Bis dass der Tod uns scheidet?

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Ölwechselintervalle

Doch wer bestimmt, wie oft das Öl gewechselt werden muss? „Die Ölwechselintervalle werden vom Fahrzeughersteller vorgeschrieben, da sie eine Schlüsselgröße bei der Motorkonstruktion und -auslegung sind. Die Entwicklung von Motorbauteilen, die Materialwahl und die Entwicklungstests erfolgen unter der Voraussetzung dieser Ölwechselintervalle“, sagt Prof. Dr. Rudolf Menne, Leiter Ford-Forschungszentrum Aachen. Das bedeutet, dass ein Ölwechselintervall – einmal festgelegt – nachträglich nicht beliebig verlängert werden kann; andernfalls drohen Schäden an der Motormechanik.

Die Länge der Ölwechselintervalle ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten drastisch angestiegen: von zirka 7.500 auf oftmals 20.000 bis 30.000 Kilometer. Das von Kundenseite häufig angeführte Argument, dass ein Ölwechsel bei einem Literpreis von manchmal über 20 Euro sehr teuer sei, wiederlegt die Grafik von Motul (siehe „Ölwechselkosten“ unter „Mehr zum Thema“ ). Die Ausdehnung der Intervalle ist zum einen zurückzuführen auf die verbesserte Technik der Motoren, zum anderen auf moderne Kraftstoffe (bleifrei, schwefelarm, etc.) und Motorenöle (Synthetiktechnologie). Ein weiterer Grund sind die langen Intervalle selbst: Denn auch modernste Motoren haben einen natürlichen Ölverbrauch.

„Ein Skoda Octavia TDI z. B. hat auf 30.000 Kilometern einen Ölverbrauch von drei Litern – bei einer Gesamtölfüllmenge von 4,6 Litern. Das heißt im Klartext: Über das Intervall wird mit dem Nachfüllöl beinahe schon während der Nutzung ein ‚Ölwechsel‘ durchgeführt“, schildert Alexander Hornoff, Technischer Leiter von Motul, die Situation in der Praxis. „Beinahe“ heißt, es verlängert die Wechselintervalle zusätzlich, ersetzt diese jedoch nicht. Denn mit dem Nachfüllen werden zwar Grundöl und Additive aufgefrischt, die Schadstoffe und Verunreinigungen befinden sich aber nach wie vor im Motor und werden nur durch einen Wechsel entfernt.

Doch warum sind in manchen Fällen Pkw-Motoröle laut einer Ölanalyse noch verwendbar, wie von Schmierstofflabor Wearcheck in dem Fernsehbeitrag angegeben? „Da jeder Pkw-Besitzer sein Auto unterschiedlich nutzt, entscheiden sich die Fahrzeughersteller für ein Intervall, das bei jedweder Nutzung einen Schaden am Motor ausschließt. Es handelt sich um einen Durchschnittswert“, sagt Uwe Krügel von Liqui Moly. Das sieht auch der Automobilhersteller Fiat so. Denn der Hersteller hat keinen Einfluss auf die Nutzung des Fahrzeugs und müsse deshalb zwangsläufig von der ungünstigsten Konstellation ausgehen, bringt es Markus Vornberger, Referent Service Engineering bei Fiat, auf den Punkt.

Unterschied Lkw

Das erklärt wiederum die extrem ausgedehnten Wechselintervalle von Nutzfahrzeugen, die auf Langstrecken bei bis zu 150.000 Kilometern liegen. „Sie sind regelmäßig mit einer idealen Öltemperatur von 90°C im Einsatz und besitzen ein an dieses Einsatzszenario angepasstes Ölvolumen. Pkw werden deutlich häufiger im Kurzstreckenbetrieb eingesetzt“, so Hersteller Mercedes. Und wenn man versucht, die Wechselintervalle mithilfe einer Ölanalyse, bei der das Öl regelmäßig in einem Labor hin untersucht wird, zu verlängern?

Das ist prinzipiell kein Problem. Doch auch das kostet Geld. Rund 60 Euro stellt Wear Check für eine Einzelanalyse in Rechnung. Hinzu kommen Kosten und Zeit für die Probenentnahme in der Werkstatt. Verbrauchtes Öl muss zwingend mit einem identischen Schmierstoff ergänzt werden. Anderenfalls würde das Analyseergebnis verfälscht werden. Bei einem durchschnittlichen Pkw sollte alle 15.000 bis 20.000 Kilometer eine Analyse gemacht werden. Zudem empfiehlt Wear Check den regelmäßigen Wechsel des Ölfilters.

