzubringen. Doch der Erfolg hing kurz vor der bereits absehbaren Währungsreform am sprichwörtlich seidenen Faden. Dennoch schrieben sich binnen weniger Wochen Hunderte ehemaliger AvD-Mitglieder in die Listen für die Neugründung ein, und der Gründungsfonds sammelte 40.000 Deutsche Mark (DM) ein.

Erstes AvD-Präsidium vereint zahlreiche große Namen

Am 6. November 1948 kam es im Saal des Kurhauses von Königstein im Taunus zur Wiederbegründungsversammlung des Automobilclubs von Deutschland e. V. Es wurde eine neue Satzung verabschiedet und ein Präsidium sowie ein Repräsentantenausschuss als Vertretung der angeschlossenen Ortsvereine gewählt. Der ehemalige hessische Ministerpräsident und Rektor der Universität Heidelberg, Professor Dr. Karl Geiler, wurde der vierte Präsident in der AvD-Geschichte. Als Vizepräsidenten fungierten Carl Max Graf von und zu Sandizell sowie Georg Zettritz; Sportpräsident war der Rennfahrer Manfred von Brauchitsch. Zu den weiteren Funktionsträgern zählten unter anderem Dr. Heinrich von Brentano, Bundesaußenminister im ersten Kabinett Adenauers, sowie Dr. Harald Koch, hessischer Minister für Verkehr und Wirtschaft.

1952 begründete der AvD seinen Verkehrshilfsdienst und engagierte sich weiter für den Wiederaufbau der Verkehrsinfrastruktur. Seitdem ist der AvD mit seinem Verkehrshilfsdienst und der Pannenhilfsflotte stets auf den Straßen präsent.
1952 begründete der AvD seinen Verkehrshilfsdienst und engagierte sich weiter für den Wiederaufbau der Verkehrsinfrastruktur. Seitdem ist der AvD mit seinem Verkehrshilfsdienst und der Pannenhilfsflotte stets auf den Straßen präsent.
(Bild: AvD)

Da das ehemalige AvD-Haus in Berlin dem Krieg zum Opfer gefallen war und die Hauptstadt durch die Blockade der Sowjets nicht zu erreichen war, fand der Club eine neue Heimat in Frankfurt am Main. Als Übergangsquartier nutzte er zunächst zwei Räume, die ihm die Deutsche Turnerschaft in der Arndtstraße 9 zur Verfügung stellte. Aufgrund der allgemein schlechten Versorgungslage mussten anfänglich Holz und Kohlen zum Heizen in den Aktentaschen mitgebracht werden. Dennoch war der AvD so erfolgreich, dass bald in München, Baden-Baden, Frankfurt, Düsseldorf, Köln, Krefeld, Hagen, Dortmund, Essen, Aachen, Wiesbaden, Braunschweig, Bremen und Hamburg Orts- bzw. Korporativclubs ins Leben gerufen wurden. Bis Ende 1949 stieg die Mitgliederzahl von 483 auf 1.541 und übersprang im Verlauf des Jahres 1952 die 4.000er-Marke. In diesem Jahr errichtete der AvD sein erstes eigenes Clubhaus der Nachkriegszeit in der Fürstenberger Straße im Frankfurter-Westend. 70 Jahre später ist der Automobilclub von Deutschland noch in Frankfurt am Main beheimatet.

AvD

Als traditionsreichste automobile Vereinigung in Deutschland bündelt und vertritt der AvD seit 1899 die Interessen der Autofahrer. Mit seinen Services wie der weltweiten Pannenhilfe einschließlich einer eigenen Notrufzentrale im Haus, weltweitem Auto- und Reiseschutz, Fahrertrainings und attraktiven Events unterstützt der AvD die Mobilität seiner Mitglieder und fördert die allgemeine Verkehrssicherheit. Das Gründungsmitglied des Automobilweltverbandes FIA betreut seine rund 1,4 Millionen Mitglieder und Kunden ebenso persönlich wie individuell in allen Bereichen der Mobilität und steht für Leidenschaft rund ums Auto.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "bike & busines", "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group