Brilliance steht im Wartestand für Europa

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm

Die Diskussion um chinesische Hersteller fokussiert derzeit auf den Neuling Qoros. Doch auch Brilliance, ein Vorreiter des China-Imports, hat Deutschland und Europa nicht abgeschrieben.

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Eberhard Niering ist Geschäftsführer der Shenhua Europe GmbH, über die die Teileversorgung für Brilliance läuft.
Eberhard Niering ist Geschäftsführer der Shenhua Europe GmbH, über die die Teileversorgung für Brilliance läuft.
(Foto: Brilliance)

Der chinesische Hersteller und BMW-Partner Brilliance hat den deutschen und europäischen Markt trotz der Pleite des ersten Importeurs HSO im November 2009 nicht aus den Augen verloren. Wie Eberhard Niering, Geschäftsführer der Shenhua Europe GmbH mit Sitz in Ginsheim bei Frankfurt, auf Anfrage von »kfz-betrieb« mitteilte, laufen die Überlegungen für eine Rückkehr nach Europa. Einen Zeitpunkt für den neuerlichen Import von Pkw aus China nannte er mit Verweis auf die aktuell schwierige Absatzsituation in Europa nicht. Ursprünglich war eine Wiederaufnahme des Imports sogar für 2013 geplant gewesen.

Shenhua Europe fungiert laut Niering als Europazentrale der Brilliance Group, die wiederum nicht nur im Pkw-Geschäft engagiert ist. Beispielsweise pflegt Shenhua für den Konzern Kooperationen im Bereich der Spezialfahrzeuge (Baumaschinen, Löschfahrzeuge etc.). Für den deutschen Markt ist das Unternehmen insofern relevant, als es sich um die Ersatzteilversorgung der rund 900 in Deutschland gemeldeten Brilliance-Pkw (dazu 300 weitere in Europa) kümmert.

Für die Wartung und Reparatur des Fahrzeugbestands hat Niering nach eigener Aussage 72 Vertragspartner an der Hand, die über einen gültigen Servicevertrag verfügen. Vor allem aber könnten sie das Rückgrat für eine neu aufzubauende Handelsorganisation sein, sollte Brilliance den Wiedereintritt angehen. Die meisten der Servicepartner „haben eine Option für den Vertriebsvertrag", so Niering. Nach seinen Aussagen würde Shenhua in diesem Falle als europäische Importzentrale fungieren und den deutschen Markt direkt bedienen. In den anderen europäischen Ländern werde man mit Importeuren zusammenarbeiten, die bereits Erfahrungen mit anderen Fabrikaten haben.

Produktseitig sieht Niering Brilliance inzwischen besser aufgestellt als im Jahr 2009 mit den Modellen BS4 und BS6. Damals hatte der BS4 im Crashtest des ADAC vollkommen versagt. „Die gesamte Modellpalette ist jetzt für Europa geeignet", versicherte Niering. An den Start gehen werde Brilliance mutmaßlich mit dem Modell H220, der auf jeden Fall unterhalb des Kompaktwagens BS2 angesiedelt wäre. Dieses Auto in der Golfklasse war auf der IAA 2007 entüllt worden, fand aber nie den Weg in den deutschen Handel.

Einen Überblick über frühere und anstehende Versuche, chinesische Fahrzeuge in Deutschland und Europa zu etablieren, lesen Sie in Ausgabe 20 des »kfz-betrieb«, die am 16. Mai erscheint.

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