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BMW-Gewinn bricht im ersten Quartal um 80 Prozent ein

| Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Für den Münchener Autobauer sind die Rahmenbedingungen derzeit ungemütlich. Verschiedene Entwicklungen in der Autobranche belasten, dazu kommen milliardenschwere Rückstellungen wegen drohender Kartellstrafen.

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Bei BMW ist die Lage derzeit wirtschaftlich angespannt.
Bei BMW ist die Lage derzeit wirtschaftlich angespannt.
(Bild: BMW)

Der BMW-Konzern ist in seinem Kerngeschäft wegen der Milliardenrückstellung für eine drohende EU-Kartellstrafe in die roten Zahlen gerutscht. In der Autosparte lag der Verlust vor Zinsen und Steuern im ersten Quartal bei 310 Millionen Euro, wie der Dax-Konzern am Dienstag in München mitteilte. Vor einem Jahr hatte BMW hier noch 1,88 Milliarden Euro operativen Gewinn gemacht. Auch ohne die Sonderbelastungen lief nicht alles rund, Kosten für neue Technik und Modelle streuten den Münchenern genauso Sand ins Getriebe wie der Gegenwind von Wechselkursen und höheren Rohstoffpreisen.

Der Autobauer stellt für das EU-Kartellverfahren rund um angeblich verbotene Absprachen deutscher Autobauer in Sachen Abgasnachbereitung 1,4 Milliarden Euro zurück. Anfang April hatte BMW bereits angedeutet, wohl mehr als eine Milliarde Euro dafür aufwenden zu müssen. Das Unternehmen will sich gegen die Vorwürfe gegebenenfalls „mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr setzen“. Daimler und Volkswagen haben bisher keine Rückstellungen gebildet, beide hatten einen Kronzeugenantrag gestellt. Daimler soll dem Vernehmen nach der erste gewesen sein und kann daher auf den größeren Erlass bei einer möglichen Strafe hoffen.

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In diesem Jahr rechnet BMW nun nur noch mit einer Marge vor Zinsen und Steuern von 4,5 bis 6,5 Prozent im Automobilgeschäft, wie das Unternehmen konkretisierte. 2018 hatte sie noch 7,2 Prozent betragen – und der eigentliche Anspruch der Münchener sind 8 bis 10 Prozent. Die BMW-Stammaktie lag am Mittag gut 2 Prozent im Minus. Auch die europäische Branche insgesamt zeigte sich an den Börsen weiter schwach, allerdings nicht ganz so sehr wie BMW. Die Stammaktie hinkt der Erholung von Autotiteln im laufenden Jahr ohnehin hinterher.

Schnelle Besserung zumindest ist auch weiter nicht in Sicht. Der gestiegene Absatz in den ersten drei Monaten unterstreiche, dass BMW die richtigen Produkte habe, sagte Vorstandschef Harald Krüger. „Wir liegen operativ auf Kurs und rechnen insbesondere in der zweiten Jahreshälfte mit Rückenwind dank steigender Verfügbarkeit zahlreicher neuer Modelle“, sagte er. Vor allem in China soll es weiter bergauf gehen.

Marge wäre auch ohne Rückstellungen gefallen

Die Margenentwicklung und die Abflüsse bei den freien Finanzmitteln im ersten Quartal machten deutlich, dass BMW derzeit nicht an seine eigenen Profitabilitätsziele herankomme, schrieb Bernstein-Analyst Max Warburton. Und an den Gründen dafür dürfte sich zunächst wenig ändern. Auch ohne die Rückstellung wäre die Marge im Automobilgeschäft von 9,7 Prozent vor einem Jahr auf 5,6 Prozent gefallen. Das war ein deutlicherer Rückgang als Analysten im Schnitt erwartet hatten.

Wieviel das chinesische Gemeinschaftsunternehmen BBA im ersten Quartal als Gewinn in München abgeliefert hat, dazu machte BMW keine Angaben. Finanzchef Nicolas Peter sagte lediglich, inklusive der Gewinnbeiträge aus China wäre die Marge im Autogeschäft rund einen Prozentpunkt besser ausgefallen.

Neben der Vorsorge für eine mögliche Kartellstrafe bekommt BMW das schwierige Umfeld in der Autobranche zu spüren. Von Januar bis März hatte der Konzern zwar etwas mehr Autos verkauft als vor einem Jahr – das lag jedoch am chinesischen Markt, auf dem die Premiumautos der Marke mit dem weißblauen Logo trotz Marktschwäche gut laufen. Die Verkäufe in China fließen aber nicht in den Konzernumsatz ein, und die Gewinne des chinesischen Joint Ventures verbucht BMW erst im Finanzergebnis.

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