Boris Becker verkauft seine Mercedes-Betriebe

Autor: Dr. Dominik Faust

Tennisstar Boris Becker hat seine drei Mercedes- und Renault-Autohäuser in Mecklenburg-Vorpommern verkauft. Damit endet nach 23 Jahren das Engagement der Sportler-Familie im Autohandel. Käufer des Unternehmens ist die Brinkmann-Gruppe.

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Boris Becker und sein langjähriger Geschäftsführer Malte F. Hermann.
Boris Becker und sein langjähriger Geschäftsführer Malte F. Hermann.
(Bild: Autohaus Boris Becker)

Die Brinkmann-Gruppe baut mit der Übernahme der drei Mercedes- und Renault-Autohäuser des Tennisstars Boris Becker ihre Position als „größte Autohausgruppe in Mecklenburg-Vorpommern“ weiter aus. Das sagte Geschäftsführer Knut Brinkmann am Freitag auf Anfrage von »kfz-betrieb«. Die neuen Eigentumsverhältnisse sollen bis spätestens Ende März 2017 wirksam werden. Alle etwa 160 Mitarbeiter an den drei Standorten Stralsund, Greifswald und Ribnitz-Damgarten werden vom neuen Eigentümer übernommen, erklärte Malte F. Hermann, seit 21 Jahren Geschäftsführer der Autohaus Boris Becker GmbH, auf Anfrage. Er selbst scheidet zum Jahresende altersbedingt aus. Nachfolger in der Geschäftsführung wird Verkaufsleiter Gerd Deffge. Seit Gründung des Unternehmens der Familie Becker im Jahre 1993 ist er Mitglied der Geschäftsleitung.

Die neue Brinkmann-Filiale in Stralsund - zum Vergrößern bitte klicken.
Die neue Brinkmann-Filiale in Stralsund - zum Vergrößern bitte klicken.
(Bild: Autohaus Boris Becker)

Becker beim Tennis wieder im Business

Die Boris Becker-Betriebe verkaufen nach eigenen Angaben pro Jahr rund 1.000 Mercedes-Neuwagen und rund 700 Gebrauchtwagen. Noch bis vor wenigen Jahren waren sie die „Basis der beckerschen Geschäfte“, wie der Tennisstar in seinem 2013 erschienenen Buch „Das Leben ist kein Spiel“ schrieb. Allerdings hatte das Unternehmen vor einigen Jahren mit Verlusten in der strukturschwachen Region zu kämpfen. Doch seit Boris Becker wieder Geld als Trainer des derzeitigen Weltranglistenzweiten Novak Dokovic verdient, wird diese Basis offenbar nicht mehr benötigt: „Boris hat entschieden, sich wieder komplett auf den Sport zu konzentrieren“, erklärte Malte F. Hermann im Gespräch mit »kfz-betrieb«. Hinzu komme, dass die Daimler AG weiterhin größere Einheiten im Händlernetz anstrebe. So lag es nahe, mit dem regionalen Nachbarn zusammen zu gehen.

Beide Unternehmen hatten bereits seit langem engen geschäftlichen Kontakt. Unter anderem habe man Betriebsvergleiche durchgeführt und sei „bei sich gegenseitig ein und aus gegangen“, so Hermann. Knut Brinkmann bestätigte, dass man seit über einem Jahr in Verhandlungen gestanden habe. Boris Becker hatte die Unternehmensberatung Roland Berger mit dem Verkauf beauftragt. „Am Montag waren wir schließlich beim Notar“, so der zweite Brinkmann-Geschäftsführer Maik Osterloh gegenüber »kfz-betrieb«. In einer Pressemitteilung der Brinkmann GmbH wird Boris Becker dahingehend zitiert, dass er den neuen Eigentümer als Garanten „für eine erfolgreiche Fortführung unserer Arbeit" sieht. So habe Brinkmann bereits bei der Übernahme der Tejes-Autohäuser (heute Brinkmann Osterloh) vor drei Jahren keine einzige betriebsbedingte Kündigung ausgesprochen.

Malte F. Hermann erläuterte zudem, dass die Namensrechte an der Autohaus Boris Becker GmbH & Co. KG nicht Gegenstand des M&A-Projekts waren. Die neue Brinkmann-Tochter firmiert vielmehr unter dem Namen Brinkmann Vorpommern GmbH & Co. KG. Damit ist der Name „Boris Becker" endgültig Geschichte im Autohandel von Mecklenburg-Vorpommern.

Es ist allerdings davon auszugehen, dass sich die seit zwei Jahren andauernden Verkaufsgerüchte negativ auf die Motivation der Becker-Belegschaft ausgewirkt haben. Für Brinkmann wird es daher jetzt darauf ankommen, die neuen Mitarbeiter rasch zu integrieren und sie zu motivieren. Inwieweit der ehemalige Alleingesellschafter Boris Becker in den letzten Jahren noch in seine Autohäuser investiert hat, ist offen. Knut Brinkmann sieht allerdings keinen großen Investitionsstau – obwohl die aktuelle Mercedes-CI-Stufe dort noch nicht umgesetzt ist.

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Über den Autor

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Founder & CEO viadoo GmbH