Die Entscheidung für eine begleitende Ölanalyse muss jeder Autofahrer selbst treffen. Sinn macht sie zweifellos bei großen Nutzfahrzeugen. Im Minenabbau sind z. B. Großlaster mit Motorölinhalten von bis zu 250 Litern in Betrieb. Ein schnelles In-die-Werkstatt-Fahren ist hier oft mit viel Aufwand verbunden und entsprechend teuer. Da macht eine Ölanalyse durchaus Sinn.

Intervalle sinken

Doch wohin geht die Reise? Werden die Wechselintervalle wie in den letzten 20 Jahren weiter ansteigen? „Höhere Temperaturbelastungen durch kleinere, aufgeladene Motoren, der Einsatz von Abgasnachbehandlungssystemen erhöhen die Anforderungen an Motoröle. Deshalb ist künftig eher von einer Verkürzung als von einer Verlängerung der Ölwechselintervalle auszugehen“, schätzt Dr. Inken Klemens, Motorölentwicklung und Technischer Service von Shell, die zukünftige Strategie ein. Der gleichen Ansicht sind die meisten Schmierstoffhersteller und Automobilhersteller wie BMW. Die Bayern sehen „eher eine Tendenz zu kürzeren Ölwechselintervallen“ aufgrund von Downsizing, wie das Beispiel des 1,4-Liter-TFSI-Motors von VW eindrucksvoll zeigt.

Vor allem Biokraftstoffe – egal ob pur oder als Beimischung zu anderen Kraftstoffen – beeinflussen die Ölwechselintervalle negativ. Sie sind oft aggressiver (wie z. B. Ethanol) als normale Kraftstoffe und belasten das Motoröl.

Ein weiterer Hemmschuh für längere Wechselintervalle sind die Bemühungen der Hersteller, verbauchsärmere Motoren zu produzieren – Stichwort: Reduzierung der inneren Reibung. „Der Trend geht deutlich zur Minimierung der Motorölmengen...“, sagt Total. Das hat zur Folge, dass immer weniger Öl zur Verfügung steht, um eine bestimmte Menge „Dreck“ zu binden.

Ebenfalls ein Aspekt sind die Bestrebungen der Fahrzeughersteller, den Schadstoffausstoß durch Abgasnachbehandlungssysteme zu verbessern – Stichwort: Dieselpartikelfilter. Doch warum wirkt sich dieser negativ auf das Ölwechselintervall aus? „Da moderne Abgasnachbehandlungssysteme sensibel auf die Additivierung von Motorölen reagieren, werden heute ‚aschearme‘ Öle eingesetzt. Es muss auf so genannte Aschebildner verzichtet werden. Diese Aschebildner sind aber die Additive, die die Motoröle chemisch puffern und für die langen Ölwechselintervalle sorgen“, erklärt Gerd Martin von Fuchs.

Moderne Motoren

Dass das die Öllebensdauer verkürzt, mussten auch Hersteller wie Audi überrascht feststellen. So gab es bei diversen Modellen mit Dieselpartikelfilter eine Werkstattaktion, bei der der Ölrechner der Fahrzeugelektronik „upgedatet“ wurde. Der Hintergrund: Zahlreiche Fahrzeuge hatten als Longlife-Variante (Ölwechselintervall bis zu 30.000 Kilometer) im Schnitt gerade einmal mickrige 14.000 Kilometer geschaft.

Hinzu kommt das bekannte Argument Umweltschutz – und das zu Recht. So weist das Umweltbundesamt in einer 2003 durchgeführten Testreihe ausdrücklich darauf hin, dass die Viskosität mit zunehmender Ölgebrauchsdauer steigt. Das hat eine Erhöhung des Kraftstoffverbrauchs von fünf Prozent durch erhöhte Reibung zur Folge.

Dazu Karsten Jaeger von Castrol: „Einer theoretischen Einsparung von wenigen Litern Öl steht so ein Kraftstoffmehrverbrauch von mehreren Hundert Litern gegenüber, wird das Motoröl nicht gewechselt. Diese belasten die Umwelt und den Geldbeutel des Autofahrers.

Es bleibt festzustellen: So lange der Verbrennungsmotor unsere Fahrzeuge antreibt und unsere Schmierstoffe auf Erdöl basieren, wird deren regelmäßiger Wechsel notwendig sein.

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