Bugatti Chiron: Wenn der Tacho bis 500 geht

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Den bleibendsten Eindruck aber hinterlässt das Heck mit seiner umlaufenden Abrisskante. Das sieht nicht nur spektakulär aus, sondern sorgt auch dafür, dass während der Fahrt ein Sogeffekt entsteht, der die im Motorraum angestaute Luft abziehen lässt. „Wir hatten sehr viel Platz, das Drama zu erschaffen, das dem Auto gebührt“, strahlt Designer Sasha Selipanov. Ein wenige Millimeter hohes, 1,60 Meter breites Lichtband mit 82 roten LEDs dient als Schlussleuchte, eingefasst in Aluminium. „Dieses Detail war einfach zu zeichnen, aber unfassbar kompliziert in der Produktion“, so Selipanov. Schlussendlich wird nun die Alu-Spange tatsächlich aus einem vollen Block gefräst.

Innen fast kein Plastik

Genauso aufwendig entstehen die Aluminium-Teile für den Innenraum, zum Beispiel Lenkrad und das Metall-Band in der Mittelkonsole. Kühl fasst sich das Metall an, edel das Leder. Im kompletten Innenraum gibt es fast kein Plastikteil. Nur am Anschnallgurt musste aus Sicherheitsgründen Kunststoff verwendet werden. Ansonsten gilt „What you see is what you get“ – alles, was nach Metall, Leder oder Karbon aussieht, ist es auch.

Bugatti Chiron: Wenn der Tacho bis 500 geht
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Der Fahrer blickt neben dem analogen Tacho auf zwei digitale Anzeigen, die er über Lenkradtasten bedient. Die Mittelkonsole hingegen bleibt frei von jeglichem digitalen Schnickschnack – besser so: „Bei 300 km/h und mehr wollen Sie Ihre Hände nicht vom Lenkrad und den Blick nicht von der Straße nehmen, um auf einen Bildschirm in der Mittelkonsole zu tippen“, erklärt Simon Wägener, Leiter Elektrik und Elektronik. „Wir haben das Fahrer-Cockpit so konzipiert, dass man alle wesentlichen Funktionen vom Lenkrad aus steuern kann.“

Unendlich sind die Individualisierungsoptionen für den Ausnahme-Sportwagen. Wer am Bugatti-Sitz in Molsheim einen Chiron bestellt, dem hilft deshalb einer der Chiron-Designer bei der Auswahl. „Unendlich“ ist nicht übertrieben: Auf Wunsch wird das Sitzleder an die Handtasche der Ehefrau angepasst – für einen gewissen Aufpreis natürlich.

Nach hunderten Stunden Handarbeit wird jeder fertige Chiron, der aus dem Atelier in Molsheim kommt, noch einmal etwa 350 Kilometer auf der Straße getestet, unter anderem auf einem Flugplatz mit mehr als 300 km/h. Danach werden Reifen, Getriebeöl und Unterboden ausgetauscht, bevor das Fahrzeug zum Kunden geht. Auch der Lack ist auf der Testfahrt extra geschützt.

500 Exemplare wird es vom Chiron nur geben, gut 200 sind bereits verkauft, bis zu vier Jahre warten die Kunden auf die Auslieferung. Wer so weit im Voraus mindestens 2,4 Millionen Euro netto ausgibt? Produktionsleiter Christophe Piochon: „Besitzer von Luxusautos jubeln ihrem Lieblingsverein aus ihrer eigenen Loge zu. Bugatti-Kunden besitzen ihren Lieblings-Fußballclub.“ Die Garage des durchschnittlichen Bugatti-Käufers ist gut gefüllt. Im Schnitt besitzt jeder 42 Fahrzeuge. Und 2,7 Privatjets, 1,2 Yachten, 3,2 Helikopter sowie 4,6 Immobilien.

Wer nicht ganz so betucht ist, den Bugatti Chiron aber irgendwo parken sieht, sollte ein Blick durch das Fahrerfenster ins Cockpit werfen. Dort prangt der einzige Serien-Tacho, der bis 500 km/h reicht. Der Fenster-Blick erklärt, warum der Hightech-Sportler kein komplett digitales Cockpit hat: Dann wäre der Geschwindigkeitsmesser im Stand schwarz. Eine Enttäuschung für alle Fans. Wie gesagt, man macht sich keine Vorstellung, an was ein Bugatti-Entwickler alles denken muss.

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