Concours d'Elegance: Alte Liebe rostet nicht

Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

Die 65. Auflage des Concours d'Elegance in Pebble Beach hielt für Oldtimmer-Freunde viele Automobil-Klassiker bereit. 200 Fahrzeuge waren zum Schaulaufen eingeladen.

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(Foto: Bugatti)

Am vergangenen Wochenende hat sich auf der kalifornischen Monterey-Halbinsel die High Society der Oldtimer-Fangemeinde getroffen und ihre wertvollen Pretiosen mit bis zu mehreren Millionen Marktwert auf den Golfplatz-Grüns von Pebble Beach geparkt. Jeder, der in Amerika Geld und alte Autos hat, dürfte dort gewesen sein, aber auch aus anderen Teilen des Globus reisten Liebhaber an, um an dem wohl spektakulärsten Oldtimer-Treffen der Welt teilzunehmen. Höhepunkt war der 65. Concours d'Elegance, der die schönsten Klassiker prämiert.

Mit 44 Jahren war in diesem Jahr ein 71er Ferrari 365 GTB/4 Scaglietti Berlinetta, der „Daytona“, das jüngste Auto auf dem Feld. Der älteste Teilnehmer war ein Artefakt aus den frühen Zeiten des US-Automobilbaus: Der Duryea Four-Wheel Phaeton hat 114 Jahre überstanden und kam frisch aus der Restaurationswerkstatt. Eine Besonderheit des 14-PS-Vehikels ist die Lenkstange, die gleichzeitig auch zum Gasgeben und Schalten benutzt wird – nach unten gedrückt liegt der erste Gang an, nach oben der zweite.

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Rund 700 Bewerbungen gab es, eine Jury hat im Voraus entschieden, welche 200 Fahrzeuge eine Einladung bekommen – nach intensiver Prüfung der Concours-Würdigkeit. Im Vorfeld erfolgte eine genaue Begutachtung des Zustandes und der Originalität – das kann sich auch finanziell lohnen. Experten halten Wertsteigerungen von zehn bis 20 Prozent für möglich, insbesondere wenn das Fahrzeug ausgezeichnet wird.

Die Juroren untersuchen die Fahrzeuge genau, weisen sich gegenseitig auf Lackunregelmäßigkeiten hin, stecken die Köpfe in Motorräume, bücken sich für einen Blick unter das Auto und notieren dann mit spitzem Bleistift ihr Fazit auf dem Klemmbrett.

Zwischen einigen hunderttausend und über einer Million Euro geben Liebhaber schätzungsweise für die Restauration aus. Sie ist manchmal perfekter als der Originalzustand – vor 70 Jahren war beispielsweise die Lackiertechnik nicht so ausgereift wie heute. Ein Kritikpunkt, dem die Organisatoren vor einigen Jahren mit der Einführung einer „Preservation Class“ (Konservierungs-Klasse) begegneten.

Die geforderte Originalität treibt allerdings wiederum kuriose Blüten: So steht der Scheunenfund Ferrari 250 GT SWB Spyder California aus der Ballion-Sammlung noch mit originalem Staub auf dem Feld – auf irgendwann zu seinen aktiven Zeiten aufgefrischter Lackierung.

Im Rahmen des Oldtimertreffens drängen sich gut 20.000 Menschen an den historischen Autos entlang. Der Concours habe sich von einer Veranstaltung für Automobil-Connaisseure zu einem kommerziellen Event entwickelt, hört man immer mal wieder als Kritik. Davon profitiert aber auch der gute Zweck: Rund zwei Millionen Dollar kamen an Spenden zusammen.

Mit reichlich Pathos wurde am Nachmittag der „Best in Show“ gekürt, der offizielle Höhepunkt des Wochenendes: Das Sport-Cabriolet Isotta Fraschini Tipo 8A aus dem Jahr 1924 fuhr im Konfettiregen über die Rampe. „Dass ein Vorkriegsauto gewonnen hat, überrascht nicht – diese Auto sind einfach glamouröser“, meinte ein Juror. 90 Prozent der „Best of Class“-Gewinner seit 1950 waren Vorkriegsautos, häufig gewannen große Marken wie Rolls-Royce, Duesenberg oder Bugatti. Letztere stellen mit neun Siegen bisher die meisten Pebble-Beach-Gewinner.

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