BMW 328 Roadster: Schnell stürmisch

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Was die Größe angeht, ist er fast ein Kleinwagen, und auch nicht stärker motorisiert als ein handelsüblicher VW Polo. Doch vor 80 Jahren war der BMW 328 ein echter Sportler. Das merkt man auch heute noch.

Der BMW 328 Roadster entstand vor dem Krieg und ist heute einen höheren sechsstelligen Betrag wert.
Der BMW 328 Roadster entstand vor dem Krieg und ist heute einen höheren sechsstelligen Betrag wert.
(Foto: BMW)

Oldtimer und Oldtimer sind ja bekanntermaßen zwei völlig unterschiedliche Baustellen. Die einen sind äußerst kompliziert konstruiert und hinter deren Technik steigen oft nur wenige Spezialisten, die dann früher oder später bei einer Restauration komplett an den Ideen der Konstrukteure von anno dazumal verzweifeln. So ganz anders ist da der legendäre zweisitzige BMW 328, der in den Jahren 1935/36 entwickelt wurde und mit seinem klassischen Reihensechszylinder mit 1.971 Kubikzentimetern Hubraum und exakt 59 kW/80 PS eine eigentlich recht übersichtliche Technik vorweist.

Die Basis des Zweiliter-Triebwerks stammte aus dem viersitzigen Tourenwagen 326, der nur 38 kW/50 PS leistete. Etwas komplizierter war nur die mechanische Lösung, um zwischen den beiden Ventilkammern Platz für die Ansaugwege zu schaffen. Zur Betätigung der Auslassventile wurde ein spezieller Kipphebel in der Ventilkammer der Einlassventile angesteuert. Zu jedem Auslassventil gehören dann ein Stößel, zwei Stoßstangen und zwei Kipphebel. In der Einlass-Ventilkammer befinden sich insgesamt zwölf Kipphebel – eigentlich doch ganz einfach, oder?

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Soweit zur theoretischen Seite des Motors, viel spannender sind die Fahreigenschaften des nunmehr fast 80 Jahre alten Sportwagens. Er kommt direkt aus dem Münchener BMW-Museum: ein nahezu perfekter, leuchtend blauer 328 Roadster aus dem Jahr 1937 für ausführlichen Testfahrten. Der Wert des hochglanzpolierten Museumsstücks liegt im oberen sechsstelligen Bereich, flüstert uns ein BMW-Mitarbeiter zu.

Um den 3,90 Meter langen, 1,55 Meter breiten und 1,40 Meter hohen Traumwagen mit dem elfenbeinweißen Startknopf anwerfen zu können, muss man sich erst einmal hinter das riesige Bakelit-Lenkrad zwängen. Dazu werden die relativ kleinen, fensterlosen und hinten angeschlagenen Türen mit einem verchromten Hebel auf der Innenseite geöffnet.

Aber bitte gaaanz vooorsichtig, damit die zarten ledernen Halteriemen nicht zu sehr gedehnt werden oder gar abreißen. Dann setzt man sich rückwärts hineingleitend auf die einfachen Ledersitze. Mit einem satten Rumms fallen die Türen wieder ins Schloss, es kann endlich losgehen. Der frisch überholte Motor springt bereits nach den ersten Umdrehungen an und aus dem einflutigen Endrohr ertönt eine ohrenschmeichelnde Symphonie, die den Sportwagen-Charakter nochmals deutlich unterstreicht.

Getriebe wird originalgetreu nachgebaut

Die vier Vorwärtsgänge lassen sich unter Zuhilfenahme der Einscheiben-Trockenkupplung relativ hakelfrei schalten, wobei es ungemein hilft, dass der dritte und der vierte Gang synchronisiert wurden. Da aber nicht alle 328er-Getriebe die letzten Jahrzehnte so gut überstanden haben, lässt die BMW-Classic-Abteilung zusammen mit dem Automobilzulieferer und Getriebespezialisten ZF aus Friedrichshafen das einst verwendete Hurth-Getriebe originalgetreu reproduzieren.

Dabei wird so sauber und sorgsam gearbeitet, dass sogar der internationale Automobildachverband FIA und der Weltverband der Oldtimer-Clubs FIVA ihren Segen zum neuen Schaltwerk geben. So werden die alten Autos mit den neuen Getrieben künftig auf jeden Fall auch bei offiziellen Oldtimer-Veranstaltungen ohne Probleme zugelassen. Für die zwischen 1936 und 1940 insgesamt 464 gebauten BMW 328 stehen nun 55 neue Original-Getriebe bereit, um den beliebten Klassikern wieder auf die Straße zu verhelfen. Der Kostenpunkt liegt bei stolzen 19.750 Euro zuzüglich Einbau.

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